Die Welt ist die beste Uni (der Welt)

Die Welt ist die beste Uni (der Welt)

Stell dir vor, du kommst in ein anderes Land und niemand fragt dich nach deinem Job.

(Ein Gastbeitrag von Caroline.)

Stell dir vor, Leute fragen nach deiner Familie.

Sie fragen, ob du gern malst oder singst oder was dein Lieblingsessen ist.

Stell dir vor, du kommst in ein Land und dein Gegenüber versucht nicht direkt abzuchecken, wie reich oder erfolgreich du bist, sondern was dich sonst noch ausmacht.

Es gibt Länder, da wird Kindern nicht nur Disziplin gelehrt, sondern dass man neben der Schule nie vergessen sollte das Leben zu genießen.

Die Welt ist die beste Uni...

Quelle: https://www.flickr.com/photos/ccpixel/14113746915

Es gibt Orte, wo Frauen an einem Mann weniger der Kontostand interessiert sondern eher, ob er gut Gitarre spielen oder tanzen kann.

Ich würde nicht sagen, dass dort alles besser ist.

Es ist nur gut zu wissen, dass es nie nur eine Wahrheit gibt. Die Werte, die wir so gern aus unserer Umgebung übernehmen und nach denen wir uns richten, sind nicht weltweit die gleichen.

Was würde passieren, wenn du dich aus der deutschen Welt heraus begibst?

reisen crazy

Was würde passieren, wenn dich plötzlich Menschen umgeben, die an ihre Träume glauben und ihnen nachgehen, egal, was andere davon denken?

Glaubst du, das würde abfärben?

Was würde passieren, wenn dich plötzlich keiner mehr kennt?

Wenn du frei von Erwartungen andererunabhängig von ihrer Akzeptanz und ihrer Meinung bist?

Meine Reisen waren immer Ausnahmesituationen und Zeiten, in denen ich nur für mich gelebt habe. Der beste Weg, herauszufinden, was ich will.

Das ist nur ein Grund von vielen, warum ich die Welt für die beste Uni halte.

Der andere waren die anderen Reisenden.

Ich glaube, dass es überall auf der Welt wunderbare Menschen gibt. Dazu muss man nicht weit weg.

 

Der einzige Unterschied zwischen den Menschen daheim und denen auf Reisen war, dass letztere sich trauen, zu spinnen.

 

Dass sie sich auf die Suche machen nach den Dingen, die sie am leben halten. Auch auf die Gefahr hin, für Idioten gehalten zu werden.

reisen happy

Ich habe immer mein nächstes Ticket gebucht, ohne irgendwem davon zu erzählen. Freunde und Eltern wussten immer erst kurz vorher von meinem Reiseplänen, wenn es kein Zurück mehr gab.

Ich hatte immer Angst, dass mir sonst jemand meine Träume und Pläne ausredet. Dass es jemand schafft, dass ich wieder „zur Vernunft“ komme.

Zum Glück hat das niemand geschafft.

Denn ich glaube, dann wäre ich irgendwann verbittert durch ein unerfülltes Leben gelaufen, weil ich nur auf meine
Eltern, Lehrer, Fernseher oder irgendwen anders gehört hätte.

Und das wäre wirklich meine eigene Schuld gewesen.

Ja, du wirst viele enttäuschte Blicke ernten, wenn du dein Studium oder Job schmeißt, um reisen zu gehen oder dein Ding zu machen.

Von Freunden, Eltern, Lehrern.

Oft sind das gut gemeinte Sorgen. Oder einfach nur ihre Erfahrungen, die sie (auch meist gut gemeint) auf uns projizieren.

Was ich mich  manchmal frage: Warum denken so viele Menschen, sie wüssten so viel besser als wir, was gut für uns ist?

Warum erwartet man von jungen Menschen, dass ihnen nach ihrer Schulzeit plötzlich ein Licht aufgeht und sie wissen, was sie ihr Leben lang machen wollen?

Warum gehen wir davon aus, dass ein gutes Leben möglichst geradlinig verläuft, wo so viele großartig erfolgreiche und glückliche Menschen einen total verrückten Weg für ihr Leben gewählt haben?

Warum erwartet die Gesellschaft von Abiturienten, dass sie möglichst schnell studieren gehen?

Das ist DEIN LEBEN.

Und es liegt in deinen Händen, etwas daraus zu machen.

Von 100.000 Möglichkeiten, Angst und Mut

100

Ich weiß, wie erschlagen man von den Möglichkeiten sein kann, die wir heute alle haben. Ich war das auch.

Ich wollte so viel. Und alles auf einmal.

Manchmal wollte ich Pferdezüchterin in Argentinien sein, dann Hostelbesitzerin in Guatemala, dann auf einem Segelschiff in der Karibik anheuern. Und ich habe alles nacheinander ausprobiert und wieder verworfen.

Das geht, wenn du reist.

Nimm die 1000 Möglichkeiten, die du hast, einfach wahr, anstatt dich darüber zu beschweren. Auf Reisen kannst du jeden Tag einen anderen deiner Träume leben.

Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich mich gar nicht so schnell entscheiden muss.

Für keinen Job, für kein Land, in dem ich bleiben will, für keinen Partner. Ich glaube, ich genieße einfach die Suche danach.

Ich mag es, Dinge zu finden, die ich gar nicht bewusst gesucht habe.

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Reisen macht dich nicht zu einem anderen Menschen. Aber es bringt auch Dinge zum Vorschein, die immer schon in dir waren.

Das zu finden Finden, was dich glücklich macht, kann ein sehr langer Weg sein. Ich habe unterwegs viele glückliche Menschen getroffen, aber ich habe auch gelernt, dass sie nicht immer glücklich waren.

Sie wurden für ihre Träume ausgelacht. Und es hat manchmal lange gedauert, bevor sie wirklich wussten, wovon sie träumen.

Ich habe gesehen und gelernt, dass sie trotzdem weiter gemacht haben, trotz Hohn, Angst und Selbstzweifeln. Und dass es sich immer gelohnt hat.

Wenn ich vor etwas Angst habe, frage ich mich immer: „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“

Und jeder Raubüberfall, jeder Hurricane, jedes Horrorszenario, das mir auf Reisen passieren kann, schien mir besser als die Monotonie der Bibliotheken und Hörsäle – gefolgt von der Monotonie eines Jobs, den ich hasse.

(Nur am Rande: Die Reisehorrorszenarien sind nie eingetreten.)

reisen

Manchmal finde ich es schade um die viele Energie, die junge Menschen in ihr Studium verschwenden.

Ich meine die Energie, die man braucht, wenn einen das Thema nicht mitreißt. Manchmal denke ich darüber nach, was ich hätte erreichen können mit der Kraft, die ich als Ersti hatte.

Was wäre passiert, wäre ich direkt losgereist, statt zu studieren?

Ich hatte damals nicht den Mut.

Aber dafür ist es nie zu spät.

Ich habe mich jahrelang für Jobs beworben, die ich im Grunde gar nicht haben wollte. Bei jedem Vorstellungsgespräch hat ein Teil von mir heimlich gehofft, nicht genommen zu werden. Es war meine Art und Weise, die Menschen um mich herum zu beruhigen.

Sie waren der Meinung, dass es Zeit war für einen „richtigen Job“. Oder für einen „Erwachsenenjob“ wie Conni von planetbackpack gerne liebevoll sagt. 

Es war reine Zeitverschwendung. Denn ich bewarb mich mit einem Uni-Abschluss, auf den ich nicht stolz war.

Ich bewarb mich mit einem Abschluss in einem Fach, für das ich mich niemals wirklich begeistert habe. Das geht nie gut. Ich habe so viele Absagen bekommen, dass ich irgendwann das Gefühl hatte, die Welt braucht mich nicht.

Bis ich anfing, das zu tun, was ich wirklich gerne tat. Reisen.

Ab dann bekam ich positive Resonanz. Auf die Geschichten von meinen Reisen.

Und inzwischen glaube ich, die Welt braucht mich, aber die Welt braucht keine unglückliche Version von mir. 

Jedenfalls nicht in einem Job, den ich gehasst hätte.

Die Welt braucht jeden Menschen, das glaube ich ganz fest.

Aber in glücklicher Form. Heute bin ich heilfroh, dass ich keinen der Jobs bekommen habe, um die ich mich beworben habe.

 

 

 

 

Über die Autorin: 

caroline lohrmann

Caroline hat in Münster Kommunikationswissenschaft studiert und ist danach mehrere Jahren um die Welt gereist. Das tut sie bis heute, mit Unterbrechungen, um freiberuflich auf Automobilevents ihr Geld zu verdienen. Allmählich fängt auch ihr Reise-Blog an, Geld abzuwerfen. Vielleicht´s reicht´s irgendwann zum Leben!

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25 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Caroline!

    Jaaaaaa, Du kannst begeistern. Um die Frage aus Deinem Film mal vorwegzunehmen.
    Du schreibst wunderbar, einfühlsam und mitreißend.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Vielen Dank!

    Liebe Grüße,
    Christina

    1. Mir gehts auch so. Deswegen mache ich das was mir Spaß macht. Filme. Schreiben. Leben. Man lebt jetzt und nicht irgendwann. Morgen ist alles besser stimmt nicht. Man hat immer noch seinen Langweiligen 9 to 5 Job und träumt von den Abenteuern.

      Das Leben des Walter Mitty ist ein Hammer Film der genau das sagt. Der Artikel ist wundervoll. Danke Christina. Du machst allen Mut und Hoffnung.

      Würde mich freuen wenn wir uns auf einem der Trips mal begegnen.

  2. Hallo Caroline,

    nichts zu sagen, bis alles dingfest ist, scheint naheliegend zu sein, wenn man Angst hat, dass es einem ausgeredet wird. Allerdings kann es auch gerade ein Ansporn sein, an seinen Zielen festzuhalten, wenn man sie einmal öffentlich gemacht hat.

    Und mir persönlich ist es auch wichtig, meine Liebsten teilhaben zu lassen. 🙂

    Das ist wirklich sehr schön geworden!

    Alles Liebe,
    Philipp

    1. Hallo Philipp, ich weiß, was du meinst. Aber in meinem Fall war es so, dass ich keinen Ansporn brauchte, davon hatte ich eher zu viel. Gerade Eltern haben nur eben immer viel Angst und ich wollte meine Pläne nicht ihnen zuliebe wieder abblasen. Wenn einem täglich ins Gewissen geredet wird, kann das schonmal passieren 🙂
      Wenn das bei dir kein Problem ist, ist´s natürlich super, alle mit einzubeziehen!

  3. Hey Philipp,

    es ist toll, dass du so ein gutes Verhältnis zu deiner Familie zu haben scheinst, dass du deine Pläne mit ihnen besprechen kannst. Das ist aber leider nicht bei jedem so. Ich halte es generell ähnlich wie Caroline und stelle die Leute, von denen ich weiß, dass sie mich sowieso nicht verstehen oder gar unterstützen, gerne vor „vollendete Tatsachen“. Ich weiß, dass das nicht der netteste Weg ist, aber es reduziert Nörgelei, Ausrede-Versuche und Streits zeitlich doch enorm. Freunde, die mich unterstützen, erfahren in der Regel auch früher von meinen Plänen.

    Und Caroline, toller Artikel! Du spricht mir aus der Seele! 😉

    Viele Grüße
    Christin

  4. Liebe Caroline,

    toller Text! Ja, Reisen bringen viel Klarheit – vor allem aber ein Gefühl für die unendlichen Möglichkeiten, die man hat!
    Ich tue mich selbst gerade schwer – habe mein Studium abgebrochen, weil ich den Sinn nicht fand, akademischen Kram zu lernen, der mich im Leben nicht weiterbringt.
    Jetzt kommen meine Kids ins Alter, wo sie sich Gedanken machen, ob sie studieren wollen oder nicht, welcher „Job“ evtl gut wäre. Es fällt uns schon schwer in „Job“ Kategorien zu denken. Wir hoffen, dass wir es schaffen vom Bloggen zu leben und das wünsche ich Dir auch!
    Danke für Deinen Text!

    liebe Grüße

    Gabi

    1. Liebe Gabi,
      danke! Und ich glaube, ihr seid da auf einem guten Weg. Ich find´s super, dass ihr euren Kids das vorlebt, mit dem Bloggen und Arbeiten von unterwegs und der Zuversicht, dass sich immer wieder was ergibt.

  5. Toller Artikel, Caroline. Du sprichst auch mir aus der Seele. Nur die Uni-Sache sehe ich etwas differenzierter. Aber das bietet viel Stoff mal für einen eigenen Artikel… 🙂
    (ich meine, man kann studieren, diverse Vorteile abgreifen, trotzdem sehr viel reisen, sich fortbilden und sich vertieft mit einem Fach auseinandersetzen, was einen geistig interessiert, aber von Anfang an mit der Einstellung nach 3 Jahren und vorbereitend schon im Studium sein eigenes Ding durchzuziehen – jedenfalls in einem Land mit kostenfreien Studium wie Deutschland)

  6. Hey Christoph. Danke! Und klar, wen sein Studienfach begeistert, dem würd´ ich niemals davon abraten. Ich wollte nur dieser „Du MUSST ein abgeschlossenes Studium haben“-Einstellung entgegenwirken, die ist ja immer noch weit verbreitet.

    1. Definitiv. Eine der größten „Lügen“ unserer Zeit. Ist ja schon fast ein Tabu unser Bildungssystem in Frage zu stellen – deshalb finde ich es so toll, dass sich Ben, Du und eine steigende Zahl anderer sich damit auseinandersetzen.

      Sehr schöner Blog auch – in 5 Wochen gehts für mich nach Mexiko, daher ich kann mich schon mal schön mit deinen Beiträgen prokrastinieren 🙂

  7. Oh mein Gott! Warum können solche Leute wie Du und Ben nicht an die Unis gehen und einfach mal über das Leben reden. Anwesenheitspflicht für alle Professoren. 😉

    Danke für diesen Artikel ist echt der Hammer.

    Bietest Du Deine Zeit als Freelancer auch auf Plattformen wie Odesk usw. weiter an wenn Dir danach ist?

    fg
    Thomas

  8. Großartig, dass du deine wahren Passion nachgehst und deinen Traum nicht aufgibst!

    Es gibt immer zwei Arten von Menschen: Die einen, die deinen Traum zerstückeln, und die anderen, die ihn aufleben lassen – du scheinst dich auf die richtigen Menschen gerichtet zu haben.

    Viel Freude beim Reisen!
    Best wishes,
    Chris

  9. Wow!! Berührendes Video mit wunderschönen Fotos, wo man gleich Lust bekommt ganz viele Reisen zu planen. 🙂

    Studiert habe ich zum Glück nicht, aber Matura hat gereicht, wenn ich nachdenke, wieviel ich heute davon wirklich noch brauche.

    Richtig mitreißend deine Story und Gedanken!

    Lg
    Joachim

  10. Prima auf den Punkt gebracht, Caroline! Als jemand, der mit seiner Familie zusammen seit vier Jahren die Welt entdeckt kann ich dir nur in allem zustimmen!

    Unterwegs habe ich so viel gelernt – über mich selbst, über das Leben und auch über das Lernen. Wir haben so viele interessante Leute getroffen und uns mit ihnen ausgetauscht, was man da alles lernt…

    Ich habe dann auch letztens das Abitur als externer Prüfling gemacht, und ich war überrascht, wie viel von dem Stoff ich bereits unterwegs aufgegabelt hatte: Englisch und Geografie waren für mich bereits abgehakt, ich konnte gut schreiben, und hatte auch in den anderen Fächern bereits ein Grundwissen.

    Die Welt ist wirklich der beste Lehrer. Andere wollen es kaum glauben wenn ich erzähle, dass man sich unterwegs im Grunde automatisch bildet 😀

    1. Danke Esra! Deine Geschichte ist echt ein schönes Beispiel! Aber ja, die meisten Menschen wollen sowas nicht glauben, die wollen nur die Geschichten hören, die sie schon kennen.

  11. Warum sind hier alle nur so auf die Uni fixiert? Zugleich lassen sie sich von dieser Institution frustrieren.
    Selbstverständlich ist das Leben und erst Recht die Welt mehr als die Uni.

    Aber diejenigen, die Experten auf einen Gebiet werden wollen, Ärzte, Ingenieure, Juristen, … brauchen halt eine solide Ausbildung. Diejenigen, welche Reisen, Bloggen, Tauchen, … wollen, sollten doch um Unis einen großen Bogen machen, dafür ist sie einfach nicht gemacht.

  12. Ein sehr gelungener Artikel. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, regelmäßig zu reisen und sich Hals über Kopf in das nächste Abenteuer zu stürzen! Auch das Argument, Reisen sei so teuer, zählt heute definitiv nicht mehr. Es ist eine Entschuldigung, um nicht die eigene Komfortzone verlassen zu müssen. Aber all denjenigen Menschen sei gesagt: Das Leben beginnt erst außerhalb der Komfortzone. Liebe Grüße, Joh

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