Über Umwege an´s Ziel – Warum Dein Leben ein großes Puzzle ist

leben ist puzzle

Hey ho – Ben hier. Heute habe ich einen ersten Beitrag aus der Anti-Uni Community für Dich. Veronika und ich sind beide Trainer bei Rock Your Life. Und wir haben gerade das gleiche Kompetenzentraining durchlaufen. Wir haben eine sehr ähnliche Auffassung was Bildung angeht und tauschen uns oft aus. Ich schätze Veronika sehr und jedes Treffen mit ihr motiviert mich weiter meinen Weg zu gehen.

The stage is yours, Veronika!

Hallo, ich bin Veronika und möchte mich ganz herzlich bei Ben für die Möglichkeit bedanken, hier einen Gastartikel schreiben zu können.

Vorweg gesagt: Ich habe studiert, sogar einen Master. Ich stehe nun fest im Leben, weiß 100% was ich machen möchte, bin glücklich und erfüllt.

Tja, schön wär’s, entspricht aber leider nicht der Wahrheit.

Sicherlich, es gibt viele junge Menschen, die viel Freude beim Studieren hatten und jetzt genau wissen, was die nächsten Schritte sind. Aber wie viele sind es wirklich? Ich für meinen Teil habe das Gefühl mich gerade in einer „Quarter-Life-Crisis“ zu befinden.

Ich hinterfrage vieles, was ich bisher in den festen Strukturen wie Schule und Universität gelernt habe und inwiefern es mich wirklich weitergebracht hat. Ich hinterfrage mich selber. Ich hinterfrage die Gesellschaft.

Ich hinterfrage, wann es an der Zeit ist wirklich auszubrechen und dem zu folgen, was man wirklich will.

Das interessante daran ist, dass ich auf immer mehr Menschen in meinem Umfeld treffe, denen es ähnlich geht.

Manche haben sich mit der Sinn- und Unsinnsuche schon mehr auseinandergesetzt als andere. Fest steht jedoch, das „Es“ da ist: Die Suche nach dem, was einen erfüllt und was den eigenen Leidenschaften sowie Potentialen entspricht.

Das Problem ist jedoch, dass nicht jeder weiß, wie man das überhaupt rausfinden kann.

Nach der Schule – nach der Uni – Wie geht es weiter? 

Ich weiß, dass diese Fragen schon immer unterschwellig in mir gebrodelt haben, doch erst in meinen „Umbruchsphasen“ (nach der Schule, nach dem Studium) haben sie mich überwältigt.

Sie haben mich regelrecht umgehauen, innerlich gelähmt und mir Angst eingejagt. Da stand ich nun mit einer guten Ausbildung, einem super Lebenslauf und der Gewissheit, etwas „Soziales“ machen zu wollen. Aber was wollte ich wirklich? Besonders schlimm war die Zeit nach meinem Master, denn da war ich nun wirklich offiziell „fertig“.

Und wenn man „fertig“ ist, muss man auch spätestens wissen, was man konkret machen will. Oder?

Wusste ich aber nicht!

Seit dem sind 1,5 Jahre vergangen, die alles andere als einfach waren, die mich aber beim genauen Hinschauen ein großes Stück weitergebracht haben:

Ich habe viel Zeit für den von mir mitgegründeten Verein Weitblick Berlin gearbeitet, habe eine Design Thinking Weiterbildung am HPI gemacht, ein Praktikum bei Ashoka und habe inzwischen meinen ersten Job gefunden.

In mir wuchs aber auch stetig der Wunsch nach Strukturen, die Menschen wie mich in Umbruchsphasen „auffangen“- sie begleiten, motivieren, ihnen Perspektiven aufzeigen, Austauschmöglichkeiten, Entwicklungsräume schaffen.

Strukturen, die Menschen vor allem in solchen Lebensabschnitten ihre Potentiale aufzeigen und sie groß machen. Strukturen, die „Umwege“ zulassen, die man nach eigenen Vorstellungen gestalten kann.

Meine persönliche Vision

Meine Vision ist es, dass es irgendwann einmal genauso „normal“ ist, für ein Jahr auf bewusste „Umwege“ zu gehen, wie es ist, Freiwilligendienste (auch zur Orientierung) jeglicher Art zu machen. Wie könnten entsprechende Strukturen für Menschen im Umbruch aussehen?

Ich weiß es noch nicht genau, aber ich beschäftige mich seit längerem damit und habe schon viele Ideen. Das Schöne ist, dass ich inzwischen auf sehr viele Menschen getroffen bin, die ähnliche Gedanken zu diesem Thema haben. Das macht mir Mut und motiviert mich enorm.

Am meisten die Augen geöffnet hat mir mein Coach Oliver, der mich begleitet und „groß“ gemacht hat. Dank des Projektes Eutokia in Berlin habe ich bei ihm ein mehrwöchiges Coaching mit Hilfe der Methodik der „Kompetenzbilanz“ bekommen.

Ich werde nie den Augenblick vergessen, bei dem ich vor der großen Wand mit meinen unzähligen Fertigkeitszetteln stand und fast von meinen Freudentränen überwältigt wurde: Auf einmal habe ich klar gesehen, was mich auszeichnet und was meine Kompetenzen sind – ein toller Moment!

Welcher konkrete Beruf? 

Ich weiß immer noch nicht, welchen konkreten Beruf ich machen soll. Ich bin immer noch nicht glücklich, mit dem was ich tue. Ich bin immer noch unsicher und orientierungslos. Ich zweifle viel. Aber was ich jetzt weiß ist trotzdem eine Menge:

  • Vielleicht gibt es meinen Beruf noch gar nicht und ich muss ihn erst erfinden.
  • Ich möchte für Menschen Räume gestalten, in denen sie sich entfalten können, sich selber besser kennen lernen, „groß“ werden und bereichernd lernen.
  • Ich möchte selber entscheiden, wo und was ich arbeite.
  • Ich möchte nicht den ganzen Tag vor dem Computer im Büro sitzen, erst recht nicht, wenn mich meine Arbeit nicht erfüllt.
  • Ich möchte mich bewusst an meine Grenzen bringen und aus meiner Rolle schlüpfen, um mich besser kennen zu lernen.
  • Ich möchte mehr meinen Impulsen folgen.
  • Ich möchte mit Menschen in Kontakt kommen, die mir die richtigen Fragen stellen.
  • Ich möchte etwas zum Positiven verändern.
  • Ich möchte den größten Teil meiner Zeit mit Dingen und Menschen verbringen, die mein Herz höher schlagen lassen und mich bereichern.
  • Ich möchte die sein, die ich tief in mir drinnen bin.
  • Ich möchte Menschen begleiten.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich der eine oder andere an dieser Stelle fragt: „Ja aber was bedeutet das konkret?“ – Das fragte mich übrigens auch schon mein Vater mehrere Male.

Daraufhin hat ihm meine Mutter energisch erklärt, dass heutzutage nicht wie früher vieles „konkret ist“, dass es mehr als nur Ärzte und Juristen etc. gib (mein Vater ist Arzt, meine Mutter Lehrerin), dass man heutzutage auch Berufe selber erfinden kann.

Ich fühlte mich in dem Moment meiner Mutter so unglaublich nah, ich hatte das Gefühl sie versteht mich und habe im gleichen Moment die Verzweiflung meines Vaters gespürt, da er dies nicht tat.

In die richtige Richtung laufen

Nein, es ist nicht konkret. Das ist aber genau der Punkt. Ich habe keine Ahnung, wo es hingehen wird. Aber ich bin der Überzeugung, dass es in die richtige Richtung geht, wenn man sich erst einmal bewusst wird, was eigentlich wirklich in Einem steckt, welche Potentiale, welcher Antrieb, welche Visionen.

Ich habe einen ganz anderen Blick und bin so gespannt, was dieses Jahr für mich bringen wird. Ich weiß nicht ganz konkret, wonach ich Ausschau halten soll, aber ich spüre es irgendwie.

Auf diese Weise treffe ich neue Menschen, lerne neue Projekte kennen, bekomme neue Ideen, ändere meine Perspektiven, probiere mich aus – und alles passt zu dem wonach ich suche. Das gibt mir Zuversicht in den Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, dem was ich wirklich tun will nicht näher zu kommen.

Das erfüllte Leben ist wie ein riesiges Puzzle mit Millionen von Teilen, bei dem man nicht von Beginn an alle Teile hat und erst recht keine Anleitung oder ein Vorstellung von dem Resultat.

Manche Teile muss man irgendwo auf der Welt suchen, manche haben andere Menschen, die man erst kennen lernen muss, manche Teile muss man vielleicht sogar selber zeichnen.

veronika mercksDas Wichtigste ist jedoch, dass man überhaupt das Potential erkennt, Puzzeln zu können, dass man den Mut besitzt anzufangen, dass man durchhält auch wenn es schwierig ist und sich helfen lässt. Aber auch, dass man sich die Ruhe gönnt, ein paar Tage nicht zu puzzeln, um sich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen.

Ich wünsche Dir ganz viel Motivation beim puzzeln und vor allem Freude und liebe Menschen, die Dir dabei helfen!

Veronika

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 Bild: Robbert van der Steeg

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10 Kommentare, sei der nächste!

  1. Umwege sind manchmal genau richtig. Ich kann ein Lied davon singen 🙂 Früher wusste ich immer nur, was ich nicht will und hab demzufolge auch vieles wieder abgebrochen. Für mich wars aber eher positiv, weil ich so Einblicke in verschiedene Ecken gekriegt hab. Leider waren damals noch nicht so viel Möglichkeiten und Alternativen wie heute.
    Ich finds echt super, Veronika, was du für dich entschieden und welche Sachen du bisher in Angriff genommen hast. Irgendwann kommt es dann automatisch, wofür die ganzen Erfahrungen waren!
    LG
    Sybille

  2. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich der eine oder andere an dieser Stelle fragt: „Ja aber was bedeutet das konkret?“ – Das fragte mich übrigens auch schon mein Vater mehrere Male.

    Darin finde ich mich nur zu gut wieder. Früher wehrte ich mich wirklich gegen diese Frage, aber das ist auch nicht der Königsweg. Ich glaube einfach, dass gerade auch viele der älteren Generation es aufgrund ihres Wertesystems der Nachkriegszeit nicht nachvollziehen können, dass meine auch Freude in einem „ungewissen“ Leben finden kann, bzw. dass es heute viele junge Menschen gibt die genau das suchen. Für mich gibt es auch keine schlimmere Vorstellung als mit 27 schon genau zu wissen wie die nächsten 40 Jahre meines Arbeitsalltags aussehen werden.

    Dazu kommt dann noch ein Buchtipp für Bens Challenge: Alan Watts – The Wisdom of Insecurity (http://amzn.to/1jWHdBg).

    1. Hey Daniel,

      danke für Deinen Kommentar.

      Mittlerweile geht es mir genau wie Dir. Ich finde es spannend nicht zu wissen, wo ich in 3, 5 oder 7 Jahren stehen werde.

      Manchmal macht mir das auch Angst. Aber mittlerweile habe ich ein Grundvertrauen entwickelt, dass sich gute Dinge ergeben werden.

      Lieben Dank für Deinen Buchtipp!

      Beste Grüße!

      Ben

  3. Mich beruhigt es zu lesen, dass es auch anderen Menschen geht wie mir. Auch mit der Fragerei von Älteren, speziell den Eltern, oder auch Gleichaltrigen, die andere Wertvorstellungen haben. Ich will mein Leben nicht bis zum Ende durchplanen, es macht einen auch irgendwie unflexibel oder unspontan. Es kann Angst machen, aber es fühlt sich auch gut an, nicht zu wissen, was kommt. Vielleicht bekommt man dadurch einen Blick für Dinge, die man sonst übersehen hätte.

  4. Mich würde mal interessieren: Gibt es irgendwen, der es „konkret“ geschafft hat? Viele, wenn nicht alle dieser Gastartikel enthalten derart viele „vielleichts“ und „ich will xyz nicht“, aber handeln ausschließlich von Menschen, die irgendwas (Uni) abgebrochen haben – aber so richtig konkret „erfolgreich“ sind sie auch nicht.

    Ich frage mich: Wo ist der, der mal den Traum, den viele hier haben, lebt?

    Viele Grüße

    1. Hey Kai,

      danke für deinen Kommentar.

      Was meinst du denn mit „geschafft“?

      Es geht auch gar nicht unbedingt darum es zu „schaffen“. Mir geht es zum Beispiel auch um die Opportunitätskosten – ich investiere meine Zeit lieber in Dinge, die ich lernen will, die meine Skills aufbauen statt sinnlos Zeit in Vorlesungen abzusitzen. Gleichzeitig verdiene ich damit mittlerweile meinen Lebensunterhalt und kann ganz nette Vortragssätze nehmen.

      Einige meiner Kumpels haben auch abgebrochen und sind ziemlich erfolgreich mit dem was sie tun. Da sind z.B. Georg von soulbottles hat mittlerweile 6 oder 7 Mitarbeiter ( https://www.soulbottles.com/de/ ) und Jakob ( http://jakobschweighofer.com/ ) hat schon mehrere erfolgreiche und sechstellige Online-Projekte umgesetzt. Und das sind nur mal zwei Beispiele.

      Hier mal ein Beitrag zu 4 Abbrechern, die cooles Zeug machen: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studienabbrecher-studenten-verlassen-die-uni-mit-erfolg-a-983374.html

      Inwiefern hat dir die Uni denn geholfen, es zu „schaffen“?

      Cheers,

      Ben

      1. Ich fand’s etwas unstimmig, dass der Titel heißt „über Umwege ans Ziel“, sie aber noch gar nicht „am Ziel“ ist. Bei Sonja’s Artikel war das desletzt auch so. Amazon-Seite mit zwei Bewertungen, davon eine von ihr selber. Ein Twitter-Acc mit 25 Followern, aber 1200+ Tweets. Ist das wirklich „Traum leben“? Practice what you preach?

        Kein Hate, mir fiel das nur auf. 🙂

        1. Well bro, the goal kinda is in the journey they say.

          Dazu ein paar Gedanken:

          Wann bist du denn am Ziel? Gibt´s überhaupt ein Ziel?

          Dein „Traumleben“ ist Definitionssache und sehr individuell. Vielleicht komme ich mit 1.000 € im Monat aus und tue dafür nur Dinge, die mir Spaß machen. Vielleicht verdiene ich 10.000 € im Monat und führe nicht wirklich mein „Traumleben“. You decide, my friend.

          Bin gespannt deine Story zu hören.

  5. Hallo Veronika,

    ich finde es macht nichts, wenn du jetzt noch nicht dort bist, wo du sein willst. Es ist die Reise von A nach B. Viele Menschen wissen doch gar nicht, wo ihr B liegt. Oder welche Kriterien es erfüllen muss.

    Kriterien finde ich sowieso wichtiger als Ziele. Ein Ziel kannst du erreichen und dann? Sieh dir Boris Becker nach Wimbeldon an 🙂

    Gut, wenn man sich in jungen Jahren dessen bewusst ist. Aber selbst mit 41 kann man das Ruder noch rumreißen. Mach ich gerade. Habe nämlich keinen Bock mehr auf den eintönigen, fremdbestimmten Job. Stattdessen bringe ich jetzt Menschen das Flipcharten bei. Ganz Online.

    Jeder kann seine Nische finden und dort glücklich sein.

    Ich drücke dir die Daumen.

    Viele Grüße,
    David

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