Du musst nur „den richtigen Weg“ finden…

auf der suche

nach meinem weg

habe ich lange zeit

nach dem “richtigen” weg gesucht

nach dem “einen weg”

nach dem “perfekten weg”

der weg, der alles gut macht

der mir all das bringt, was ich mir erhoffe

der mir das leben ermöglicht,

das ich mir in meinem kleinen Kopf ausgemalt habe

ein Bild, das so schön aussah, so einfach, so glaubhaft

ein Bild von einem Menschen – mir –

akzeptiert und angesehen

respektiert und bewundert

_____

ein Bild,

das meine Eltern und die Gesellschaft für mich gezeichnet haben

ein Bild meines Lebens,

das mein Geist zeichnete

und nicht mein herz

ein Bild meines Lebens,

mehr schwarz-weiß als bunt,

mehr statisch als lebendig.

_____

eigentlich wusste ich gar nicht was ich will

weil ich mich das nie wirklich gefragt hatte

weil ich nie verschiedene Wege oder Perspektiven gesehen hatte

weil ich nie rausgegangen war in die Welt,

sondern einfach das angenommen habe,

was mir angeboten und vorgelebt wurde.
_____

der plan war klar:

schmerzen und Unsicherheit vermeiden

wenig aufwand, viel ertrag

wenig Risiko, viel Sicherheit

nur nicht zu sehr aus der reihe tanzen,

liebes-entzug ja vermeiden.

_____

denn wer weiß, ob ich das überhaupt aushalten könnte

ob ich das überhaupt überleben würde

das Gefühl zu haben nicht mehr geliebt zu werden

nicht mehr akzeptiert zu werden.

irgendwie nicht mehr so ganz dazu zu gehören…

…das erzeugt viele sensationen im eigenen Körper,

die ich noch gar nicht wirklich deuten konnte.

Gefühle, Emotionen und Sensationen von denen ich dachte, dass sie falsch sind

Gefühle, Emotionen und Sensationen,

die mein geist in eine “gut” und eine “schlecht” box einsortierte

Gefühle, Emotionen und Sensationen von denen ich dachte,

dass sie nur beweisen, dass ich auf dem “falschen” weg bin

Traurigkeit.

Hilflosigkeit.

Wut.

Und mittendrin sitze ich auf meinem Bett.

Alleinsein.

nie hatte ich gelernt damit umzugehen.

also dachte ich, ich wäre falsch.

auf dem falschen weg.

sackgasse.

_____

meine alte Identität war futsch,

es gab nichts mehr zum festhalten.

nur leere,

unsicherheit,

angst.

und irgendwo ganz leise.

mut. Hoffnung.

_____

und immer wieder waren da diese gedanken:

irgendwas musste verkehrt mit mir sein.

ich konnte doch nicht so verdammt “lost” sein.

ich konnte doch nicht einfach so alles hinschmeißen

wer war ich schon,

was wusste ich schon vom leben.

__

wer würde mir ab sofort die Sicherheit und den halt geben

wer würde mir die Akzeptanz und die liebe geben,

wenn ich nicht mehr fremde Erwartungen erfüllen würde

wer würde mir liebe schenken,

wo ich doch nie gelernt hatte mich selbst zu lieben.

heute wünsche ich mir,

dass mir jemand früher gesagt hätte,

dass es keinen “richtigen” weg gibt

und keinen “falschen”

dass es okay ist immer wieder zeitweise “lost” zu sein

dass es ziemlich angenehm ist mehr als eine Identität zu haben

und die eigene identität immer wieder zu hinterfragen

dass es okay ist, darüber nachzudenken vor die nächste U- oder S-Bahn zu springen

dass es okay ist emotionale Sensationen im eigenen Körper zu spüren

dass es okay ist nächtelang nicht schlafen zu können und das kissen voll zu heulen

dass es okay ist über Wochen nicht arbeitsfähig zu sein,

weil ich der “liebe meines lebens” nachtrauerte.

_____

einen job zu haben scheint richtig

zu lange reisen scheinbar falsch zu sein

geld verdienen scheint richtig zu sein

kein geld zu haben oder zu wollen falsch

eine monogame beziehung zu führen und in den zwanzigern zu heiraten

scheint ein richtiger move zu sein

mit Frauen zu schlafen, die meine Mutter sein könnten

und keine monogame beziehung führen zu wollen

könnte falsch oder zumindest komisch sein.

zur uni zu gehen ist definitiv richtig

nicht an die Uni gehen definitiv falsch.

könnte man meinen.

_____

alles was ich mir gewünscht hätte als ich 18 war

ist, dass

mir jemand sagt,

dass

es kein richtig und kein falsch gibt

dass es keinen richtigen und keinen falschen weg gibt

dass der einzige der entscheidet was gut für mich ist

ich bin

dass der einzige der entscheidet was sich gut anfühlt

ich bin

dass der einzige der entscheidet was ich will

ich bin.

dass nichts absolut ist

und jeder seine eigene realität und perspektive hat

dass jeder seine community finden kann

egal wie verrückt er sich fühlt

und wie wenig er das Gefühl hat dazu zu gehören

dass es immer mindestens einen da draußen gibt,

der genau so denkt und fühlt wie ich

der genau den gleichen scheiss durchmacht

der ins Kissen heult und sich nach seinem tribe sehnt

der denkt er sei verrückt geworden

und sich doch gar nicht so verrückt fühlt

wie alle ihn halten.

_____

es gibt kein “verrückt”

genau wie es kein “richtig” und “falsch” gibt

das hätte ich mir gewünscht.

dass jede art von Sensation, Gefühl und Emotion ihre Berechtigung hat und ihre eigene Schönheit.

dass die wahrheit immer schön ist.

egal wie viel angst wir vor ihr haben mögen.

_____

sagt es euren kids.

jetzt.
 
 
(mein soundtrack zum text: Oh Wonder – All We Do.)

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34 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Ben!
    Ich danke Dir sehr für dieses Gedicht, diese Gedanken, diese Gefühle.
    Wenn ich mich sortiert habe, schreibe ich nochmal 😉

    Liebe Grüße,
    Christina

    1. Christina, da ergeht es mir genau so. Da muss man sich wirklich erst mal sammeln.

      Es wühlt sehr viel in mir gerade auf, und ich habe festgestellt, dass das Niederschreiben von Gedanken und Gefühlen das beste Mittel sind, um damit klar zu kommen. Um es in gewisser Weise aus der Distanz zu betrachte.

      Einige Zeit war ich auch „Lost“ und wusste gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Ängsten und Sorgen. Aber seit ich es nun bewusst aufschreibe, find ich einen gewissen Faden wieder und es geht mir besser.

      Lieber Ben, ich hoffe, du schreibst noch weiter so schöne Gedichte/Geschichten.

      Danke dafür

  2. Danke für dein Gedicht.
    Es ist immer so das ich im richtigen Moment auf Sachen treffen die mich wieder daran erinnern vorwärts zu schauen.
    Liebe Grüße Frigga

  3. Hi Ben,

    tolles Gedicht! Du sprichst viele Punkte an, die ich auch über die Zeit gelernt habe. Zum Beispiel ist es nicht so einfach sich von der „Sicherheit“ zu verabschieden. Davon wie uns andere gerne hätten oder was die Gesellschaft von uns erwartet. Es gehört immer wieder Mut dazu seinen eigenen Weg zu gehen, denn wer keinen vorgefertigten Weg geht, wagt oft einen Sprung ins Ungewisse. Und oft macht uns nichts mehr Angst als Ungewissheit. Aber ich finde es wird mit der Zeit immer leichter. Je häufiger man den Sprung ins Ungewisse wagt, desto einfach wird es zu springen, was nicht heißt, dass nicht trotzdem jedes Mal Adrenalin durch den ganzen Körper rauscht.

    „es ist okay…“ den Satz finde ich auch unglaublich wichtig. „Es ist okay“ heißt ja im Endeffekt nichts anderes, als sich und die Situation so zu akzeptieren wie sie ist. Sich zu akzeptieren kann so erleichternd sein und gleichzeitig zu vielen Veränderungen führen. Hier finde ich das Zitat sehr passend : “Es ist ein kurioses Paradoxon, dass ich mich, wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin, verändern kann.” Carl Rogers

    Liebe Grüße

    Claudi

  4. Hey Ben,

    habe lange nicht mehr vorbeigeschaut, weil es lange nichts Neues mehr gab… und dann habe ich das entdeckt. OMG, Mann! Echt ein riesen Kompliment dafür!

    Bei folgenden Zeilen nassen Blick:
    …egal wie verrückt er sich fühlt

    und wie wenig er das Gefühl hat dazu zu gehören

    dass es immer mindestens einen da draußen gibt,

    der genau so denkt und fühlt wie ich…

    I swear, das hilft. Ist Balsam für die blutende Seele, ist Weckruf, ist Rettung.
    Soulbuddies? Nach diesem Text glaube ich schon!

    Weiter so, Ben, sehr schöne Zeilen die du schreibst. Sehr berührend, sehr inspirierend, sehr motivierend. Danke dafür von ganzem Herzen. Die Richtung, die du einschlägst gefällt mir 🙂

    Greetz,
    Mad

  5. Hey Ben,

    Respekt für deine Offenheit, das ist absolut wertvoll! Und Recht hast du: jder von uns ist okay…perfekt…genauso wie er ist. Nur leider verwechseln wir oft die alltäglichen Erfahrungen von Unzulänglichkeit, Angst und Wut mit der Perfektion die wir sind.

    Ich kann jedem, den deine Zeilen bewegen nur wärmstens „Tue Presence Process“ von Michael Brown empfehlen. Nach dem Buch hofft man nicht nur, dass deine Zeilen wahr sind. Man weiß es. Und obwohl es nicht das Ziel des Buches ist öffnet es die Türen zu so vielem: Geld, Jobs, Anerkennung, Erfolg etc. Vor allem aber macht es frei.

    Klingt ehrlich gesagt ganz schön pathetisch was ich hier schreibe. Aber das Buch, und deine Zeilen haben’s verdient!

    Viele Grüße,
    Yannick.

  6. Wow Ben,

    ein mega Gedicht! 🙂 Es ist so wichtig, dass man sich selbst wertschätzt und respektiert. Und vor allem, dass man Vertrauen darin hat, dass man richtig ist, so wie man ist und dass es richtig ist, was man tut oder nicht tut.
    Du machst mit dem Gedicht so viel Mut, an sich zu glauben! Und Mut ist es, den man braucht, wenn man seinen eigenen Weg gehen will! 🙂

    Liebe Grüße
    Johannes

  7. Einfach nur Daumen hoch, Ben!
    Es ist genau dieses „richtig“ und „falsch“, das uns von der Familie oder des Gesellschaft aufgedrückt wird.
    Ich finde es erfordert viel Mut, sich dagegen zu stämmen – aber man wird auch dafür belohnt 🙂

  8. http://de.sott.net/article/6109-Dezimierung-der-Menschheit-durch-Impfungen-und-giftige-Nahrung

    „Gegen den Willen der Menschen In der französischen Veröffentlichung „J’ai tout compris“ erklärt der ehemalige US-Außenminister und Chef der Weltbank Robert McNamara „Man muss drakonische Maßnahmen ergreifen, um eine Reduzierung der Bevölkerung gegen deren Willen durchzusetzen. Die Geburtenrate zu reduzieren, erwies sich als ineffektiv. Daher muss man die Todesrate erhöhen. Wie? Durch natürliche Mittel, wie Hunger und Krankheit.” Die Initiatoren der Depopulations-Programme verfügen über die notwendigen Mittel und über die erforderliche Macht.“

    Ben. Lies mal paar Bücher über Sicherheit.
    Susanne

  9. Sehr schön geschrieben Ben 🙂
    Wenn sie mit dem Finger auf einen zeigen, weil man gewisse Modelle und Lebensweisen hinterfragt und erstmal denkt, dass man damit alleine ist, passiert es schnell, zu glauben, selbst verrückt zu sein.
    Bleibt man jedoch auf seinem Weg, stellt man irgendwann fest, dass es genau anders herum ist. Man erkennt, dass deren Sicherheitsdenken alles andere als Leben bedeutet, dass es von Natur aus keine Sicherheit gibt und dann wird aus einem „wie kann man das nur?“, ein „wie kann man das denn nicht?“.

    Liebe Grüße
    Daniel

  10. Hallo Ben,

    ich habe deine Seite zufällig über Google gefunden bei der Suche „ich weiß nichts mit meinem Leben anzufangen“.

    Und bei der Durchsicht deiner Seite bin ich auf dieses Gedicht gestoßen. Es spricht mir aus dem Herzen, so treffend!

    Danke für diese tollen und aufmunternden Worte! 🙂

  11. Hey Ben,

    danke für diese schönen Worte! Du hast wirklich Recht, es gibt kein falschen und keinen richtigen Weg. Ich dachte bis vor kurzem, dass es wichtig wäre, einen guten Job zu finden und den „richtigen“ Weg zu wählen. Damit die Familie und alle anderen stolz sind.

    Das ist aber falsch. Wie du schon sagst, dass: „der einzige der entscheidet was ich will
    ich bin.“ Also habe ich mich entschieden meinen Weg zu gehen und auf niemand anderen zu hören.

    Dein Gedicht hat mich da noch einmal bestärkt. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Richard

  12. Hey Ben,

    vielen Dank für diesen „philosophischen Erguss“. Da ist wirklich so viel Wahres dran. Ich fühle ähnlich wie du. Wenn ich übrigens eines gelernt habe: Frag immer, wirklich immer zuerst nach dem WARUM! Denn wenn dein WARUM feststeht, dann findet sich das wie schon fast von allein.

    Beste Grüße

    Micha

  13. Hallo Ben,
    Dein Gedicht ist wunderschön. Ich habe deine Anti-Uni-Seite heute entdeckt. Eigentlich sollte ich mich auf ein Vostellungsgespräch vorbereiten, das ich morgen habe. Stattessen bin ich hier und kann mich in dich wieder erkennen. Du merkst wahrscheinlich, dass die Worte “ eigentlich sollte“ meine Vernunft hier produziert hat, die keine Ahnung wer in mich reingepflanzt hat. Ich war das nicht. Aber ich habe auch nie in meinem Leben was dagegen getan. Ich dachte so wie es hier läuft, so soll es wohl sein. Doch seit Tagen zweifel ich an all meine Vorstellungen vom Leben, weil ich merke, dass ich die ganze Zeit nur die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen wollte. Versteh mich nicht falsch: die zeit in der Oberstufe war eine schöne Zeit genauso wie meine Ausbildungszeit. Weil ich in der Gegenwart gelebt habe. Doch die Erwartungen anderer leben immer in der Zukunft: schule, ausbildung oder uni, arbeit, eigenes haus, partner suchen und kinder haben. Tja…und morgen soll ich zum Vorstellungsgespräch zu einer firma, und bestenfalls mein „richtiges“ Arbeitsleben beginnen. Und mittlerweile fühle ich mich nicht ich selbst. Ich garantiere für nix. Mal sehen was ich dir schreiben kann wenn ich das Gespräch dann geführt habe. Es wird spannend bleiben. Denn mein Instinkt wird mich lenken lernen müssen.
    Ciao Ben. Ich werde deine Seite im Auge behalten.

  14. Wow, dein Blog und speziell dieser Artickel berühren mich sehr. Dank dir für diese tollen und zumeist tiefgründigen Beiträge. ☺️
    Sie regen stark zum Nachdenken an!!

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