Sitzt du noch im Wartezimmer (des Lebens)?

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„Mein Leben ist ein Wartezimmer – niemand ruft mich auf.“ slammte Julia Engelmann.

Du sitzt also in diesem Wartezimmer. Es ist ein schönes Wartezimmer. An den Wänden hängen Bilder, die Einrichtung ist modern.

Du hast es dir gemütlich gemacht in deinem Stuhl. Auf deinem Schoß liegt die Bunte oder die Auto-Motor-Sport.

Du wartest darauf aufgerufen zu werden.

Du blätterst von Seite zu Seite. Stets lauschst du aufmerksam, wenn ein neuer Name ertönt.

Sehnsüchtig wartest du darauf, dass dein Name endlich fällt.

Manchmal bist du kurz davor aufzuspringen, weil du denkst, dass jetzt bestimmt dein Name dran ist.

Dann sinkst du wieder enttäuscht in deinen Stuhl.

Menschen kommen und gehen. Du gibst die Hoffnung nicht auf, aufgerufen zu werden.

Irgendwann muss es passieren, denkst du. Du musst nur lange genug warten.

Der nächste Tag bricht an und du sitzt immer noch im Wartezimmer.

Tag ein Tag aus wartest du darauf aufgerufen zu werden.

Du bekommst stets die neusten Zeitschriften geliefert.

Also machst du es dir auf deinem Stuhl bequem. Du gewöhnst dich an deine Umgebung. Die Bilder an den Wänden gefallen dir nicht wirklich, aber du findest dich damit ab.

Ständig ertönen neue Namen in der Sprechanlage.

Du zuckst längst nicht mehr zusammen, wenn dein Name wieder nicht fällt.

Du sinkst tiefer in deinen Stuhl und suchst auf dem Tisch nach einer neuen Zeitschrift.

Du spürst den Impuls einfach aufzustehen. Du willst dich am liebsten selbst aufrufen.

“Aber das geht doch nicht…”,

sagst du dir.

“Aber das geht doch nicht…”,

hallt es in deinem Kopf wider.

Du sinkst zurück in deinen Stuhl.

So wiederholt sich das Spiel Tag ein Tag aus. Jahr um Jahr.

Und eines Tages vergisst du, dass du immer noch im Wartezimmer sitzt.

 

Manche Menschen sind gestorben, aber noch nicht tot.

Andere sind am Leben ohne zu leben.

Und wieder andere sitzen ihr ganzes Leben im Wartezimmer.
Wo liegt der Unterschied?

 

 

 

Bild: Ines Njers

 

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14 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Ben,

    dank dir für diesen Beitrag. Ich merke immer wieder wie wichtig es ist sich diese Inhalte bewusst werden zu lassen, diese Dinge kennt jeder und weiß bzw. kennt sie wenn man sie hört. Du trägst einen Teil dazu bei, dass sich Menschen Ihr Bewusstsein dementsprechend aufbauen gerade mit solchen schönen schriftlichen Illustrationen. Dank dir viele male für den Anstoß an meinem heutigen Tag in eine noch spannendere Richtung 🙂

    Beste Grüße

  2. Das war ein kurzer, aber sehr kraftvoller Artikel. Freitag ist auch ein sehr guter Zeitpunkt für diesen Artikel.

    Ob Zahnärzte, Augenärzte und Co. – Wartezimmer waren schon immer eine Zumutung. Und so ist das auch mit dem Wartezimmer des Lebens.

    Wartezimmerst du noch oder lebst du schon?

  3. Hey so sieht es bei mir auch aus.
    Ich fange auch langsam erst wieder an zu leben. Auch wenn es gerade noch sehr langsam vorangeht aber es ist wohl nicht so einfach sich selbst komplett neu zu definieren und zu ordnen,

  4. Klasse Artikel!!! 😀

    Ich druck ihn jetzt aus und leg ihn einen Untoten unters Kopfkissen.
    Wer weiß möglicherweise gibt es ein Erwachen… 🙂

    LG Luisa 😉

  5. Erinnert mich jetzt spontan an nen Songtext von Bosse
    „Ey wir sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein
    Zum Glücklichsein
    Und wir sitzen im Wartesaal und warten mal
    Und warten mal“

    Wirklich ein gruseliges Szenario.
    Ich hoffe mein Leben wird nie so sein / enden.

  6. „Wie ein schüchternes Mädchen blieb er sitzen und wartet, ob einer käme ihn zu holen, ein Stärkerer und Mutigerer als er, der ihn mitrisse und zum Glücklichsein zwänge.“

    – Hermann Hesse, Unterm Rad

    Auf dass wir alle aufstehen und unser eignes Ding machen mögen! 😉
    So, get up, stand up…! 🙂

    Peace & Love,

    Mareen

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