Warum ich meinen alternativen Bildungsweg einem Studium vorziehe

robert böhme

Hey ho! Ben hier – heute gibt es mal wieder einen sehr sehr coolen Artikel aus der Anti-Uni-Community. Robert ist ein junger aufstrebender Entrepreneur, Philosoph und einer, der mutig seinen eigenen Bildungsweg geht. Der Artikel hat mich sehr überzeugt – viel Spaß bei 5 Minuten bestem Lesestoff! Action, Robert!

Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Studiums sind mittlerweile fester Bestandteil eines jeden Curriculums und führen bei vielen Studenten spätestens ab dem zweiten Studienjahr zu Zukunftsängsten.

Im Folgenden möchte ich anhand meiner eigenen Erfahrungen aufzeigen, warum ich mich letztendlich dafür entschieden habe, meine produktivsten Jahre nicht dem Traum eines meiner Meinung nach nur noch pseudowissenschaftlichen Abschlusses zu widmen.

Anhand der drei Fragen, die mich auf dem Weg zu dieser Entscheidung am meisten beschäftigt haben werde ich beschreiben, was genau mich inspiriert hat, nach alternativen Bildungswegen zu suchen.

Letztendlich möchte ich auch versuchen aufzuzeigen, warum ich davon überzeugt bin, die richtige Entscheidung für mich getroffen zu haben.

Was genau waren eigentlich meine Erwartungen an ein Studium? 

Direkt nach dem Abitur bin ich für zwei Jahre durch Nordamerika gereist, ohne mir großartig Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich hoffe, ihr alle kennt das Gefühl, sich in jede Situation neu zu verlieben und sich dadurch ein wenig in der essentiellen Schönheit eines jeden Momentes zu verlieren.

robert böhme 2

Das Ziel, irgendwann zurück nach Europa zu kommen um irgendetwas zu studieren, reichte mir zu dieser Zeit aus. Unglaublich glücklich und uneingeschränkt konnte ich durch diese Einstellung über zwei Jahre leben.

Zurück in Deutschland kam es für mich nicht mehr in Frage auf Deutsch zu studieren, da mich die Heimat mittlerweile langweilte. International orientiert und auf Englisch sollte es sein. In der Zwischenzeit waren mir mehrere Dinge wichtig geworden:

  • Meine Zeit mit Anfang Zwanzig nicht offensichtlich überholten Dingen und Wegen zu widmen
  • Mich konstruktiv-kritisch mit dem Gelehrten auseinandersetzen zu können
  • Kommilitonen mit ähnlichen Ambitionen zu finden

Mit klaren Interessen und einem gesunden Bewusstsein meiner Talente befand ich mich in der Situation, die jeder Student kennt. Die Qual der Wahl des Wunschstudiums – The paradox of choice!

Kurz nach der Wahl folgte allerdings bereits die Ernüchterung. Frustration gehörte zum Studienalltag wie Mephisto zu Faust. Ich wollte diskutieren, ein wenig nach vorn philosophieren und mit Vorliebe kritisieren – aber dies war selbst im Studiengang „International Business & Management“ nicht möglich.

Innerhalb der nächsten zehn Monate habe ich zwei Studiengänge erfolgreich abgebrochen und mich komplett umorientiert.

Mehr und mehr hab ich für mich erkannt, dass auch unser Bildungssystem um die eigene Existenzberechtigung bangt und wir als Studenten diejenigen sind, die die Konsequenzen tragen müssen. Heute können wir zwischen 55% mehr Studiengängen wählen als noch vor zehn Jahren.

Teilweise liegt dies meiner Meinung nach daran, dass Hochschulen einzigartige Angebote brauchen um Studenten anwerben zu können. Der Fokus auf Marketing und die Differenzierung von Mitstreitern sind demnach selbst in Bildungsinstituten etablierte Standards, während die Qualität des Studiums weiterhin leidet.

Neue Studiengänge werden uns als neue Spezialisierungen verkauft, wodurch gerade die Anforderungen an uns Schüler und die Qualität des Studiums meiner Meinung nach sinken. Es ist oftmals nicht mehr anspruchsvoll ein Studium zu beenden, dauert schlichtweg viel zu lange und führt heute nur selten zu einer gesicherten und anspruchsvollen Zukunft.

Warum sollten wir uns an Lehrpläne halten, die für eine andere Zeit konzipiert wurden, wenn es die Möglichkeit gibt sich individuell zu bilden?! 

Wir befinden uns noch immer in einem Bildungssystem der Massenabfertigung, obwohl die Wirtschaft nach diversifizierten und individuell engagierten Talenten sucht!!

Können wir Hochschulabsolventen heute noch als Akademiker bezeichnen? 

Wieder und wieder kam das Wort „akademisch“ in Diskussionen mit Freunden und Professoren vor. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist aus heutiger Sicht sehr amüsant.

Im Duden findet man folgendes:

„Akademisch:

-abstrakt, lebensfern, lebensfremd, realitätsfern, theoretisch, trocken,

unlebendig, weltabgewandt, weltfremd, wirklichkeitsfern,

wirklichkeitsfremd; (gehoben) weltfern,

-müßig, überflüssig“

Meine subjektive Sicht auf die heutigen Studieninhalte ist, dass man sie weder als abstrakt, noch als gehoben oder weltfern bezeichnen kann.

Zustimmen kann ich lediglich bei überflüssig.

Wir verschwenden oftmals viel zu viel Zeit mit dem erlernen jobspezifischer Kompetenzen, die in uns in Verbindung mit dem Abschluss die Integration in die Arbeitswelt ermöglichen sollten.

Oftmals bleibt der Wunschjob aber aus und wir stehen nach dem Bachelor oder Master genauso hilflos da wie vor dem Studium. Der einzig wirkliche Unterschied ist das fälschlich gestärkte Ego; man hat ja immerhin einen akademischen Abschluss.

Welche Türen werden uns durch das erfolgreiche Abschließen eines Studiums geöffnet und was bietet mir ein alternativer Bildungsweg?! 

Sucht man auf Google nach „akademisch“ stößt man auf der ersten Seite unter Anderem auf diese Schlagzeile:

„Neue Studie: Hunderttausende Akademiker arbeiten zu Niedriglöhnen” 

100.000 akademiker arbeiten zu niedriglöhnen

Dennoch gibt es heute rund 25% mehr Studenten als im Jahr 2003.

Für mich erklärt sich das einerseits durch die geringeren Ansprüche an Studenten und andererseits durch die augenscheinliche Monopolstellung unserer Hochschulen. Noch immer gehen zu viele Menschen davon aus, dass wir ohne einen Hochschulabschluss nicht dazu in der Lage sein werden, uns in die Arbeitswelt zu integrieren.

Eltern, Freunde, Lehrer und natürlich auch die Mainstream-Medien raten uns weiterhin, den vermeintlich sicheren Weg des Studiums zu wählen.

Ich habe mich dazu entschieden, diesen Weg auf Eis zu legen.

Wenn ich irgendwann weniger Ambitionen habe, werde ich eventuell darauf zurückkommen und erneut ein Studium angehen.

In der Zwischenzeit versuche ich mich als Entrepreneur.

Ich habe unglaubliches Gefallen an Startups und deren Mentalität gefunden.

Learning-by-doing ist nur ein Beispiel dafür. Der Unterschied in Dynamik und Komplexität zum Studium ist unglaublich. Für mich persönlich haben ein paar glückliche Umstände letztendlich dazu geführt, dass ich inzwischen mit einem 10-Personen-Startup zusammenarbeite.

Ich lerne direkt von den Erfahrungen anderer und nicht von pseudo-religiösen Büchern, die uns die eine Wahrheit beibringen. Endlich befinde ich mich in einem Umfeld, in dem täglich diskutiert, philosophiert und kritisiert wird.

Nebenbei lerne ich effizienter zu arbeiten, zu denken und zu kommunizieren. Ich bin endlich in der Lage mein Wissen, mit dem anderer zu kombinieren um letztendlich neue Konzepte zu kreieren und diese umzusetzen.

Des weiteren belege ich gleichzeitig verschiedene Kurse meiner Wahl bei u.a. Harvard, MIT und der University of Toronto. MOOC’s stellen für mich eine optimale Ergänzung zum Leben als Entrepreneur dar, weil ich hier kostenlos lernen kann was, wann und wie schnell es mir beliebt.

Nebenbei baue ich ein Netzwerk zu Online-Studenten aus der ganzen Welt auf und kann dieses wiederum für unser Startup nutzen.

Die Garantie für Erfolg habe ich damit sicherlich nicht gefunden, aber einen Weg, der mich glücklicher macht und weitaus mehr ausfüllt als ein Studium heutiger Maßstäbe und Anforderungen.

Entrepreneurs sind in meinen Augen auch die interessanteren und flexibleren Menschen. Wir lernen voneinander, miteinander und kreieren die Zukunft füreinander.

„Knowledge has to be improved, challenged, and increased constantly, or it vanishes.“

~ Peter Drucker

robert böhmeÜber Robert:

Leidenschaftlich neugierig erkundet Robert seit seinem 17. Lebensjahr das ihm Unbekannte. Nach einem Schüleraustausch in Chile und dem Abitur in Deutschland hat er knapp zwei Jahre in Kanada gelebt. Die Reintegration in Europa war in Verbindung mit einem Studium in Holland schwerer als erwartet. Momentan befindet er sich über das ‘Erasmus Exchange for young Entrepreneurs’ Programm in Polen und strebt passioniert nach einer internationalen Karriere als Selbständiger und Idealist.

 

Wie ist Deine Meinung zu unserem heutigen Uni- und Bildungssystem?

 

 

Bilder: faungg’s photo

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27 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ohne krisitisieren zu wollen, die Statistik ist eindimensional ausgerichtet, d.h., arbeitet leidglich zeitdiskretisiert. Was nnicht erfasst wird, ist die Verteilung der Studierenden auf die jeweiligen Studienfächer sowie die privaten Interessen der Studierenden abseits von Party, Sport, etc.

    Die Duden’sche Definition von „Akademisch“ ist durchaus zutreffend – was die moderne Physik, bzw. die Mathematik der Physik mit unserer Alltagswelt zu tun hat, war eine Frage, die ich mir schon früher gestellt habe, die Antwort, die ich im Laufe der Zeit gefunden habe, ist: „Es ist abgehoben, eine mathematisierte Beschreibung der Natur (ungleich Wirklichkeit).“ Tatsächlich ist das, meiner Erfahrung nach, studiengangsunabhängig zu sehen, die Rechtswissenschaft ist ja auch recht wirklichkeitsfern.

    Jeder hat ja ein recht auf seine Meinung, aber bei überflüssig kann ich nicht zustimmen – es handelt sich schon eher um eine Befriedigung akademischer Interessen, die durch die Konsultation von Fachliteratur, Online-Kursen, ggf. auch Präsenzkursen zustandekommt. Der – im juristischen Sinne – formale Verwaltungsakt der Ausstellung eines Zertifikats über das erfolgreiche Absolvieren eines Studiums ist einfach nur ein formaler Akt.

    Lernen ist schlicht und simpel eine Notwendigkeit geworden, wobei ich lernen nicht nur über fachspezifisches Lernen definieren würde, sondern auch über persönliches Lernen.

    Hochschulen mögen abschlussmäßig eine Monopolstellung haben, weil sie staatlich dazu legitimiert sind, Abschlüsse zu verleihen, s. u.a. auch die Notwendigkeit der Akkreditierung von Studiengängen und Abschlüssen auf der ASIIN-Seite.

    Wie schon der Philosoph J.-P. Sartre so treffend formulierte: „DIE Wahrheit gibt es nicht“, wobei ich die Betonung hier nach subjektiven Gusto auf „Die“ lege.

    Wo ich dem Verfasser des Artikels aber zustimme ist, dass es eine Garantie auf Erfolg, egal ob der Weg der Studiums beschritten wird, oder der Weg des Entrepeneurs, oder eine Superposition aus beidem, nicht gibt. Das belegt eindrucksvoll die vom Verfasser angeführte Statistik.

    Persönlich: Ja, das mit dem Ego finde ich auch interessant… Hatte aber auch schon Dozenten, die so viele Titel hatten, wie ein Weihnachtsbaum Christkugeln, die aber geduzt werden wollten xD

    VG,
    Dave

  2. Hi Robert,

    danke für deinen inspirierenden Beitrag. Mich würde interessieren, was das genau für ein Startup ist und was dort deine Tätigkeiten sind; also ob du deine (überwiegend informatischen?) Kenntnisse aus MOOCs direkt anwenden kannst. Kannst du nun quasi davon leben?

    Außerdem ist das ne sehr interessante Sache mit dem Erasmus-Entrepreneur-Programm; vielleicht kannst du ja dazu mal berichten, wenn’s soweit ist 🙂

    Big ups und weiter so!

    VG

    L

  3. Das Thema Education Hacking/Self-Education kommt ja verstärkt aus den USA.
    Zur Situation in Deutschland muss man meiner Meinung nach sagen, dass hier noch ein deutlich stärkeres Vertrauen auf Abschlüsse und Titel vorhanden ist.
    Für Positionen mit festem Anforderungsprofil wird es sicherlich schwer sein, den Personaler zu überzeugen, dass man den Stoff eines Studiums stattdessen durch praktische Erfahrungen und MOOCs erworben hat.

    Eine akademische Ausbildung sehe ich auch nicht als überflüssig an. Auch wenn dieser Blog „Anti-Uni“ heißt, sehe ich immer noch eine Notwendigkeit für klassische Universitäten:
    Wer in einem naturwissenschaftlichen Fach in die Forschung gehen möchte, wird um ein Studium nicht herumkommen. MOOCs stellen zwar einen guten Einstieg in ein Thema dar, doch tiefergehende Theorie wird üblicherweise nur an Universitäten vermittelt.

    Nichtsdestotrotz sehe ich die Notwendigkeit dieses starre Studiensystem zu überdenken. Für viele Berufe wäre sicherlich eine akademische Ausbildung mit deutlich höherem Praxisanteil sinnvoll. Da stimme ich auch völlig deinen Erfahrungen im Startup-Team (learning by doing) zu.

    1. Hey Markus,

      ja – in den USA gibt es schon eine größere Self-Education-Kultur, das stimmt. Das hängt an verschiedenen Faktoren: Unter anderem daran, dass ein Studium in den USA sau teuer ist und in Deutschland einfach sehr gemütlich 😉

      Einen Personaler mit MOOCs zu überzeugen mag schwer sein – mit Projekten jedoch nicht. Vor ein paar Wochen habe ich einen kurzen Vortrag gehalten über das was ich mache und hatte direkt 3 Job-Angebote am Start (unter anderem das Angebot ein zweistündiges Social Media Seminar für 500 € durchzuführen).

      Eine akademische Ausbildung ist vor allem für die sinnvoll, die in die Wissenschaft wollen. Das sind derzeit wohl weniger als 5 %. Was passiert mit den anderen 95 %?

      Thanks für deinen Kommentar und ich bin gespannt was Robert dazu sagt!

      Cheers!

      Ben

      1. Ich denke auch, Universitäten sind wichtig und es gibt auch Leute denen das was sie studieren echt viel Spaß macht und die auch sehr gerne forschen. Warum sollten sie dann nicht die Möglichkeit haben. Jedoch sehe ich das Problem vor allem darin, dass viele Universitäten zu Schulen werden die einen auf den Beruf scheinbar vorbereiten. Und eine Berufsvorbereitung will ja auch die Mehrheit. Deswegen wäre ich für mehr Fachhochschulen, weniger Universitäten und diese dann mit höheren Ansprüchen an die Studenten und vor allem Forschungsorientierter. Und dann sollte es eben noch offene Bildungszentren geben, bei denen man sein eigenes Studium gestalten kann, sich eben mit Leuten austauschen, diskutieren & philosophieren kann, es aber auch Vorträge, Seminare und Workshops gibt und gemeinsam Projekte durchgeführt werden können. Es könnte z.B. monatliche Themenschwerpunkte geben.
        Das mit den Bildungszentren kam mir gerade eben, keine Ahnung wie realistisch das ist. Aber finde die Idee cool.
        Ich beschäftige mich gerade selber viel mit dem Thema wie ich jetzt nach meinem Bachelor (im Mai bin ich fertig) weitergehen soll. Auf einen Master habe ich erst einmal keine Lust und bin nun auf der Suche nach einer Möglichkeit mich mit den Themen die mich wirklich interessieren auseinanderzusetzen (und das möglichst praxisnah): Was bedeutet Glück, Zufriedenheit und Wohlbefinden? Und wie kann man Menschen darin unterstützen diese Gefühle zu erreichen? Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Was bedeutet Bildung? Wie kann man Jugendliche bei ihrer Berufs- und Lebensplanung unterstützen? Wie können wir die Potenziale möglichst vieler Menschen nutzen?
        Und wie kann ich das mit Geld verdienen kombinieren? Un ich bin natürlich auf der Suche nach Gleichgesinnten. Leider habe ich den Eindruck, dass zu viele davon in Norddeutschland sind. Ich möchte aber gerne zurück ins Rhein/Main Gebiet.

        Ich verfolge mit Freude deinen Blog, lieber Ben und fühle mich bestärkt weiter meinen Weg zu suchen =)

        Cheers
        Katharina

        1. Hey Katharina,

          erst mal recht herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

          KLaro – wir sollten Unis jetzt nicht direkt abschaffen. Und klaro, es wollen auch Menschen in die Wissenschaft.

          Dennoch gibt es meiner Meinung nach vor allem zwei Probleme.

          Das erste siedelt direkt bei den Unis an: Die Ausbildung und das was du später brauchst gehen nicht wirklich Hand in Hand. Das ist schade.

          Das zweite liegt viel früher und geht darauf zurück, dass viele junge Menschen die studieren gar nicht wissen WARUM sie studieren. Oder warum sie das studieren, was sie studieren. Eine Ursache dafür wiederum sehe ich in unserem Schulsystem – denn dort findest Du nicht wirklich heraus, was DU wirklich machen willst – oder?

          Ich habe das Gefühl, dass viele junge Menschen vor sich hinstudieren ohne sich bewusst für ihren Weg zu entscheiden. Und einige von denen merken dann mit Ende 20 – manche noch später, dass sie einfach den entscheidenden Fragen keinen Raum eingeräumt haben. Und das ist das, was mich eigentlich traurig macht. Und genau aus der Motivation heraus ist auch Anti-Uni entstanden – denn junge Menschen sollen meiner Meinung nach die Möglichkeit bekommen sich bewusst für IHREN ganz eigenen (Karriere-)Weg zu entscheiden. Denn dann gehen sie diesen Weg mit Motivation und Power und können einen Unterschied machen für andere – und führen überdies im besten Fall ein Leben, das sie selbst erfüllt.

          Freut mich, dass Du dabei bist und ich freue mich mehr von dir zu hören!

          Liebe Grüße!

          Ben

          1. Die Frage wie ich rausfinden kann was mich wirklich interessiert und wofür ich brenne, beschäftigt mich zur Zeit sehr. Ich halte es für sehr wichtig unser Schulsystem grundsätzlich zu reformieren. Viele wichtige Themen wie Gesundheit, Verantwortung, Glück & Zufriedenheit, wie will ich meine Zukunft gestalten,… kommen meist gar nicht oder viel zu selten in der Schule dran. Das sollte sich dringend ändern.

            Genau die Frage „Warum studierst du eigentlich, das was du studierst?“ hat mir die Erkenntnis gebracht, dass ich darauf keine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Leider habe ich das erst Ende letzten Jahres festgestellt (bei meiner Trainerausbildung bei RYL!) und da stand dann nur noch die Bachelorarbeit an. Und beende ich jetzt noch und dann werde ich mich nach Herausforderungen, die meinen Leidenschaften entsprechen umschauen =)
            Und vielleicht schreibe ich auch mal einen Gastbeitrag, aber wohl nicht bevor ich meine Bachelorarbeit abgegeben habe =)
            Sonnige Grüße vom Bodensee =)
            Katharina

          2. Hey Katharina!

            Das klingt cool! Hast Du das Gefühl dass noch mehr junge Menschen nach ihren Leidenschaften suchen bzw. was sie damit machen können?

            Und wegen einem Gastbeitrag kannst Du gerne mal auf mich zukommen.

            Liebe Grüße an den Bodensee!

            Ben

        2. Hallo Katharina,

          ich komme aus Darmstadt und fühle mit dir 😉 Also wenn du wieder da bist im Rhein-Main-Gebiet, dann sag mal Bescheid!!

          LG,
          Pablo

          PS: Ben, tolle Sache die du hier machst!

      2. Genau, nur die Wissenschaft 😉 Ich bin gespannt auf deine Reaktion, wenn du zum ersten Mal einem Arzt gegenüber sitzt, der sich seine Bildung selbst zusammengestellt hat. „Endokrinologie?! Nä, fand ich nicht so spannend, habe ich ausgelassen …“ Oder dein zukünftiger Anwalt, der irgendwie in Verfahrensrecht nicht so bewandert ist, weil er nun mal mehr Zeit in Kriminalrecht investiert hat, und sich das erlauben konnte, weil er halt nicht geprüft wurde. Oder wie wär’s mit dem autodidaktischen Ingenieur, dessen Brücke zusammenfällt?

        Auch Roberts Start-Up braucht irgendwann einen vernünftigen Anwalt, jemanden, der Ahnung von Finanzen hat, einen Informatiker etc. Alles ‚verlässlich‘, nicht Typen die einfach behaupten, sie könnten dies oder jenes, und am Ende besteht da doch irgendwo ’ne Lücke, wenn’s drauf ankommt.

        Alles Fächer, wo ein Studium total nutzlos ist … oder etwa doch nicht?

        P.S. Es gibt übrigens auch andere Systeme als das Deutsche. Du scheinst ja recht viel Wert darauf zu legen, an einer ‚Elite-Uni‘ studiert zu haben. Ich studiere momentan an einer australischen ‚Elite-Uni‘ und wir haben eine immense Auswahl was unsere Module in den ersten zwei Jahren betrifft. Als Psychologie-Student habe ich im zweiten Jahr u.a. Module in International Relations, Sicherheit (Rebellionen, Revolutionen, Terrorismus) und Biologie (Evolution und Genetik) belegt. Im ersten Jahr hatte ich außerdem Politics und Economics.

        1. Hey Carsten,

          ja – diese Argumente kommen immer wieder.

          Vielleicht hast du schon mal von dem jungen Herrn Naki gehört, der (nach der Darstellung einer Quelle) ohne eine wirkliche medizinische Ausbildung die erste Herztransplantation begleitet bzw. mitdurchgeführt haben soll.

          Klar brauchen wir für Berufe wie Ärzte und Anwälte eine bestimmte Vergleichbarkeit.

          Dass die Brücke eine autodidaktischen Ingenieurs zusammenfällt finde ich einen typischen Glaubenssatz. Und es gibt mit Sicherheit auch bekannte Finanzexperten, die nicht studiert haben (da würde ich sogar wetten).

          Klar gibt es auch andere Systeme – das schottische System finde ich zb sehr cool. Ich hacke so viel auf dem deutschen System herum, weil ich denke, dass wir viel zu verbessern haben und durchaus von anderen Systemen lernen können.

          Grüße nach Australien!

          Ben

          1. Hey Ben,

            die Bauingenieure brauchen aber überall auf der Welt einen anerkannten Abschluss, ich zumindest kenne kein Land auf der Welt, wo das anders ist

            es mag sein, dass es nicht notwendig ist, einen Beweis seiner Kenntnisse durch ein Zeugnis, dass man Mechanik versteht, zu liefern, aber irgendwann muss man doch zeigen, dass die berechnete Brücke hält 🙂

            lg Bettina

          2. Alright, der Punkt geht an dich. Aber auch nicht wirklich. Denn wie du hoffentlich gemerkt hast, will ich hier keine Bauingenieure ausbilden.

            Ist jedenfalls nicht das primäre Ziel…;)

  4. Hey Robert,

    cooler Artikel!! Ich bin Unis ebenfalls sehr skeptisch gegenüber eingestellt. Dieser Self-Education Trend schwappt nun auch mehr und mehr nach Deutschland oder Europa über. Auch in meinem Umfeld sehe ich immer mehr Leute die sich von der Uni abwenden und sich selbst bilden wollen, da Unis out-dated sind, es oft sehr einschränkend ist und man selten ambitionierte Mitstudenten trifft.
    Allerdings bin ich bei dem Thema Self-Education sehr vorsichtig und würde nicht jedem sofort dazu raten. Was man immer wieder sehen kann ist, dass junge Leute mit der Uni unzufrieden sind und sich dann auf den Weg machen, um ihre „Leidenschaft“ zu finden und dieser zu folgen. Dabei haben dann viele die Annahme sobald man seiner Leidenschaft frönt, dass alles Lernen leicht ist und Spaß macht.
    Deswegen ist es mir wichtig zu betonen wie wichtig es ist klare Strukturen , Disziplin und tägliche Arbeit in seinen Alltag einzubauen, ansonsten wird man mit der Self-Education nicht weit kommen. Ich habe vor Kurzem gehört, dass nur 5 % alles MOOCs überhaupt beendet werden, ich glaube das zeigt ganz gut, dass vielen einfach die nötige Disziplin und das Durchhaltevermögen fehlt. Dies lernt man eben zwangsweise in Unis da es dort Abgabefristen gibt und dergleichen…

    Wie machst du das? Was hast du für tägliche Routinen? Wie viel Stunde lernst du täglich?

    Alles Liebe

    Till

  5. Da ich nicht mehr auf Antwoten gehen kann, ein neuer Kommentar.
    Ja, ich habe den Eindruck, dass viele junge Menschen ihre Leidenschaft finden wollen und nicht wissen wie. Ich kenne einige die nicht zufrieden sind mit ihrem Studium, von denen haben auch ein paar den Studiengang gewechselt, ein Freund von mir sogar gleich dreimal. Zudem glaube ich, dass viele junge Menschen die Ermutigung fehlt, ihre Leidenschaft zu suchen bzw. zuzulassen und ihr nach zu gehen. Zu viele Menschen mischen sich bei diesem Prozess ein und sagen einem was richtig oder falsch ist. Und wenn man unsicher ist, neigt man dazu anderen zu vertrauen und ihre Tipps und ihren Rat anzunehmen. Man will ja die richtige Entscheidung treffen. Das kann man aber eben am Besten selber, doch dafür muss man an sich glauben und in sich hinein hören und mutig sein. Dabei würde ich gerne junge Menschen unterstützen. Wie ich das anstelle, um davon auch leben zu können, muss ich noch herausfinden.

    1. Hey Katharina,

      lieben Dank nochmal für Deine Antwort.

      Meine Beobachtungen sind da genau wie Deine. Und daher möchte ich Anti-Uni.com auch genau in der Richtung ausrichten – nämlich jungen Menschen zu helfen ihre Vision / Leidenschaft oder einfach „ihr Ding“ zu finden.

      Würde mich freuen, wenn wir uns mal austauschen könnten. Schreib mir gerne mal ne Mail an Ben@anti-uni.com oder adde mich auf Facebook: https://www.facebook.com/thebenpaul?ref=tn_tnmn

      Liebe Grüße!

      Ben

  6. Hi Robert,
    Hi Ben,

    danke für diesen starken Artikel.

    Definitiv bin ich der Meinung, dass unser Bildungssystem veraltet ist.
    Für mich gibt es 2 wesentliche Punkte an denen man arbeiten muss, um ein erneuertes Bildungssystem zu erzielen.

    1.) Alternative Bildungsmöglichkeiten.
    2.) Ein wesentlicher Punkt der oft vergessen und vernachlässigt wird:
    Vorhandene Strukturen, Systeme und soweiter zu überarbeiten und zu verändern. So dass wichtige und essenzielle Werte, Kompetenzen vermittelt werden können. Das ist die einzige und beste Chance, die Welt von morgen zu verändern. Wenn es gelingt das Bildungssystem so zu ändern, dass die wahren Werte usw. Platz bekommen, werden wir in wenigen Jahren in einer ganz anderen Welt leben!

    Danke
    Liebe Grüße
    Robert

  7. Hey Hey ,

    Es freut mich unglaublich zu sehen wie lebhaft auf dieser Seite diskutiert wird und was für interessante Kommentare und Diskussionen hier entstehen. Vielen Dank für all das feedback auf den post und die ganzen Denkanstöße und sorry das ich mir Zeit gelassen habe, darauf einzugehen.

    Zum Thema Uni und überflüssig will ich auf jeden Fall klarstellen, dass der traditionelle Weg Bachelor – Master – PHD sicherlich für viele Menschen optimal sein kann und das MOOCS momentan lediglich zum Teil die Themen abdecken können, welche man in den Jahren an einer Universität behandelt. Mir persönlich hat sich aber die Uni häufig in den Weg gestellt, indem sie Aufgabenstellungen oftmals stark eingeschränkt hat und ich nicht frei war mich den Themengebieten zu widmen, die mich wirklich interessiert hatten. Ein Freund von mir startet mittlerweile seine zweite Firma nachdem er vier Jahre International Business & Management studiert hat aber seine Uni akzeptiert seine Vorschläge für die Bachelorarbeit nicht, da sie zu breit und vielschichtig sind. Er ist zur Zeit am verzweifeln, da er eine relevante Arbeit für seine Firma schreiben will aber die Uni dies nicht zulässt. Der Umfang wäre zu komplex und sei daher nicht geeignet.
    Diese Beispiele machen mich unglaublich froh nicht mehr Teil dieses Systems zu sein und mir selbst Limits für meine Bildung setzen zu können.

    Till spricht definitiv einen sehr interessanten Punkt an. Den der intrinsischen Motivation und der Selbstdisziplin. Entscheidet man sich gegen das traditionelle Bildungssystem, sollte man bereits in der Lage sein autodidaktisch zu lernen und sich selbst zu motivieren, da man sonst wahrscheinlich auch stagnieren kann. Als Jung-entrepreneur ist es für mich immer noch schwierig einen Tagesrythmus genau einzuhalten. Oftmals kommt einfach etwas dazwischen oder man hat nicht mehr den Kopf sich nach der Arbeit dem Selbststudium zu widmen.

    Momentan lerne ich aber wie schon beschrieben durch meine Arbeit auch unglaublich viel. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Ausarbeitung eines Team-building workshops und lerne täglich neue Dinge über Motivation, Persönlichkeiten, Psychologie im Allgemeinen und natürlich dem Entwickeln von workshops an sich. Intern in unserem Startup geben wir auch häufig kurze Präsentationen über die Themen an denen wir arbeiten, also lerne ich auch über finanzielle, legale und business development Aspekte von meinen Mitarbeitern. Da viele dieser Themen wirklich vielseitig sind, passiert es schon das ich nach office hour einfach auch mal ins Bett falle und keine Zeit mehr finde mich MOOC’s oder der Khan Academy zu widmen. Es hilft mir aber unglaublich sehr Themengebiete die ich interessant finde oder wo ich merke Wissenslücken zu haben zu dokumentieren, damit ich später einschätzen kann was genau ich davon erlernen möchte.

    Zum Thema Leidenschanschaft hat Katharina sehr interessante Punkte genannt. Eine Uni zeigt uns nicht was unsere Leidenschaft ist aber wir sind wesentlich produktiver und natürlich auch glücklicher, wenn wir unserer Passion nachgehen. Darum denke ich das wir alternative Bildungswege offiziell anerkennen bzw. alternative Institutionen entwickeln sollten. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir während eines Studiums selbst oder in Zusammenarbeit mit der Institution ein Curriculum entwerfen könnten, um eben unseren individuellen Interessen nachgehen zu können? Nennt mich Idealist aber solang ich genau das in meinem privaten Leben ohne Uni verfolgen kann, werde ich weder Steuergelder noch privates Geld in Bildungsinstitute stecken.

    Vielen Dank erneut an Ben für diese wunderbare Platform und an alle Leser für die Kommentare.

    Liebe Grüße aus Polen.

    Robert

    1. Hey Robert,

      danke, dass du dir die Zeit genommen hast!

      Und ich kann deine Worte nur unterstreichen – ich finde es toll und bewundernswert, dass du deinen eigenen Weg gehst. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und wenn du mal quatschen willst – ich bin hier.

      Mich motiviert es und freut mich einfach, wenn junge Menschen schauen wie sie eigene Wege gehen können. So gestaltest Du nicht nur deine sondern auch unser aller Zukunft – und zwar mit Mut, Freude und Leidenschaft.

      Let´s rock this together! 🙂

      Ben

    2. Tut mir leid, aber mich überzeugt das hier alles nicht. Ist doch nicht schlimm, dass die Uni für Euch nichts war. Deshalb muss man doch nicht gleich eine „Anti-Uni“-Kampange starten!
      Was soll das denn bringen? Jedem ist doch klar, dass man die Freiheit hat, sich auch gegen die akademische Laufbahn zu entscheiden und früh was Eigenes aufzubauen. Mir erschließt sich nicht, warum man so eine ordninäre Tatsache zum „Edu-Hacking“ heraufstilisieren muss. Es ist ja kein „Hacking“, wenn man mal privat ein Buch liest und sich weiterbildet. Ist doch völlig normal! Ich knipps auch nicht die Lampe an und bezeichne das gleich als „Visual Hacking“. Aber wahrscheinlich bin ich auch nur zu dämlich für sowas…

      Grüße,
      Willi

      1. „Jedem ist doch klar, dass man die Freiheit hat, sich auch gegen die akademische Laufbahn zu entscheiden und früh was Eigenes aufzubauen.“

        Aber den Mut muss man dann erst mal haben, sich abseits von aller Menschen Erwartungen auf einen anderen individuellen Pfad zu begeben.
        Und ich glaube selbst der Gedanke daran, aus den vorgegebenen Wegen einen neuen zu ersinnen, ist nicht leicht getan. Die Vorstellung, dass es anders sein kann.
        Versteht mich jemand? Ich hoffe.

  8. Im Artikel wird beschrieben, dass das Problem mit dem Studium ist, dass der Traumjob danach oft ausbleibt und dass viele Akademiker unterbezahlt sind. Das mag vielleicht stimmen, aber wisst ihr was ich viel schlimmer finde?
    Ich habe einen Bachelor und einen Master gemacht und dann auch direkt in einem dazu passenden Job angefangen zu arbeiten. Und 3 Jahre später kann ich euch sagen: 99,6% der Studieninhalte habe ich nie gebraucht. Alles was man wissen muss kriegt man raus wenn man angefangen hat.

    Und das ist die Tragödie! Ich hab halt einfach mal 4 Jahre meines Lebens verschwendet. Nur um die Urkunde zu erhalten, die mir den Job beschafft für den ich sie eigentlich nicht brauche.

    Und jetzt versuche ich gerade in ein anderes Gebiet quer einzusteigen. Ich denke ich hab mir genug Skills dafür angeeignet. Aber ohne Referenzen und Ausbildung in diesem Bereich gibt einem kaum jemand eine Chance.
    Wann begreift dir Gesellschaft endlich dass da was nicht richtig läuft?

  9. Hey Namensvetter,

    ich bin ebenfalls deiner Meinung.
    Ein Studium, ist heut zu Tage eher Standart und sollte nicht als „Elite“ bezeichnet werden, wie es viele noch machen. Die nächste Evolutionsstufe der Bildung ist meiner Meinung nach das Autodidaktische-Lernen. „Entrepreneure brauch das Land“, sagte Faltin bereits in seinem Buch: Kopf schlägt Kapitel, und ich bin ganz seiner Meinung.

    Allein der Gedanke in einem „Job“ zu arbeiten, verursacht Schmerzen. Ich würde es als leichtes Brennen in der Hals-Gegend bezeichnen. Daher bin ich mit meinem besten Kumpel ausgestiegen. Jetzt arbeiten wir an einem eigenen Projekt: Speakslam. Wir wollen den Menschen dabei helfen ihre Präsentationsangst loszuwerden.

    lg. Rob

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