Warum wir das Bildungssystem nicht ändern können

Warum wir das Bildungssystem nicht ändern werden

Warum es eine bescheuerte Idee war diesen Blog zu starten oder…

warum wir das Bildungssystem vielleicht nie verändern werden. 

Viele unserer Eltern sind in die Schule gegangen.

Und die meisten von ihnen erinnern sich wahrscheinlich an weniger als 5% des in der Schulzeit gelernten Stoffes.

Tests und Studien bei Erwachsenen zeigen, dass 90 Prozent aller Erwachsenen bereits bei elementarem Hauptschulstoff versagen. (Jep, read it again.)

Und dabei wurde in diesen Tests nur sehr oberflächliches Wissen und nicht einmal tieferes Verständnis abgefragt.

Hurra! könnte man da sagen. (Oder auch nicht.)

Man könne darüber streiten, ob 1 % oder sogar 5 % des gelernten Stoffes bei Erwachsenen hängen bleibt, sagt der Psychologe Thomas Städtler. Wenn man einzelne Schlagwörter und lose Wissensfetzen als Wissen zählt, den könne man von (ich zitiere) „5 Prozent verbleibenden Stoffes ausgehen.“ ¹

Da könnte man fragen: Und die schicken uns in die Schule (und auf die Uni)?

Im Ernst!?

Eltern – die meinen’s doch nur gut…

Aber sind wir mal nicht so forsch.

Wir wollen ja schließlich eine brave Generation Y sein und nicht zu viel aufmucken. Nicht gesund ist das, würde Yoda sagen. Und auch ökonomisch gar nicht mal sooo erfolgsversprechend. (Siehe Sidebar – gesunde, warme Mittagessen und mehr sind highly appreciated.)

Nicht, dass aus uns noch das wird, was wir uns vorstellen oder gar erträumen.

Viele Eltern machen sich Gedanken um die Bildung und Ausbildung ihrer Kinder. Um uns. Das ehrt sie.

In der Öffentlichkeit wird eine Kritik am Schul- und Bildungssystem derweil immer lauter. Viele Eltern fragen sich ernsthaft, ob es noch die beste Wahl ist ihre Kinder in die Schule bzw. in eine normale Schule zu schicken.

Und ja, fast alle Kinder gehen nach wie vor in eine normale Schule. Alternative Schulen erleben Zulauf. Auch das ist aus meiner Sicht erfreulich.

Dennoch halten wir am Schulkonzept fest.

Hier sind mögliche Gründe dafür, die mir eingefallen sind:

  • Eltern sind einfach froh wenn die Kids aus dem Haus sind
  • Unsere Eltern sind auch in die Schule gegangen – und für sie hat es ja funktioniert (okay…definieren wir funktioniertMr und Mrs Midlife-Crisis…)
  • Der geht immer: „Haben wir doch schon immer so gemacht“ (Wenn wir genau sind ungefähr seit der industriellen Revolution. Aber ich will hier nicht den Klugscheißer spielen.)
  • Alternativen überlegen? Was ausprobieren? Viel zu anstrengend! Da könnten wir ja auf die Nase fallen. Dann machen wir lieber so weiter wie bisher. (Und ignorieren, dass der jetzige Zustand eigentlich schlimmer ist, als auf die Nase zu fallen.)

Dieser Blog – oder: eine dämliche Idee!?

Wenn ich es mir recht überlege, dann ist es eigentlich ziemlich dämlich, was ich hier tue.

Erst die Uni abbrechen (die noch dazu eine ziemlich gute sein soll. Hat man mir gesagt. Bzw. habe ich in so einem Ranking gelesen. Wie auch immer.)

Dann auch noch darüber zu schreiben, mit der Hoffnung im Herzen, dass sich etwas ändert und sich auch andere Menschen für diese Veränderung begeistern können.

Der Supergau ist natürlich den Blog Anti-Uni zu nennen. (Naja, immerhin die ZEIT konnte sich dazu bewegen darüber zu schreiben.)

Im Großen und ganzen: Ein böses Faul. Äh, Foul. (Hat da wer in der Schule nicht aufgepasst!? – Nein, ist nur spät. Ich mag das was ich hier tue irgendwie….)

Viel wichtiger aber ist: 

Jemand, der auch nur eine gewisse Zeit in das Bildungssystem investiert hat (für die „Normalen“ unter uns sind das ca. 13 000 Stunden im Unterricht und nochmal 7.000 Stunden für die Hausaufgaben) wird nur schwer zugeben, dass diese Jahre verschwendete Zeit waren.

Das wäre ja fast so als würde man…(Mist, mir fällt kein guter Vergleich ein. Vorschläge nehme ich in den Kommentaren entgegen.)

Jedenfalls wollen wir als Menschen nicht akzeptieren, dass die Zeit, die wir in der Schule verbracht ökonomisch gesprochen Sunk Cost waren (uhlala, hat da doch wer aufgepasst!?).

Genau wegen dieser Sunk Cost fällt es Menschen teilweise wirklich wirklich schwer auch unglaublich dumme und niemals erfolgreiche Projekte aufzugeben. Eben weil sie schon wertvolle Lebenszeit in die Projekte investiert haben.

Sich eingestehen, dass diese Zeit „verschwendete“ Zeit war – wer will das schon?

(Unter uns: Ganz verschwendet war sie wohl selten, irgendwas bleibt fast immer hängen.)

Wir wollen verdammt nochmal nicht akzeptieren dass irgendwas in unserem Leben Sunk Cost waren.

Deshalb bleiben wir in unserem Job. Oder unglücklich verheiratet. Oder ändern nichts am Bildungssystem.

Opportunitätskosten – say what!?

Wir ignorieren auch all die Opportunitätskosten (uhlala, schon wieder der Herr Ökonom!), die wir unterwegs in Kauf genommen haben.

Was hätten wir alles machen können statt 13.000 Stunden im Schulunterricht und 7.000 Stunden über Hausaufgaben zu sitzen?

Oder statt drei wertvolle Lebensjahre in unser BWL Studium zu investieren? (Sorry, guys…)

Mir würden da schon ein paar Dinge einfallen… (Reisen zum Beispiel. Oder die Natur erkunden. Ein Buch schreiben. Einen Blog starten. Einen Film drehen. Podcasts hören. Von Menschen lernen die mich inspirieren…)

Ich frage mich: Vielleicht hätte ich dann sogar schon mit 18 gewusst, was ich wirklich machen will – statt jetzt hier zu sitzen und mit gerade frischen 24 Jahren diese Zeilen zu schreiben. (Und immerhin mehr oder weniger zu wissen, was ich wirklich machen will. Das hier zu schreiben gehört auf jeden Fall dazu.)

Klar, vielleicht haben wir in Schule und Uni Freunde für’s Leben gewonnen. Vielleicht aber auch nicht.

Und die hätten wir vielleicht auch außerhalb des Studiums kennenlernen können. Ich persönlich habe in den Jahren meines Nicht-Studiums bzw. Selbststudiums ziemlich viele coole Leute getroffen und großartige Freunde gewonnen.

Wer von uns hat schon noch Freunde aus der Schule, die er regelmäßig sieht? Wahrscheinlich kaum jemand.

So gut taugt die Schule also als Sozialisierungs-Instrumemt. Klar überspitze ich hier.

Mir wird gerade schmerzhaft bewusst wie quasi unmöglich dieses Unterfangen ist. (Also das Bildungssystem zu verändern – in absehbarer Zeit.)

Selbst jemand der seine Zeit beim Bund gehasst hat, wird dennoch versuchen dieser Zeit etwas Positives abzugewinnen. Das zeugt nicht nur von einem positiven Mindset, sondern auch und von Menschlichkeit und Rationalität.

Denn würde er dieser Zeit nichts Positives abgewinnen, so würde er seine Entscheidung entwerten. Seine Entscheidung überhaupt erst zum Bund gegangen zu sein, würde sich wie eine falsche Entscheidung anfühlen.

Das wäre sehr schmerzhaft.

Auch wenn wir nicht wirklich die Wahl hatten in die Schule zu gehen oder nicht:

Jetzt zu sagen wir hätten 9, 10, 12 oder gar 13 Jahre unseres Lebens besser nutzen können – das schmerzt

Und Schmerzen und Sorgen haben wir doch eh alle genug.

Also machen wir lieber weiter wie bisher.

Also lassen wir lieber zu, dass unsere Kinder später die gleichen (und noch ganz andere) Schmerzen haben.

Also schicken wir unsere Kinder lieber auf die gleiche verdammt normale Schule und auf die Uni. Einfach so.

Und lassen damit zu, dass sie später die schmerzenden Opportunitätskosten genau wie wir unterdrücken.

Und sie vielleicht auch ihren Kindern zumuten.

 

 

 

¹ Städtler (2010), S. 422

Willst Du auch weniger auf die Gesellschaft hören und Dein eigenes Ding machen?

Hol´ Dir meine 7-teilige kostenlose Video-Serie und lerne die Kunst deinen eigenen Weg zu finden. 

>> jetzt die kostenlose Video-Serie abholen! <<

find_your_own_way_university-bdr

88 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hey Ben, ich muss sagen, ich hatte noch nie Schwierigkeiten damit zuzugeben, dass die Schulzeit verschwendete zeit war. Ich wurde schließlich dazu gezwungen und hatte schon damals das Gefühl dass ich nicht wirklich etwas lerne.

    Dazu kommt dass sich viele Dinge im Nachhinein als falsch herausstellen. Ich stelle eigentlich grundsätzlich in frage, was ich mal gelernt hab oder was andere sagen. Es ist interessant wie andere Menschen darauf reagieren wenn man ihnen sagt, dass nicht alles stimmt was sie in der schule gelernt haben.

    Wie auch immer, ich bin schon lange gegen dieses schulsystem. Aber kein wunder dass es sich nicht entwickelt, wo der Staat doch so viel mehr Geld für militärische Zwecke ausgibt, als für die Bildung. Ich bin sicher es wird sich eines Tages ändern. Es wird nur einige zeit brauchen, wahrscheinlich werden wir das nicht mehr erleben.

    Lg
    Tina

  2. Lese ich da ein zögern?

    Dieser Text scheint mir von Angst geprägt, dass kenne ich von diesem Blog gar nicht :O

    Nunja, vielleicht muntert dich meine Geschichte ein wenig auf:
    Ich habe mit dem Hauptschulabschluss die Schule verlassen und eine Ausbildung bei der Telekom als Kaufmann angefangen.
    Zwei dumme Fehler die ich in meinem Leben sehr bereue.
    Noch rund ein halbes Jahr und ich habe die Ausbildung hinter aber die wertvollste Lektion die ich daraus gelernt habe, ist dass ich mich niemals wieder zu einem 9to5 Job renken werde. Ich habe hier so viele zerbrochene Träume gesehen, soviele depressive Menschen, denen man alleine schon aus den Augen liest, dass sie vor langer Zeit hier gestorben sind.

    Das hat mich motiviert meine eigenen Träume zu träumen. Ich möchte mein eigenes Ding, nicht nach der Pfeife von jemanden tanzen, der nur das tut was auf einem Blatt Papier steht. Ich möchte mich und meine Kreativität ausleben und will mir nicht mehr von irgendjemanden vorsagen lassen, was ich kann und was nicht, was ich werden kann und was nicht.

    Deshalb werde ich die Chance nutzen und nach der Ausbildung zu meinem Vater zurückziehen, mich selbstständig machen und in die Schule zurück gehen für ein Stück Papier (welches lediglich als Absicherung gilt).

    Du darfst niemals aufhören an deine Träume zu glauben, denn wenn du aufhörst zu träumen, stirbt ein Teil von dir.

    Viele Grüße
    Vladimir

    1. Ganz grundsätzlich finde ich, dass die sogenannten 9to5-Jobs in manchen Kreisen zu schlecht dargestellt werden. Ich war früher selbst selbsständig im Bereich der Webentwicklung tätig und bin irgendwann zum „normalen“ Angestelltenverhältniss“ gewechselt. Die Gründe:

      * Versicherungen (Das ist nur ein halbes Argument)
      * Um 5 gehe ich nach Hause und muss mich nicht mehr um die Arbeit kümmern – Das ist ganz praktisch, wenn man noch mehr Hobbies hat.
      * Das mir gesagt wird, was ich kann und was nicht, stimmt nicht.
      * Auch in der Selbstständigkeit muss man doch des Öfteren das machen, was jemand von einem will – Oder wie verkaufst Du einem Kunden, dass er nicht das bekommt, was er will 🙂

      Wie gesagt: Ich kenne beide Welten und kann nur sagen, dass beide ihre Vor- und Nachteile haben. Ich würde nicht sagen, dass eines besser ist als das andere, sondern dass es in jedem einzelnen Fall von der Person abhängt.

      1. Auf jeden Fall!

        Ich bin auch der Meinung, dass man die Arbeitswelt nicht pauschal in Gut und Böse teilen sollte.

        Vieles ist da doch eher eine subjektive Bewertung.

        Andererseits sind auch viele in diesen „normalen Angestelltenverhältnissen“ gefangen bzw. können sich gar nicht vorstellen, dass es da draußen auch etwas anderes gibt.

        Daher finde ich es generell gut, dass es Blogs und Bücher gibt, die darüber berichten, wie man sein eigenes Ding machen kann.

        Ausprobieren, wenn man will. Kann ja eigentlich nichts schief gehen. Falls sich herausstellt, dass man selbst eher ein Angestellter ist, dann kann man meist ohne Probleme zurück. Du bist da ein gutes Beispiel und deine Gründe sind überzeugend. Zumindest für dich selbst.

        Grüße
        Jonas

    2. Hallo Ben! Dieser Text gefählt mir. Es ist witzig und meinen Meinung nach Verständnissvoll, dass es doch eine sehr gute Idee war und ist Anti-Uni zu machen. Ein guter, individueller Lebensweg ist meist mit der Skepsis anderer verbunden und dann doch bewundertswert. Mach weiter Dein Ding!(Gute Besserung übrigens)

      P.S. Vladimir, Guter Text! Denk aber bitte daran das wir immer andere Menschen und Freunde brauchen die uns unterstützen und helfen zu wachsen.
      Gruß
      Andreas

    3. Hey Vladimir,

      natürlich weiß ich nicht genau, was Ben sich beim Verfassen des Artikels gedacht hat, aber ich verstehe ihn eher als ein Aufruf, anders zu denken – eben nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, sondern etwas an seiner Grundhaltung zu verändern.

      Gruß
      Chris

        1. Depressiv ist ein starkes Wort, Vladimir.

          Ich danke euch für eure Kommentare, Jungs. Als depressiver Text war der Text sicherlich nicht geplant.

          Und sonst finde ich es spannend, dass jeder etwas anderes daraus mitnimmt und dass mit jedem andere Teile resonieren. Wie im Deutschunterricht früher – nur dass hier kein Deutschlehrer die endgültige Interpretation in seinem Lehrbuch stehen hat.

      1. Hallo Moritz,

        Freut mich sehr, dass ich dein Interesse geweckt haben.

        Ich arbeite gerade an meinem Blog Auftritt um erst einmal eine größere Fanbase aufzubauen. Um diesen Blog ist sag ich mal das „übliche “ Geschäftsmodell vorgesehenen. Webinare, Seminare, möglichserweise ein E-Book.

        Aber sobald die Fanbase da ist möchte ich ein Blogger Netzwerk aufbauen, welches das kennenlernen unter Bloggern erleichtern soll, Gastartikel vereinfachen und einiges mehr.
        Ich bin aktuell noch in der Konzeptphase, aber die Ideen sprudeln nur so.

        Viele Grüße
        Vladimir

  3. Das kommt jetzt vielleicht nicht so gut an, aber wenn man das ohne Kontext lesen würde, hielte man es für das Geschwätz eines gelangweilten Studenten, der ein bisschen über die Welt philosophieren will.

    Obwohl unsere Schulen so schlecht sein sollen, schaffst Du es ja doch offenbar, hier ziemlich fehlerfreie Texte zu schreiben, oder? Könntest Du zusammenrechnen, was Du im Supermarkt ausgibst, wenn Du nicht unser unglaublich schlechtes Schulsystem in Anspruch genommen hättest? Und auch Du wirst ja über viele biologische Zusammenhänge und z. B. den zweiten Weltkrieg bescheid wissen. Karl der Große und das römische Reich wird Dir auch etwas sagen? Also scheint ja doch etwas hängen geblieben zu sein.

    Vielleicht sagst Du ja jetzt:“Ja, aber das sind ja nur einfachste Grundlagen.“. Dann sage ich:“Wo willst Du die Grenze ziehen zu dem Stoff, den angeblich keiner kann und der dafür als Argument herhält, dass das Schulsystem schlecht sein soll.

    Nicht, dass ich unser Bildungssystem für perfekt halte – im Gegenteil, aber viele Probleme kommen nicht durch das System selber, sondern durch fehlende Investitionen zustande.

    Und noch etwas: Du bist nicht der einzige, der nicht sofort seine Berufung gefunden hat. Aber das willst Du dem Bildungssystem in die Schuhe schieben? Das ist etwa so, wie wenn Eltern jammern, dass aus ihrem Kind nichts geworden ist, weil sie es vor dem Fernseher geparkt haben.

    1. Wer sagt, dass ich keine fehlerfreien Texte schreiben könnte, wenn ich nicht in die Schule gegangen wäre?

      Vielleicht wüsste ich sogar noch mehr über den zweiten Weltkrieg, weil es mich interessiert hätte und ich den Stoff nicht nur für eine Klausur lernen musste.

      Will ich dem Bildungssystem was in die Schuhe schieben?

      Ich denke schon. Und das ist auch gut so!

      1. Ich sehe das wie Ben!
        Keiner brauchte heute mehr eine Schule als Ort, wohin man gezwungen wird zu gehen…
        Wenn man das hängengebliebene Wissen auf die gesamten Jahre und die Anzahl der Menschen rechnet, dann ist das tödlich für eine Volkswirtschaft. … und eine echtes Hamsterrad für junge Menschen sich jeweils 45 Minuten für etwas begeistern „dürfen“ und dann ist wieder was anderes dran…
        Da sollten wir heute echt weiter sein…!
        Danke Ben für diesen Artikel!

        1. Mh… Ich weiß ja nicht. Es gibt genügend Beispiele für Schulen bzw. deren Ansätze, in denen kein Kind zu irgendetwas „gezwungen“ wird – Und die Ergebnisse sprechen nicht immer für sich.

          Man sollte schon jeden Ansatz kritisch betrachten und nicht nur die anderen. Hier scheinen sich halt viele zu versammeln, die den traditionellen Weg als falsch betrachten, ohne zu differenzieren.

          Wie viele Kinder würden sich denn für den zweiten Weltkrieg interessieren, wenn sie nicht von irgendeiner Instanz herangeführt werden würden? Man denke sich eine idealisierte Welt, in der z. B. Eltern den Kinden „Anstöße“ gäben. Schön und gut, aber wie sieht es denn in der Realität aus?

          Dem Bildungssystem pauschal den schwarzen Peter zuschieben und sich daraus selbst emporzuheben, ohne eine adäquate Alternative, d. h. mit den gegebenen Mitteln für Millionen von völlig unterschiedlichen Kindern und (herangehenden) Erwachsenen, zu bieten, halte ich schon für etwas… vermessen.

          Man sollte sich vor Augen halten, dass es viele gibt, die aus diversen Gründen nicht in der Lage wären, sich ihren Ausbildungsweg selbst zu gestalten. Was wäre mit denen? Pech gehabt?

          Wie ich schon sagte: Es läuft beileibe nicht perfekt und vieles ist überholt. Und ich halte auch einiges von diesem Projekt hier für durchaus erstrebenswert. Aber das ist kein Argument, alles zu verdammen und seinen eigenen Weg als Allzweckwaffe zu propagieren.

          Ich finde es schade, dass das Anti-Uni-Prinzip hier nicht hinterfragt wird, aber das wäre vermutlich nicht im Sinne der Seite.

          1. Hey Marc,

            ich will ja auch nicht alles verdammen. Ich habe nicht den Eindruck, dass außer dir noch jemand diesen Eindruck teilt.

            Und als Allzweckwaffe propagiere ich auch (noch) nichts so weit ich mich hier umsehe…oder siehst du was?

            Kritisches Hinterfragen des Anti-Uni-Prinzips ist stets erwünscht!

            Lg,

            Ben

        2. Ich stimme dir zu, Mik. Ein treffender Artikel. Natürlich schafft das Schulsystem es, ihren Schülern die Grundlagen relativ gut beizubringen – wenn es das nicht täte, gäbe es keinen Grund für den normalen Bürger, das Bildungssystem zu unterstützen.

          Aber was das Bildungssystem entschieden nicht kann, ist neue Ansätze zeitnah ausprobieren und diese auf Schüler zuschneiden.

          Es ist sozusagen gezwungen, konservativ zu handeln, weil Bürokraten und Politiker für etwas das fehlschlägt keine Brownie Points bekommen und dementsprechend entlassen oder nicht wiedergewählt werden.

          Dabei gibt es so viele spannende neue und auch sehr alte wertvolle Lernmethoden und -ideen, die es wert sind, weiter verbreitet zu sein. Einige nennenswerte Ansätze sind zum Beispiel UnCollege (http://www.uncollege.org/), Praxis (https://www.discoverpraxis.com/) oder Exosphere (http://exosphe.re/).

          Diese verbinden individuell angepasste Lernmethoden und -inhalte mit unternehmerischer Ausbildung, persönlichem Wachstum, und intellektueller Herausforderung.

          Ich freue mich immer über ein anregendes Gespräch. Wer sich über diese Dinge mit mir austauschen möchte, kann mich gerne auf Facebook (http://facebook.com/bierlingm) adden oder mir eine Mail an bierlingm@gmail.com schreiben.

          Beste Grüße,

          Moritz

    2. Es geht ja nicht NUR um das Wissen. Klar gibt es daran viel, sehr viel zu bemängeln. Allerdings begründest du gerade mit deiner Argumentation, dass du etwas in der Schule gelernt hast. Und zwar Allgemeinwissen.

      Die Grundlagen lehrt uns das Bildungssystem in einem ja sagen wir angenehmen Maße und sowas wie die Grundschule sind Einrichtungen auf die man auch mit dem Anti -Uni Konzept besser nicht verzichten sollte.

      ABER, sagen wir nach der 6.-7. Klasse lehrnst du überwiegend Mist, den du im Leben nicht verwenden wirst, außer du hast wirklich echtes Interesse daran. Und daran müssen wir was ändern.

      Ich war vor circa einem halben Jahr auf einem Seminar, wo wir eine Sache feststellen mussten. Ja das System ist sehr konservativ, aber nein es wird nicht von den Politikern gesteuert. Sondern von den Unternehmen. Diese verüben Druck auf Politiker und Handelskammern und sitzen am längeren Hebel. Denn die Unternehmen bestimmen welche Angestellten sie im Moment brauchen, welche Auszubildende sie für welche Berufe brauchen.

      Und das wird so leider vollkommen akzeptiert, ohne daran zu denken, dass Schüler vielleicht mal nicht in ein Angestelltenverhältnis rücken wollen. Auf diese Menschen wird absolut nicht gedacht.

      Nur einer der Punkte den ich zu dieser Konversation hinzufügen wollte. 🙂

    3. Ich befinde mich gerade in der gymnasialen Oberstufe und aus meiner Sicht hat das Schulsystem zumindest in meiner Stufe ihren Sinn verfehlt. Es geht nicht mehr um das vermittelte Wissen, viele in meiner Stufe kennen nicht einmal Alexander den Großen oder lernen erst jetzt gerade (11. Klasse!) Marx kennen, haben aber einen 2er Schnitt. Es gibt Leute, die felsenfest behaupten, Portugal befindet sich in Südamerika, bis sie es selbst auf der Karte sehen, aber in Geographie noch ne glatte 3 bekommen. Und zwar auf erhöhtem Niveau.

      Oder anders herum: Leute, die bei einer mündlichen Prüfung eine 3 kriegen, obwohl alle Ergebnisse richtig sind. Weil sie die Aufgabe nicht „lebhaft genug“ vorgestellt haben.

      Es geht in den Bildungsinstitutionen unserer Gesellschaft nicht darum, das gesammelte Wissen jener kennenzulernen und zu erfassen und anzuwenden lernen. Es geht nur darum so zu tun als ob und das zu sagen was Lehrer gerne hören wollen, selbst wenn diese Falsch liegen. Und dann zu vergessen, denn man brauch ja nur die Note, nicht wofür diese eigentlich steht.

      Zwar will ich nicht alles auf die Lehrer und das System schieben, aber wenn ich mir sowohl Curriculum als auch unsere Lehrerschaft so ansehe, wundert mich das abnehmende Allgemeinwissen und der Fachkräftemangel nicht im geringsten. Und ich rede immerhin vom Gymnasium.

  4. In Montessori Schulen ist das anders… Und nein, das sind keine esotherischen Waldorfschulen. Sie sind naturwissenschaftlich geprägt und nutzen die intrinsische Motivation der Kinder selbständig zu lernen.

  5. Lieber Ben,

    erst einmal Hut ab, in deinem zarten Alter 😉 schon solche gedanklichen Höchstleistungen zu vollbringen, und das auch noch krank.
    Vladimir meinte ein Zögern in diesem Text zu lesen. Für mich ist es möglicherweise einfach einmal ein Punkt der Frustration, an den jeder immer mal kommt, wenn du ständig gegen den Strom schwimmst und keiner so richtig mit zieht. Das kann schön anstrengend sein.
    Ich kenne das von mir, habe allerdings bis ungefähr 40 gebraucht, bis ich bereit und mutig genug war, aufzustehen und wirklich in eine andere Richtung zu gehen.
    Als allein erziehende Mutter seit 17 Jahren habe ich meine Kinder in die Waldorfschule geschickt in den ersten Jahren. Und nein, ich kann da keine esoterischen Ansätze erkennen. Es geht um ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen, viel Musik (ein Instrument zu lernen fördert nachweislich die Intelligenz) und Körperarbeit, um Wissen aufzunehmen.
    Ich selbst komme aus dem staatlichen System, der Vater der Kinder auch, und so passierte es dann doch, dass beide Kinder ‚zurück‘ auf das Gymnasium gingen.
    Die Zeit bei Waldorf hat sie nachweislich geprägt, ihr ausgeprägtest Sozialverhalten und Verantwortungsbewusstsein setzt sich teilweise deutlich von der Masse der Menschen in ihrem Alter ab.
    Mein Sohn hat das Abi in der Tasche und beginnt gerade in Konstanz Wirtschaftswissenschaften zu studieren… Haha… 😀
    Wir diskutieren viel über Karrierewünsche, darüber was er erreichen möchte im Leben, und er liest diverse Bücher über Erfolg und so.
    Zu Weihnachten hab ich ihm eins aus deiner Bestseller-Liste geschenkt. Die entscheidenden Jahre in den 20ern. Er hat es begonnen zu lesen und ist total begeistert.
    Außerdem liest er jetzt auch deinen Blog, den ich ihm schon drei Mal empfohlen hatte 🙂

    Lange Rede kurzer Sinn – du bist auf dem richtigen Weg, das System aufzubrechen braucht einfach einen langen Atem. Einem inzwischen mehr beachteten Herrn Richard David Precht sprichst du mit deinen Worten aus der Seele.
    Also mach weiter und rotte dich mit Gleichgesinnten zusammen. 🙂

    Ich mache von meinem bescheidenen Plätzchen hier mit einem ziemlich beeindruckenden Netzwerk das Gleiche. Ich werde die Welt wieder in die Liebe zurück führen. Liebevolles und achtsames Miteinander gehört wieder in die Geschäftswelt, die nur noch auf Leistung und vielfach auch immer noch auf Arbeiten nach Vorgabe in einem hierarchischen System angelegt ist.
    Einen löblichen Unterschied macht da zum Beispiel die BCG (Boston Consulting Group), von deren Führungspersönlichkeiten sich ein paar sehr interessante TED-Auftritte (www.ted.com) finden. Roselinde Torres spricht dort darüber ‚What it takes to be a great leader‘, Yves Morieux über 6 Regeln, um die komplex gewordenen Arbeitssituationen zu vereinfachen. Hochinteressante Erkenntnisse, wie ich finde.

    Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig inspirieren.
    Gerne tausche ich mich mit dir auch über persönliche eMail aus.
    Dir gute Besserung.
    Herzlich
    Andrea

    1. Hey Andrea,

      Danke für deinen Kommentar und die Blumen.

      Freut mich, dass deinem Sohn das Buch aus meiner Liste gefällt.

      Was echt witzig ist: Eltern, die ihren Kindern diesen Blog hier empfehlen. Das habe ich jetzt immer mal wieder gehört. Und klar freut mich das! Damit gerechnet habe ich nicht unbedingt 😉

      Einen langen Atem auch dir,

      Ben

  6. An ein Schulsystem festzuhalten, welches einem 20.000 Stunden seines Lebens gekostet hat ohne messbare Nachwirkung ist so wie ein Buch weiterzuempfehlen, an deren Inhalt man sich nicht erinnert, und welches einem auch nicht zugesagt hat. Warum sollte man ein Buch zu Ende lesen, wenn es einem nichts taugt? Der Roman „Artamène“ von Madeleine de Scudéry aus dem 17. Jahrhundert mag sehr spannend gewesen sein. Doch es ist (wie bei jedem Roman) Geschmackssaxhe und wird nicht allen gefallen. Ich bin der Meinung, jeder Leser dieses Romans sollte aufhören zu lesen, auch wenn er bereits hundert Seiten gelesen hat und danach kmmer noch keinen Zugang gefunden hat. Alles andere wäre eine Qual. Der Roman umfasst mehr als 13.000 Seiten (zum Vergleich: Harry Potter bringt es auf 350 Seiten) und gilt als eines der längsten Romane aller Zeiten. Mach das Buch zu, wenn es nicht Deine Geschichten sind. Mach DEIN Ding!

  7. nein, nein, nein…
    jetzt nur nicht aufgeben und den kopf in den sand stecken. veränderungen geschehen nicht aus sich selbst heraus sondern weil menschen gleichen glaubens sich finden und dinge bewegen. nicht den berg der unmöglichkeit ins visier nehmen! kleine mögliche schritte gehen.
    in meinem umfeld erlebe ich viele menschen, die aus alltagsstress meinen, sie könnten nichts tun. aber ich erlebe auch mindestens genauso viele menschen die sich (politisch) engagieren und an veränderungen glauben. es ist doch immer eine frage der eigenen blickrichtung und motivation.

    ja, ich habe diese „verschenkte“ zeit erlebt. aber ich will sie künftigen generationen nicht zumuten und ich glaube daran, dass immer mehr macher und macherinnen da draußen sind, die aufgrund des technologischen wandels auch immer bessere möglichkeiten haben veränderungen anzustoßen.

    einfach mal machen!

  8. Moin. Jede® hat so seine Tiefpunkte. Das muss vergehen. Also weitermachen. Irgendwo und irgendwann ändert sich was. Wobei ich sagen muss: Einen Grundstock erwirbt man ja schon in der Schule. Sonst gäbe es diesen Blog nicht… 😉

  9. Das klingt ja mal wirklich deprimierend. Bin ich gar nicht gewöhnt von der Begeisterung die du sonst ausstrahlst.

    Bei einigen Punkten hast du vollkommen Recht, da stimm ich dir zu. Auch mein Vater hat mich, obwohl er seine Schulzeit dort gehasst hat, in die selbe Schule die er vor 40 Jahren besucht hat geschickt/gehen lassen. Meine Eltern sind beide Pädagogen, doch die Idee ihre drei Söhne an Alternativ Schulen oder Schulsysteme heranzuführen, solange es uns noch etwas gebracht hätte, kam ihnen nie in den Sinn.

    Es entsteht durch die Entscheidung unserer Eltern, für ihre Kinder einen konformen Weg zu wählen, so viel Leid, da kannst du dir sicher sein. Leid das du und ich beide am eigenen Leib erfahren mussten. Die Frage ist nur wie man das erfahrene Leid in Retrospektive sieht. Sieht man es als „einfaches Leid“, oder ist man froh darüber, dass man erfahren hat was wirklich abgeht? Das man im Gegensatz zu dem Rest wirklich weiß was um einen herum geschieht, wie man vom System behandelt wird?

    Ich sehe als Chance. Eine Chance in meinem Umfeld etwas zu bewegen. Meinen MItmenschen eine bessere Perspektive zu geben. Mit deinem Blog hat sich dein Umfeld um einiges vergrößert. Nutze das. Du kannst mit dem was du schreibst, so viele Menschen erreichen, auch wenn sie nur darüber stolpern und zuerst schockiert sind über das was du tust, getan hast oder schreibst.

    Auch wenn alles grade sinnlos aussieht, lass es dir nochmal durch den Kopf gehen. Wie wollen wir in der Zukunft eine Veränderung sehen, wenn es solche Sachen wie deinen Blog nicht gibt?

    Ganz liebe Grüße,

    Leon

  10. Hi Ben,
    ist doch immer wieder erfrischend, Deinen Blog zu lesen. Vermutlich hast du in ein paar Punkten Recht – klar ist es gut zu wissen, dass irgendwer auf die Kids aufpasse, wenn ich in meinem langweiligen 9 to 5 Job schon die Brötchen verdienen soll, warum soll es da meinen Kindern besser gehen? 😉
    Aber eine alternative Schule ist eben auch nicht immer das Gelbe vom Ei – die Konzepte von alternativen Schulen (müssen) sich an das System anpassen und so gehen mitunter richtig gute Ansätze irgendwo verloren. Die Lehrer auf alternativen Schulen sind (vielleicht) motivierter, aber das ist nichts, wovon ich grundsätzlich ausgehen kann.
    Trotzdem behaupte ich mal, das es nicht die Bequemlichkeit ist, die uns daran hindert ein neues Schulsystem zu errichten – denn das ist ja schließlich die Idee, hinter der Idee, das Schulsystem zu ändern. Ich würde mich schon freuen, wenn denn die Bundesländer sich auf ein einheitliches Konzept einigen könnten – nicht mal das wird ja geschafft und wenn ich sehe, wie „einfach“ es tatsächlich ist, von einer Uni an eine andere zu wechseln, dann wird mir einfach nur schlecht. Jeder verteidigt sein bißchen Macht und Eigenständigkeit…
    Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass eine gute Schule 1. auf die Individualität der Schüler eingehen müsste und 2. der Wettbewerbsgedanke ganz aus dem Unterricht verschwinden müsste. Beides: Uniformität und Wettbewerb sind in unserer Gesellschaft aber (immer noch) treibende Faktoren. Und damit beißt sich der Hund dann immer wieder in den Schwanz. Gute Ideen und gute Leute gibt es sicherlich ohne Ende, aber das reicht eben nicht aus. Deshalb ist es gut, das es Leute, wie dich gibt, die das Thema immer präsent halten. Also, lieber Ben, blogge schön weiter, dann gehen meine Enkel womöglich irgendwann in die Schule, die ich mir für meine Kinder immer gewünscht habe.

  11. Hi Ben,

    ich finde nicht dass dein Blog eine schlechte Idee ist. Ich finde du hast schon viele Menschen inspiriert und du wirst sicherlich auch noch sehr viele inspirieren und von deiner Einstellung zum Lernen anregen können.
    Ich finde deine Einstellung einfach toll.
    Mach Weiter so

    Deine Julia 😀

  12. Ben, du sprichst mir aus der Seele. Genau diese Gedanken geistern mir auch ständig durch den Kopf. Tatsächlich bereue ich mein Pädagogik-Studium überhaupt nicht. Auf Diplom (einer der letzten Diplom-Studiengänge) zu studieren war ein absoluter Glücksgriff und brachte mir bei sämtlichen Themen die absolute Wahlfreiheit, sodass ich jede Menge nützliches Wissen abgegriffen habe. Sehr interessant fand ich, dass sämtliche „Lerntheorien“, die für mich so bahnbrechend modern klangen, schon aus den 80ern oder älter sind. Und anstatt dass wir diese – inzwischen zigmal geprüften – Theorien mal im Bildungsalltag sehen, gibt es Rückschritte: Das Bildungssystem wird komprimiert und stark strukturiert, selbstständiges Denken aus dem Programm gestrichen. Deswegen haben sich meine Profs gegen den Bachelor so lange es ging gewehrt. Weil sie wussten, dass das Bullshit ist. Und obwohl sie mitten aus der Forschung sind, obwohl sie wissen, wie Lernen wirklich funktioniert, mussten sie sich das hilflos mit ansehen. Das hat auch bei uns Studenten eine Hilflosigkeit verursacht. Das Bildungssystem ist eh nicht zu ändern. Man müsste es komplett zerstören und ein neues (oder auch gar keins?) aufbauen. Und das wäre zu kompliziert. Denn Veränderung ist schließlich anstrengend. Und anstrengend ist gaaar nicht gut.
    Dennoch bleibe ich nicht vollkommen hoffnungslos zurück. Auch wenn du oder andere vielleicht keine weltweite Uni-Verweigerungs-Bewegung auslösen können, so kannst du einzelnen Menschen helfen oder sie motivieren. Und jeder Einzelne zählt doch, oder? 😉
    Liebe Grüße
    Anna

    1. Hey Anna,

      was die Theorien und Studien angeht: Es gibt super viele Erkenntnisse, die leider kaum jemand umsetzt. Das ist super schade, liegt aber zum Teil auch an den Kräften, die in Systemen wirken.

      Nichtsdestotrotz habe ich Hoffnung und die spüre ich bei dir auch.

      Und wie du sagst: Jeder einzelne zählt.

      Lg,

      Ben

      1. Da hast du vollkommen recht. Interessant fand ich, dass wir in der Erwachsenenbildung sehr viel über diese Theorien gelernt haben, die Lehramtstudenten (ich hatte einige, ziemlich schlechte Seminare gemeinsam mit ihnen) aber NICHT! Sprich: In den Schulen wird nach veralteten Methoden unterrichtet, das die Erwachsenenpädagogen (wenn sie denn mit den Theorien vertraut sind) dann später ausbaden dürfen. 😉

        Aber immerhin haben es die Theorien nach 30 Jahren mal an die Hochschulen geschafft. Das ist ja schon mal was! 😀

        KEEP THE HOPE ALIVE! 😉

  13. Hallo Ben, huch, der Artikel hat ja einen ganz anderen Ton als sonst.
    Ich glaube, die Sache ist die: Die Menschen sind eingeschlafen. Sie fließen nicht mehr. Ihre Herzen liegen unter Decken begraben und sie leuchten nicht. Das hat eine große Kraft. Denn sie wollen nicht aufgeweckt werden (zumindest ein Teil von ihnen) und versuchen jeden mit unter die Decken zu ziehen. In diesem Zustand herrschen Gesetze von Angst und Druck und „absichern“ und solchen Sachen. Da kann es natürlich nicht so gut fließen. Deshalb brauchen wir ganz viel Wind und Erdbeben, die die Krusten aufbrechen (nein, ich beschwöre kein echtes Erdbeben herauf (; ). Mach mal schön weiter bitte (:

    1. Wie poetisch 😉

      Ich denke weniger, dass sie nicht aufgeweckt werden wollen, sondern mehr keinen Weg finden aus ihrem tiefen Schlaf. Keine Möglichkeit, keine Alternative.
      Das muss man ihnen zeigen und vorallem das Ziel darstellen. Im aktuellen bildungssystem wird ihnen gezeigt, dass wenn sie den Weg hinter sich haben, sie eine glorreiche Zukunft erwartet, soetwas muss auch die alternative zeigen.

      Viele Grüße
      Vladimir

      1. Mir wurde immer aufgeziegt, dass der übliche „Musterbildungsweg“ nicht unbedingt zu einer glorreichen Zukunft führt, sondern die einzige Möglichkeit darstellt sich und seiner potentiellen zukünftigen Familie in diesem Land seinen Teil zu sichern…wenn 80 Millionen Menschen als selbständige Blogger zu arbeiten versuchen würden, würde das ganze nicht funktionieren. Diese Welt ist kaputt und das Bildungssystem ist ein kleiner Part.

    2. Liebe Leoni,
      sehr schön hast du das ausgedrückt!! Ich bin im Moment im Referendariat am Gymnasium und erlebe täglich, wie die Menschen im System um mich herum auch ziemlich sauer werden könnne, wenn man man versucht, die Decke ein bisschen wegzuziehen.
      Ich glaube, dass sie keine Alternative sehen – und deshalb lieber versuchen, irgendwie gut durchzuschlafen…

  14. haha dieser Sarkasmus, großartig! 😀

    hör bitte nicht auf diesen Blog zu schreiben! Verdammt viele können sich damit identifizieren auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.
    Im Nachhinein verharmlost der Großteil doch alles, sei es gescheiterte Beziehungen, Übergewicht, Schule, Gesundheit usw.
    Schließlich gibt es IMMER welche, die NOCH SCHLIMMER sind. 😉

    Ich hab Matura gemacht und von dem ganzen Schulstoff weiß ich nur noch einen seehr kleinen Bruchteil, weil mich das ganze (außer paar kleine Ausnahmen) einen Scheiß intressiert hat.
    Hättest du diesen Blog nicht schon früher starten können?! ;P

    Die Welt braucht mehr Verrückte, die aus diesem System ausbrechen und tun, was richtig geil ist!

    Time to get Crazy!
    Greetz
    Joachim

  15. Ben, du suchst noch einen Vergleich zur Verschwendeten Schulzeit? Wie wär’s mit Gulag?

    Und der Name „Anti-Uni“ ist kein Supergau. Aber ich hoffe (und glaube), es wird einer — für das veraltete Bildungssystem. Jenes musst du auch nicht verändern, sondern nur deren potentielle ‚Opfer‘ retten, fernhalten. Auf deine Art (opferst du dich auch ein bisschen für sie).

    Wer kann das machen, hier in D? Keiner so richtig. Außer du. Mit diesem Blog und deinen Lesern hast du die Gesellschaft bereits schon verändert.

  16. Hey Ben, ich mag zwar auch nur einer der Leser sein, der ab und an deine Beiträge liest, aber ich denke wirklich dass du hiermit nicht aufhören solltest. Wir brauchen solche Menschen wie dich! Menschen die sich gegen das System stellen und bereit sind Neues auszuprobieren. Ich selbst bin auch nur eine Marionette im System momentan, und ich würde etwas anderes probieren wenn ich die Wahl hätte, nur mir fehlt das Selbstvertrauen ohne Ausbildung irgendetwas zu starten was sehr kleine Erfolgschancen mit sich bringt. Was ich auf langer Sicht eigentlich ausdrücken will. Deine Beiträge haben mich motiviert. es hat mir damals schon gesagt dass ich nicht der Einzige bin der mit den Bildungssystem unzufrieden ist. Bitte hör nicht auf deine Beiträge zu schreiben.

    Ich hab dich gern.

  17. Oh, dieser Sarkasmus!
    Auch wenn da schon fast ein Hauch von Verbitterung mitschwingt…

    Aber hey: Die Menschen werden umdenken, das Bildungssystem wird sich ändern. Es braucht nur alles seine Zeit. Einen derart großen Dampfer stoppt man nicht mal eben so und lenkt ihn ohne Weiteres in eine andere Richtung.

    Nur Geduld! 🙂

    (Für einen ganz kurzen Moment hätte ich es ja fast geglaubt, was du da schreibst. 😀 Werde bitte nicht zynisch und komm bloß nicht auf die Idee irgendwann wirklich einfach hinzuschmeißen!)

    Viele Grüße & weiter so 🙂

    1. Hey Anne,

      hinschmeißen werde ich denke ich erst mal nicht. Aber wer weiß.

      Geduld haben fällt mir schwer. Aber ja, ich arbeite dran. Letztens meinte ein junger US-Amerikaner, dass ich „zen“ sei. Das ist definitiv Ansichtssache – aber ich bin schon mehr „zen“ als noch vor ein oder zwei Jahren.

      Und denk dran: Nicht immer alles glauben, was Menschen so im Internet schreiben 😉

      Lg,

      Zen-Ben

  18. Hallo Ben!

    Ich bin schon länger stille Leserin deines Blogs, aber heute will ich mitreden! 🙂 Erstmal will ich sagen, dass mir dein heutiger Artikel keineswegs ängstlich vorkommt, sondern eher menschlich und mutig. Und wenn man sich die Situation in unserem Bildungssystem ansieht, kann manchmnal auch wirklich nur noch Sarkasmus helfen!

    Ich bin nicht (aber irgendwie eben auch doch) deine Zielgruppe, denn ich, höhö, könnte deine Mutter sein und habe schon vor über 15 Jahren mein Studium völlig frustriert abgebrochen. Und gerade aus diesem Blickwinkel will ich dir sagen: Dein Blog ist wichtig!

    Denn wenn ich vor zwanzig Jahren gewusst hätte, dass es auch anders geht, hätte ich nicht nur weniger Zeit in unserem Bildungssystem sinnlos verschwendet, ich hätte auch mehr Rückenwind gehabt und nicht noch zusätzlich Zeit darauf verschwendet, mich selbst damit auszubremsen, dass ich ja „nichts Richtiges gelernt habe“!

    Studienabbrecher hat es immer gegeben und wird es auch immer geben. Ein Blog wird niemanden dazu bewegen, die Uni zu verlassen, der das gar nicht will. Aber dein Blog stärkt das Selbstvertrauen derer, die ohne unser Bildungssystem lernen wollen! Und das ist verdammt wichtig, wenn wir in einer offenen, freien Gesellschaft leben wollen, in der jeder so lernen und leben kann, dass er stolz sein kann auf seine Kompetenzen, nicht auf Zertifikate (die ja oft weniger über Kompetenzen aussagen, sondern eher etwas über die Fähigkeit zum Auswendiglernen und Wiedergeben).

    Und dein Blog hat auch noch einen anderen wichtigen Effekt. Ich hoffe, dass du auch Eltern erreichst, die sich die Frage stellen: „Wenn ich doch aus eigener Erfahrung weiß, wie vergeudet meine Schul/Uni-Zeit war, wieso soll ich das dann von meinen Kindern verlangen?“ Lernen kann so spannend, kreativ und inspirierend sein, wenn man die Schüler nur lässt!

    Meine eigenen Töchter besuchen seit einigen Jahren eine Freie Schule. Da ist auch nicht alles perfekt, keine Frage. Aber ich bin froh, dass es diese Alternative gibt! Deutschland ist weltweit das einzige Land, in dem die Schulpflicht erfordert, dass der Schüler in einem als Schule ausgewiesenen Gebäude anwesend ist. Dass dieses Gesetz ein aus dem Dritten Reich übrig gebliebener staatlicher Kontrollmechanismus ist, wissen die Wenigsten. Auch, dass manche Familie, die ihre Kinder frei beschulen will, ins Ausland fliehen muss, um zu verhindern, dass die Kinder vom Jugendamt in Gewahrsam genommen werden, damit sie dem Regelschulsystem wieder zugeführt werden können, wird in den Medien nicht gerade breitgetreten.

    Wir brauchen also ganz dringend selbstbewusste Freidenker, die öffentlich sagen „Ich lern so, wie mir das passt, basta!“

    Also: Mach weiter so! 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Elisa

  19. Hey Ben,

    gute Dinge brauchen Zeit!

    Was wir vor allem ändern können, ist den nicht hinterfragten Glauben an das System. Wir können unseren Kindern (meine sind 19 und 16) aufzeigen, dass noch andere Werte zählen als das, was uns in der Schule beigebracht wird.
    Das Leben besteht nicht aus sinnlosem Mitlaufen und Konformität.
    Eigenes Denken anzuregen, darin liegt der Schlüssel.
    Schau mal hier: (etwas Geduld, die Seite öffnet sich nicht so schnell, lohnt sich aber total!)
    http://www.tollabox.de/blog/detailansicht/article/tanzen-oder-lernen/?spef=fb

    Findet euren eigenen Weg!

    Lieben Gruß un mach weiter!

    Heike M. Baghbani

  20. Lieber Ben,

    schon lange wollte ich dir meine Schul-Laufbahn schildern, kam leider nicht dazu. Ich nehme mir jetzt die Zeit, denn ich finde zu diesem Post passt es ganz gut!

    Es hieß mit sechs Jahren wäre ich zu unreif für die Schule also fing ich mit sieben Jahren an. Ich war ein Kind das von klein auf vernachlässigt wurde, da beide Eltern durchgehend Vollzeit arbeiteten. Deshalb war ich auch ein Mama-Kind. Als ich zur Schule kam, fühlte ich mich sehr unwohl und weinte die ersten Tage immer wieder im Unterricht. Irgendwann reichte es meiner strengen Lehrerin, sodass sie mich schimpfend am Arm packte und mich in die Garderobe sperrte. Die Lehrerin wurde darauf hin entlassen, doch was sie getan hatte hinterließ bei mir meine gesamte Schullaufbahn ein Trauma. Zur Grundschulzeit sind wir zweimal umgezogen. Jedes mal war ich die Neue und die Ausländerin. Aufgrund meines fehlenden Selbstvertrauens gab ich den Stärkeren der Klassen scheinbar immer wieder unbewusst Anlass mich zu mobben. Dabei wurden mir u.a. auch mal die Haare abgeschnitten. Unterstützung seitens der Lehrer bekam ich nie. Für sie war ich einfach nur einer von vielen Migrationskindern, über die man einfach Hinweg sah. Sowie in der vierten Klasse, als einfach mal alle Migrationskinder auf die Hauptschule geschickt wurden. Ganz im Gegenteil, als ich mein Heft zu Hause vergaß antwortete mir mein Geschichtslehrer mit „Aylin, mein Vater sagte dass aus mir ein guter SS-Soldat geworden wäre, ich hätte lieber den Weg wählen sollen“ und in der 5.Klasse auf der Realschule bekam ich einen Verweis weil ich 2 Minuten vor Unterrichtsschluss vorausschauend die Unterlagen für das nächste Fach bereitstellte. Daraufhin reagierte meine Klassenlehrerin mit Entsetzen und demütigte mich vor allen anderen. Mit 15 hielt ich ein Referat über den Nahost-Konflikt ab. Zuvor hatte keiner meiner Klassenkameraden jemals etwas von Palästina gehört. Meine Lehrerin reagierte nach dem Referat wie folgt: „Ach Aylin, warum willst du mit 15 die Welt verändern?“. In der 9.Klasse provozierte mein Klassenlehrer mich andauernd mit seinen Fragen zu den damaligen Mohammed-Karikaturen, so dass ich des öfteren heulend aus dem Klassenzimmer lief. Das sind nur wenige Beispiele an Erlebnissen zu meiner Schulzeit.
    Mit 16 leidete ich unter einer Identitäts-Krise, wurde depressiv und brach die Schule ab. Daraufhin reiste ich durch die Westtürkei für einige Monate. Meinen QA holte ich extern nach. Nach meiner Rückkehr machte ich -nur um meine Eltern zufrieden zu stellen- eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, welche ich um ein halbes Jahr verkürzte um Flugbegleiterin zu werden. Seither habe ich eine große berufliche Odyssee hinter mir und mache Berufe bei denen ich unterbezahlt bin, körperlich total überfordert (wurde schon zwei mal operiert) und geistig sehr unterfordert. Ich lese in meiner Freizeit Dostojewski und Tolstoi, verschlinge ein Buch nach dem anderen. Ich höre heute immer wieder, dass ich zu intelligent wäre, einfache Jobs zu machen und eigentlich studieren müsse, um etwas aus meinem Leben zu machen, aber ich habe sehr große Zweifel dass das selbst nach einem abgeschlossenem Studium bei meinen späteren Arbeitgebern nicht anerkannt wird wie bisher. Ich wurde noch nie befördert, habe nie mehr wie 1600 € netto verdient, egal wie sehr ich mich einsetzte und anstrengte und zu dem habe ich mittlerweile ein großes Problem gegenüber Autoritätspersonen. Ich bin zu klug und selbstbewusst, um einfach mit mir machen zu lassen. Es reicht!

    Mittlerweile bin ich so weit, dass ich mich von der Gesellschaft distanziere und mich bald von Deutschland abmelde und nicht mehr zurück kommen will… Ich habe mein bisheriges Leben komplett aufgegeben, meine überteuerte Wohnung aufgelöst, meinen Möbel und Kram verkauft und bin Minimalist geworden. Ich arbeite momentan Teilzeit als Barista in einer Espressobar, spare auf meine sehr sehr baldige großen Reise und freue mich endlich mein Leben selbstbestimmt und unabhängig von den Erwartungen meiner Eltern oder der Gesellschaft zu leben.

    Später mal wenn ich Kinder habe, würde ich sie am liebsten von zu Hause aus selbst unterrichten wie in den USA. Das soziale würden sie mitkriegen, wenn ich in einem Land wie der Türkei lebe, wo die Nachbars-Kinder noch immer den ganzen Tag draußen Spielen und nicht isoliert und introvertiert vor ihren Playstation´s und PC´s sitzen. Ich möchte irgendwann irgendwo das einfache Leben leben, in dem man für sein Kind da sein kann, wo man nicht gesellschaftlich verachtet wird weil man Mutter ist und in den ersten Lebensjahren seines Kindes nicht arbeiten geht. Wo das Gehalt eines Partners reicht, um sein Kind liebevoll großziehen zu können. Denn genau das ist die Grundlage für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. Ich selbst lebte als Kind ein halbes Jahr bei meinen Großeltern in der Türkei und habe die schönsten Kindheitserinnerungen an damals.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass du aufgrund vieler negativer Reaktionen dich fragst wozu du das ganze hier machst. Du machst das für uns, denen die mehr drauf haben, aber aufgrund des Bildungssystems und der Gesellschaft nie anerkannt wurden…

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg!

    Ich werde nie aufhören deinen Blog zu lesen und ihn weiterhin zu promoten 😉

    Aylin

    1. Hey Aylin,

      ich möchte dir nur mitteilen das ich deine „Vision“ für dein Kind & deine Zukunft so wunderschön finde und ich ein ganz paar kleine Tränen in den Augen hatte. Ich würde mir so sehr das gleiche für meine Kinder wünschen!!!!

      Es wäre der größte Segen den die Welt jemals bekommen könnte… wenn Mütter endlich auf ihren Nachwuchs aufpassen dürfen so lang sie wollen ohne sich um Geld sorgen zu müssen. Die Liebe die sich dadurch in unsere Welt verbreiten würde wäre so mächtig, dass es mit Sicherheit nur noch halb so viele Probleme gäbe und die andere Hälfte der Probleme würde man gemeinsam bewältigen können 🙂

      Danke ich fand dein Kommentar wirklich bewegend.

      LG
      Luisa

    2. Hey Aylin,

      danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Manchmal überlege ich ich tatsächlich auch erst einmal in eine Berghütte zu ziehen.

      Aber vorher habe ich das Gefühl, dass ich hier noch einen „Job“ zu erledigen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in Deutschland nicht alt werde. Aber was ich hier angefangen habe, mache ich jetzt fertig.

      Alles Gute dir, Aylin.

      Ben

  21. Du hast mich mit deinem konsequenten Sarkasmus in diesem Artikel das ein oder andere Mal zum Lächeln gebracht. Danke dafür 😉

    Ich denke, es fällt Menschen insgesamt immer schwer, sich Fehler einzugestehen. Sei es verschwendete Zeit oder eine falsche Entscheidung. Es ist eben leichter, Fehler bei anderen zu sehen oder die Schuld für die eigenen Fehler bei anderen zu suchen (ich weiß das, weil ich studiere das 😛 ). Und wenn man die Schuld für seine eigenen Fehler bei anderen sucht, kommen dann eben so Sätze wie „Das war doch schon immer so“. Und wenn etwas Bestand hat, muss es doch gut sein. Nicht!
    Naja jedenfalls hat Veränderung, wie du schon sagst, mit Anstrengung zu tun und Anstrengung ist…man mag es kaum glauben…anstrengend?!
    Deshalb wird es wohl immer Leute geben, die frei getreu dem Motto „Wat der Bauer nich´ kennt, dat frisst er nich´“ leben. Wichtiger ist aber die Zahl der Leute, die das nicht tun. Und diese Zahl steigerst du durch deinen Blog 😉

    1. Danke dir Doreen. Schön zu sehen, dass Sarkasmus auch in Schriftform funktioniert, wenn man die richtigen Leser hat.

      Danke auch für die Blumen. Die gebe ich gerne an euch weiter und an die Menschen, die mir über den Weg laufen und mich inspirieren.

  22. Lieber Ben,

    ich liebe diesen Sarkasmus – aber auch dass du uns das Konzept versunkener Kosten nahe bringst. Gerade in der deutschen Gesellschaft, die meiner Ansicht ohnehin in der Vergangenheit lebt, hat dieses Konzept schwerwiegende Implikationen.

    Noch etwas kontroverser, aber doch vielleicht mit einem Körnchen Wahrheit, könnte man auch von einem Stockholm-Syndrom sprechen, sprich dass die Geiseln sich mit ihren Kidnapper anfreunden. Diese Analogie ist vielleicht etwas krasser, aber nach 13 Jahren „Geiselnahme“ unschuldiger Kinder durchaus anwendbar.

    Übrigens kannst Du das Konzept Versunkener Kosten auch auf deinen Blog anwenden – dann musst du dich auch nicht mehr „dämlich“ fühlen. Dein Blog ist nämlich da für immer (sofern du ihn nicht löschst oder die Serverkosten nicht tragen kannst, die sich wohl selbst tragen). Und deine Idee wird immer mehr Leute inspirieren.

    Noch sind es vielleicht 0,1% deutscher Schüler, die auf deinem Blog stoßen. Bald sind es schon 1%, irgenwann 10% und dann sehr viel mehr. Wir können das Bildungssystem ändern – aber dafür müssen wir in kleinsten Schritten anfangen, die sich exponentiell entwickeln werden. Du kannst stolz sein als einer der Ersten den Stein dazu ins Rollen gebracht zu haben.

    Die Bedingungen sind ja auch andere als damals. Unsere Generation ist mit dem Internet aufgewachsen, aber noch längst nicht mit den Möglichkeiten und Informationen von heute (oder negativ vielleicht auch den Ablenkungen). Ich kann mir gut vorstellen, dass dein Blog heute schon das Leben vieler unter 14-Jähriger positiv beeinflussen kann. Wenn die dann erst einmal zu bloggen anfangen wird sich ein schöner Kreislauf entwickeln!

    Aufhalten kann das niemand. Insofern mach weiter so und lass Dich nicht entmutigen – ich weiß du meinst es sarkastisch, aber es hört sich schon leicht verbittert an! 🙂

    1. Hey Christoph,

      0,1 % der deutschen Schüler wäre schon super. 1 % wäre der Shit. 10 % – WOW!

      Ich denke was wir vor allem brauchen ist Zeit. Geduld. Kraft und Ausdauer.

      Bin ich verbittert? Vielleicht ein bisschen. Aber das gehört vielleicht zum Leben dazu.

      Eure Kommentare machen mir auf jeden Fall Mut!

  23. Hey Ben, immerhin bist Du schon gut 10 Jahre früher dran, zumindest ungefähr zu wissen, was Du machen willst! 😉
    Bleib weiter dran und mach Dein Ding, ich find’s klasse!!!

    P.S. Ich war damals bei Stephans Vision Camp schon beeindruckt, wie weit Du für Dein Alter warst und von dem, was ich so mitbekomme, bestätigt sich das immer wieder auf’s neue.

    Beste Grüße
    Timur

  24. Na ??? haben wir etwa Druck von der Bildungslobby bekommen? Finde Deine Ideen hinsichtlich freier Bildung gut und handle auch selber schon immer so. Immer dazu lernen, keinen Stillstand.
    Gruß Frank

  25. Hey Ben!

    Natürlich kannst du nicht von einem Tag auf den nächsten das Bildungssystem verändern, schon gar nicht alleine. Aber du kannst die Leute zum Nachdenken bewegen über sich, ihr Leben und auch über Bildung – und ich finde das kannst du ganz schön gut! Und die Veränderung fängt ja immer zuerst in den Köpfen Menschen an. Und dann hast du irgendwann die Masse, die hinter dir und deinen Ideen steht und tatsächlich Veränderungen bewirken kann.
    Seitdem ich regelmäßig bei Anti-Uni vorbeischaue, hat sich in meinen Denkweisen jedenfalls schon so einiges getan.
    Dein Blog ist absolut nicht bescheuert, sondern mutig und ehrlich!

    Viele Grüße
    Christin

  26. Hi Ben,

    also:

    1. Guter Artikel, ich habe einige Male gelacht. Spät Nachts schreiben bringt interessante Dinge hervor

    2. Anti-Uni ist: Ein Weg. In die richtige Richtung.

    3. Was wir brauchen: Geduld

    4. Was wir haben: die Erkenntnis, dass sich irgendetwas ändern muss, genug Menschen, die genauso denken wie du, die dich unterstützen, am gleichen Strang ziehen

    5. Diese Liste ist nun zu Ende

    Was ich sagen will, es ist gut, dass es diese Seite gibt und dass du sie mit Leben und deinen Gedanken füllst.
    Alles fängt immer irgendwie, irgendwo an. Schritt für Schritt und manchmal kommt es einem so vor, als würde sich nichts tun und als würden unsere Ziele unerreichbar scheinen. (habe darüber auch in einem meiner Artikel geschrieben: http://www.offbeat-life.de/die-angst-zu-versagen/ )

    Aber dann sind unter diesem und unter vielen anderen deiner Artikel so viele ermutigende Kommentare. Es bahnt sich ein Hoffnungsschimmer an, dass diese Menschen es weitertragen und andere mit ins Boot holen und sei es die nächste Generation. Das ist doch was, oder?
    Lass dich nicht entmutigen Ben. Du machst hier n kracher Job und so lange dein Herz dafür brennt, mach weiter so!

    Cheers, Sabrina

  27. Lieber Ben,

    vielen Dank erst einmal für die vielen Zeilen hier auf deinem Blog. Ein dankeschön meinerseits steht schon lange aus.

    Es ist einfach nur toll was du hier machst. Dieser Blog mit diesem Thema wird in Zukunft wahrscheinlich noch viel mehr Leser finden, als du es dir vorstellen kannst. Vorallem da viele immer mehr merken, dass mit unserer Bildung so wie sie uns verkauft wird, es auf dauer nicht mehr weitergehen kann. Ob sich an diesem System in naher Zukunft wirklich noch etwas grundlegendes ändern wird ist fraglich. Ob ich es noch erleben werde – vielleicht aber unsere Kinder – wer weiß. Deshalb ist es wichtig das wir selbst aktiv werden und andere Möglichkeiten entwickeln und testen um uns selbst zu bilden mit Dingen, die uns wirklich weiterbringen.

    Ich persönlich würde das was du gemacht hast – die Uni schmeißen und mein eigenes Ding durchziehen – am liebsten von heute auf morgen machen und alles stehen und liegen lassen. Mich selber finden. Jedoch befinde ich mich momentan in einer Situation, in der ich es einfach nicht kann. Ich bin 28, mega unglücklich in meinem Studium (BWL), alleinerziehend mit einer 6-jährigen Tochter die letztes Jahr eingeschult wurde. Letztes Jahr ist erst meine Mutter, dann mein Vater verstorben. Ich wohne in einer der teuersten Städte Deutschlands und möchte auf keinen Fall mehr zurück in die normale Arbeitswelt (9to5). Ich kämpfe jeden Tag, mit mir selbst und vielen anderen Sachen. Aber ich geb nicht auf. Woran es mir fehlt ist Zeit, die hab ich nicht. Durch Studium, Nebenjob und Kind bin ich bereits voll ausgelastet. Das Ableben meiner Eltern mit allem was damit verbunden ist bringt mich an meine Grenzen. Wie soll ich mich da selbstverwirklichen?

    Ich geb nicht auf Ben. Ich werde versuchen es zumindest bei meiner Tochter anderst zu machen, wenn mir schon die Chance verwehrt bleibt. Ich möchte ihr die Chance geben sich selbst zu finden und das zu lernen, was sie weiter bringt. Leute wie du und Seiten wie deine werden uns helfen etwas anderst zu machen, da bin ich mir sicher.

    Danke

    Maike

    1. Hey Maike,

      da weiß ich gar nicht wirklich, was ich schreiben soll…

      Danke dir für deine Worte.

      Was deine Situation angeht erinnere ich mich an ein Zitat von Thomas Edison:

      „Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“ – Thomas Edison

      Alles Liebe dir,

      Ben

  28. Hey Ben,

    ich schreibe heute das erste Mal einen Kommentar zu deinem Blog.
    Ich finde deinen Blog echt genial. Ich hatte zuvor selten von jemanden gehört, der wirklich einen anderen Weg geht. Nach und nach hat er mich auch wieder dazu gebracht, mich selbst zu reflektieren, darüber wo ich stehe und dort wo ich eigentlich hingehen möchte.
    Dein Blog hat mich bisweilen wieder dazu bewegt meinen Gedanken und meinen Vorstellungen freien Lauf zu lassen und wieder ein Körnchen mehr von dem zu werden, was ich einst mal war. Wenn ich auf meine Schulzeit zurück blicke, dann bin ich eigentlich echt froh sie hinter mir zu haben, denn bis auf die Grundschule, war das Meiste was danach kam teilweise echt die Hölle. Ich habe beispielsweise Angst davor bekommen vor anderen Leuten zu reden, weil ich damals u.a einen Sprachfehler besaß und ich deswegen gemobbt wurden bin und mich auch seitens der Lehrer niemand in den Schutz genommen hat. Was ich damals gelernt habe, habe ich nicht in der Schule gelernt, sondern durch ihre Auswirkungen auf mich selbst. Ich bin zu einem relativ stillen, in sich gekehrten Menschen geworden, der viel über alles nachdenkt. Ich beschäftige mich gerne damit, wie man am besten mit anderen Menschen umgeht, dass sie glücklich sind, weil ich eben genau aus eigener Erfahrung weiß, was es heißt das nicht zu sein. Genau aus dieser Erfahrung heraus habe ich aber auch erkannt, dass ich mich nicht verdrehen oder verbiegen möchte für etwas, das Andere von einem erwarten. Denn man wird nie alle damit zufrieden stellen, mit der Person, die man nun mal ist. Das ist nur eine Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich schätze zwei weitere sind noch relativ markant für mich. Ich hoffe mein Kommentar wird damit nicht zu lang :). In der 11. Klasse hatte ich einen Lehrer, der bevor er Lehrer wurde erstmal 20 Jahre durch Asien gereist ist und ich kann dir nur sagen dieser Lehrer trug so viel Wissen in sich, wie ich es einfach noch bei keinem Menschen erlebt habe. Er konnte einem so viel erzählen, was interessant war, das man sonst nicht in der Schule gelernt hätte. Er hat sich angeschaut, so hatte er es uns das mal erzählt, wie in anderen Ländern unterrichtet wird und eben dieses Wissen hat er in seinen Unterricht mit rein gebracht.
    Er hat sich mit den Schülern auseinander gesetzt, weil es ihm wichtig war, dass sie nicht nur den Stoff des Unterrichts lernen, sondern dass sie wahr nehmen, dass es viele Wege im Leben gibt und dass es so viel zu lernen gibt auf dieser Welt, was keine Institution fassen kann. Das hat er nicht auf irgendeiner Universität gelernt, sondern von dem, was er erlebt hat. Das Dritte, das für mich als Erfahrung bedeutend ist, ist wie ich meine Freizeit als Kind verbracht habe. Ich war eigentlich immer draußen und zum Glück hat es mir unser damaliger Wohnort auch ermöglicht eigentlich immer draußen im Feld zu sein, mit Freunden, Fahrrädern etc. Ich bin meistens als Kind schlamm verdreckt nach Hause gekommen, aber wenn ich auf diese Zeit zurück blicke, dann bedeutet das für mich pure Freiheit. Ich habe dabei so viel entdeckt, gesehen und gelernt über die Natur, das mir keine Schule dieser Erde mit ihrem Lernplan wahrscheinlich hätte beibringen können. Was ich damit sagen möchte ist, das Meiste was mich heute zu der Person macht, die ich bin, habe ich aus Erfahrungen gelernt, die ich selbst gemacht habe, die andere aus eigenen Erfahrungen gelernt haben und mir als Inspiration mit auf den Weg gegeben haben oder eben aus Dingen, die ich gerne anders machen wollte, weil sie mich selbst so geschmerzt haben. Das Ganze lernt man nicht von dem einen Tag auf den anderen, so wie man auch nicht von einen auf den anderen ein ganzes System ändert. Vielleicht mag es für einige das richtige System sein, für viele Andere ist dies aber nicht der Fall und für diese ist es genau richtig, wenn es Leute gibt, wie dich z.B die einen alternativen Weg gehen oder ihn suchen. Letzten Endes gehen wir denke ich alle ein große, breite Straße in unserem Leben entlang, aber es gibt viele unterschiedliche Wege auf ihr, wie man sie gehen kann. Ich hoffe deine Inspirationen und deine Ideen bleiben uns auch weiterhin erhalten.

    Viele Grüße,
    Tatjana

  29. Hi Ben,

    ich würde nicht unbedingt sagen, dass wir das ganze Bildungssystem revolutionieren müssen. Aber, meiner Meinung nach ist unsere Generation einfach anders und alleine schon, dass durch Projekte und Blogs wie Anti-Uni jungen Menschen die Augen geöffnet wird finde ich Klasse. Denn dies ist der erste Schritt und damit bringst du den Stein ins Rollen. Was danach kommt weiß aktuell noch niemand, aber es wird aufjedenfall die Menschen um das Bildungssystem herum verändern!

    Schöne Grüße
    Michael

  30. Wow, ganz schön schnell sehr viele Kommentare – Respekt!

    Ich sage meinen Klienten (auch Schülern) gerne, dass ich vor 20 Jahren schon G8 erfunden habe – ja, nach der 12. Klasse habe ich Schluss gemacht mit der Schule und eine solide Ausbildung zum Banker gemacht. Gleichzeitig hatte ich damit auch die Fachhochschulreife in der Hand – aber nie wirklich gebraucht. Immerhin war meine Ausbildung ein halbes Jahr kürzer und ich konnte schneller mehr Geld verdienen.

    Mittlerweile bin ich Ex-Banker und gehe dem nach, wofür ich wirklich (ein)stehe und was mir richtig Freude macht. Nie habe ich meine Entscheidung von damals bereut.

    Bronnie Ware sagt in ihrem Buch, dass am Sterbebett vielmehr die Dinge bereut werden, die man nicht getan hat.

    Also lasst uns zu Lebzeiten UNSER Leben leben, wie wir es wollen, unsere Möglichkeiten (selbst) schaffen und ausleben, was in uns steckt.

    (Dein neues Sidebar-Widget macht sich übrigens gut auf Deiner Seite, Ben 😉

  31. Lieber Ben,

    ich freue mich jedesmal über Deine Artikel.
    Ich freue mich jedesmal, wenn ich sehe, da geht doch was, da draußen.
    Ich freu mich jedesmal, dass sich viele junge Leute Gedanken darüber machen, dass da für sie was nicht stimmt, oder, dass da mehr ist.
    Und ich freue mich, dass da so viel Humor dahinter steckt, keinerlei Verbissenheit zu spüren ist.

    Mir verschafft das Frieden. Ein megabreites Grinsen.

    Name it as you want.

    Als ich 2000 die Schule verlies, kurz vor dem Abi somit ohne und mit vielen Fragezeichen im Kopf, da war da niemand, der so dachte.
    Zumindest kannte ich keinen.

    Über meine Entscheidung hatte damals jeder den Kopf geschüttelt.
    Die, die nichts zu Ende bringt. Die, die´s nicht geschafft hat.
    Der Weg war steinig.
    Einsam manchmal.
    Aber meiner. Punkt. Das ist der Rückblick.
    Mitten im Prozess, da habe ich immer wieder mit mir gehadert.
    Unterlagen angefordert.
    Doch das Abi nachmachen?
    Doch noch studieren?

    Ich meine, mangelnde Intelligenz was not the real problem.

    Durststrecken halt.
    Da sieht man dann die Fatamorgana überall.

    Naja. Die Zeiten ändern sich 🙂

    Als ich dann mit 30 oder so die Ersten wiedertraf, mitten in Ihrer Systemcrisis und nach dem fünften Studiumswechsel und zuweilen mit der Erkenntnis im Gepäck:

    „Mann, ich habe die letzten Jahre damit verbracht, dass ich das tue, was meine Eltern von mir wollten…und jetzt weiß ich nicht, wohin ich gehöre.“ Da hatte ich das erste Haus gebaut, 3 Kinder geboren, hatte einen Job, stand kur vor der Gründung meiner Beratungspraxis und hatte vieles von der Welt gesehen.
    Gearbeitet.
    Erfahren.
    Gelernt.
    Gelebt.

    Innen, außen.

    So halte ichs immer noch. Das bekommt mir gut. Ist halt mein Style.
    Und macht mein Leben für mich weich.
    An manchen Tagen anstrengend.
    Aber das hat Leben so an sich.

    Andere mögen vielleicht lieber in die Schule und an die Uni gehen.
    Mögen lieber so lernen. Ich hab da nix dagegen.
    Meins wars halt nie.

    Heute 15 Jahre später kann ich nur sagen.
    Hat sich alles gelohnt.
    Hat sich alles ausgezahlt.
    Jeder Schritt wars wert gegangen worden zu sein.

    Und die Zeit, die hat vieles, vieles relativiert.

    Somit.
    Stay tuned.

    Liebe Grüße
    Regina

  32. „Man könne darüber streiten, ob 1 % oder sogar 5 % des gelernten Stoffes bei Erwachsenen hängen bleibt, sagt der Psychologe Thomas Städtler. Wenn maneinzelne Schlagwörter und lose Wissensfetzen als Wissen zählt, den könne man von (ich zitiere) “5 Prozent verbleibenden Stoffes ausgehen.” ¹“

    „Und ja, fast alle Kinder gehen nach wie vor in eine normale Schule. Alternative Schulen erleben Zulauf. Auch das ist aus meiner Sicht erfreulich.

    Dennoch halten wir am Schulkonzept fest.“

    Ein bisschen unfair ist dieses Urteil.
    Ich studiere Lehramt und bekomme mit, dass die Pädagogik durchaus fortschrittswillig ist. Die meisten Dozent*innen meiner Pädagogik-/Didaktik-Seminare ermuntern uns Student*innen vehement dazu, uns am Umschwung des Bildungssystems zu beteiligen, das alte System und die traditionellen Vorgehensweisen zu hinterfragen und für alternativen Unterricht, explizit auch alternative Schulformen!, offen zu sein.
    Vielleicht habe ich da mit meinen Dozent*innen Glück gehabt, vielleicht ist es in anderen Bundesländern anders als in Berlin, aber ich kann eine Veränderung/ein Umdenken live miterleben und bin sehr froh darüber!

    Ich selbst bin ein totaler Freigeist und bin selbst mit vielem, was in der Schule passiert (ist) und an den Unis passiert super unzufrieden. Mir wäre ein schlagartiges Umkrempeln des Bildungssystems a la Revolution auch überaus lieb, doch befürchte ich da auch die Gefahren, die Revolutionen so mit sich bringen, etwa ein vorschneller Umschwung in eine Richtung, die sich erst nach einiger Zeit als (teilweise) kontraproduktiv herausstellt.
    Trotz megamäßiger Ungeduld, Misanthropie und Pessimismus meinerseits bin ich also sehr zufrieden mit der derzeitigen Entwicklung.

    Mein (etwas naiver) Wunschtraum ist übrigens, das System von innen heraus umzukrempeln. Ich werde (wenn die Uni gnädig zu mir ist) Deutsch- und Lateinlehrerin und werde deswegen wahrscheinlich am Gymnasium und evtl. sogar an super traditionellen/spießigen altsprachlichen Gymnasien eingesetzt werden. Ich lache innerlich, wenn ich daran denke, wie sehr ich den Schüler*innen hoffentlich einen super angenehmen, unkonventionellen, zum Nachdenken anregenden Unterricht bieten werden kann.

    Es gibt übrigens eine tolle Studie, die feststellt, dass jede Methodik und Schulform etc. irrelevant ist und alles mit der Lehrperson steht und fällt.

    Hier der Link:
    http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning

    Insofern wären vlt. psychologische EInstellungstest oder ähnliches eine Idee für angehende Lehrer*innen. Wobei man mit sowas auch echt vorsichtig sein müsste. Da können auch ganz schnell „die Falschen“ ausgesiebt werden. Z. B. wüsst ich nicht, ob ich durchkommen würde, da ich so meine seelischen Probleme habe.. 😉 Und das fände ich schade, da ich hier mal ganz selbstbewusst sagen muss: Ich wäre in der Schule wirklich eine Bereicherung für die Schüler*innen.

    1. Hey Amira,

      dass der Erfolg von Lernen mit der Lehrperson steht und fällt mach vollkommen Sinn. Auch das ist aber nichts wirklich Neues.

      Wenn ich zurückschaue hatte ich ein bis zwei Lehrer, die wirklich für das gebrannt haben, was sie unterrichtet haben. In den Fächern habe ich wirklich was mitgenommen (auch für’s Leben).

      Viele der anderen Lehrer waren leider ziemliche „Totalausfälle“.

  33. Lieber Ben,
    danke; das ist für mich der beste Artikel, den Du je veröffentlicht hast.
    Anfangs wegen meiner Kinder beschäftige ich mich schon lange mit freier Bildung und dem Schulsystem. Der Gegenwind, den wir erfuhren, seit wir offen mit Unschooling sympathisieren und unsere Tochter eine freie Schule besucht, ist unglaublich und ich hätte zuvor niemals damit gerechnet. Ich habe mich auch gefragt, woran das liegt. Warum da „Freunde“ sagen: „wir fühlen uns angegriffen davon, daß Ihr alles anders macht“. Warum fast jeder – ob Eltern, ob Kinder – über Schule und deren Auswirkungen klagen oder jammern, aber doch fast niemand das System an sich in Frage stellt. Ich kam auf genau die Gründe, die Du auch benennst – muß wohl was dran sein, da ja somit generationsübergreifend 😉 Hinzu kommt, daß sich diese Dinge – wie den Gedanken, es ginge nicht ohne Schule – ja als Glaubenssätze über Jahre und Jahrzehnte ständiger Vermittlung recht fest eingebrannt haben, das wird man nicht so schnell los. Und man KANN anders lernen – Kinder können es bevor sie zur Schule gehen (und teilweise schon in den Kindergarten, „Bildungsplan“ sei Dank), und manche erarbeiten es sich nach der (Regel-)Schule wieder. Von manchen wurden wir aber auch gefragt, was unsere Tochter denn während unserer halbjährigen Europareise im Wohnmobil lernen soll…von allem anderen wie Menschen kennenlernen, Sprachen, Soft Skills mal abgesehen, konnte kaum einer glauben, daß sie sich teilweise am Strand hat Blätter geben lassen, um zu rechnen (das ist ihr Ding) 😉 Wenn wir den Menschen den Spaß daran nicht austreiben, lernen sie gern. Ich bin mal vorsichtig optimistisch, daß die olle Schulpflicht doch noch demnächst zu einer Bildungspflicht umgewandelt wird. „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Zur Information, wie Lernen funktioniert, möchte ich mit meinem Blog beitragen, da liest man ja selbst hier in 1,2 Kommentaren sowas wie das die Schule notwendig sei, damit zumindest Kinder Wissen erlangen.

    1. Wie heißt der Blog denn? Ich finde das sehr interessant – und eine Bildungspflicht statt einer Schulpflicht fände ich auch super und sehr sinnvoll.

  34. Lieber Ben,
    mit diesem Eintrag triffst du genau mein Thema.
    Ich denke, da unsere Generation (ich zähle mich mal mit meinen 30 Jahren dazu) die nächste Elterngeneration ist, liegt es an uns wo wir unsere Kinder hin schicken. Ich finde es super, dass du den Anti-Uni-Blog machst. Dadurch kommen vielleicht alte Glaubenssätze ins wanken, was die eigene Bildung betrifft. So können die Eltern von morgen auch für ihre zukünftigen Kinder umdenken.

    Ich denke all unsere Erfahrungen sind für irgendetwas gut. Auch, wenn sie nicht ideal waren. Du z.B. setzt doch deinen Frust über das Bildungssystem in Energie um, um etwas zu bewegen. Und wenn wir genug Anhänger finden, können wir das Bildungssystem ändern. Vielleicht zuerst im Kleinen. Aber so finden Ideen ihren Weg in die Gesellschaft, oder? Ich bin dabei!

    Liebe Grüße,
    Sonja

    1. Hey Sonja,

      danke für deinen Kommentar. Die alten Glaubenssätze aufzulösen ist echt harte Arbeit und auch manchmal echt schmerzhaft, wenn du (oder ich) auf starke Widerstände stößt (einfach dadurch, dass bestimmte Glaubenssätze teilweise schon zur Identität eines Menschen geworden sind).

      Freut mich, dass du dabei bist! Veränderung ist sexy 😉

      Lg, Ben

  35. Das unser Schulsystem Änderungbedarf hat, da dürften viele zustimmen. Jedoch halte die Aussage „Jetzt zu sagen wir hätten 9, 10, 12 oder gar 13 Jahre unseres Lebens besser nutzen können – das schmerzt.“ nicht für nur überspitzt sondern vollkommen an der Realität vorbei. Warum? Lesen, Rechnen und Schreiben lernen wir in der Grundschule. Das sind ziemlich elementare Skills ohne die es nicht geht. Diese Zeit (4 Jahre) fällt für mich komplett aus der Rechnung heraus. Ich hatte sogar schon in Ansätzen Englischunterricht. In Kunst/Werken wurden grundlegende handwerkliche Fähigkeiten vermittelt.

    Gehen wir weiter zur nächste Stufe: Gymnasium/Hauptschule whatever. Ich war auf dem Gymnasium. Man kann sich an der Stelle streiten, ob weitere Bildung nötig ist aber falls nicht, würde ich die Grundschule um zwei Jahre erweitern weil die ersten Jahre an der nächsten Schulstufe jetzt nicht so großartig anders waren. Man bekommt z.B. immer noch Rechtschreibung und Grammatik in Deutsch vermittelt. Allerdings kann man schon sagen: ab hier jedem wie es beliebt. Jedoch muss ich sagen, dass das die verbrachte Zeit in den neu hinzukommenden Fächern keinesfalls vergeudet ist. Man bekommt einen „Crash-Kurs“ (Spitze des Eisbergs) in wichtigen Wissensbereichen der modernen Gesellschaft. Ich hatte allerdings z.B. auch den günstigen Umstand gute Lehrer gehabt zu haben. Das hat mich davor bewahrt ein Fachidiot zu werden. In letzter Zeit beschäftige ich mich neuerdings mit Survival und auf einmal wird mein Biologiewissen gefordert: Bestimmung von Pflanzen, Anatomie von Tieren usw. – ganz Abseits meiner sonst technischen Ausrichtung im Beruf. Ich bin echt froh bei meinem neuen Hobby nicht bei 0 anfangen zu müssen. Kurz: Über den Daumen gepeilt würde noch einmal 4-6 Jahre abziehen (je nach Situation des Einzelnen). Was bleibt übrig ist nicht mehr so dramatisch. Das lehrt einen sich auch mit Sachen auseinanderzusetzen, auch wenn man nicht will (-> Durchhaltevermögen).

    Dann noch eine Sache: deine Kernaussage, es muss Alternativen geben, ist absolut berechtigt und das ist vor allem Einsatz der Eltern gefragt. Es wäre meiner Meinung nach notwendig den Kindern viel Hilfe angedeihen zu lassen, was die Interessen betrifft z.B. indem immer mal wieder Impulse gibt oder Möglichkeiten aufzeigt. Es gibt heutzutage eine schier unüberblickbare Zahl an Möglichkeiten. Da ist Orientierungshilfe gefragt.

    Wie konkrete praktische Alternativen für Eltern zum Schulkonzept aussehen ist dann in der tat die Frage! In der heutigen Welt herrscht Arbeitsteilung. Ohne die wäre die Menschheit heute nicht wo sie ist. So stelle ich es mir unmöglich vor neben meinem Job (den ich sehr mag) z.B. ein Kind in Eigenregie auszubilden. Die Alternative ist: das macht jemand anders für mich. Da sind wir, hin- wie her, bei einer wie auch immer gearteten Form von Schule. Insofern vestehe ich deine Kritik Ben, als Kritik an dem konkret vorhandenen Schulkonzept vieler Länder und nicht als Kritik am Konzept der Schule an sich oder liege ich da falsch? Was wäre, wenn die Lehrer der Schule Weltreisen mit den Kindern kleinen Gruppen machen…? So übertrieben dargestellt.

  36. Moin Ben,

    klasse Zusammenfassung, warum viel an unserem Bildungssystem Zeitverschwendung ist und treffende Analyse, warum sich trotzdem nichts ändert.

    Zwecks Ursachenforschung würd ich gern noch ne Stufe tiefer gehen. Auch hier erweist sich Dein Gastbeitrag über „finite and infinite games“ als sehr nützlich: Uns wird von Lehrern, Eltern und Mitschülern schon von früh an das Inifinite Game „mit großen Augen mehr über die Welt lernen“ durch eine Vielzahl von Finite Games ersetzt (Schulaufgabe A schreiben, Prüfung B ablegen, für Test C lernen, die Zeugnisnote verbessern, etc. pp.).
    http://anti-uni.com/wie-du-ablenkungen-hinter-dir-laesst-und-aus-deinem-leben-ein-infinite-game-machst/

    Diejenigen, die das irgendwann merken, gegensteuern und sich tatsächlich interessieren, nennt man dann meistens „Nerds“. Man kann ja eher von Glück als vom Regelfall reden, wenn man in der Schule von Jazz oder Klassik begeistert wird, die Freiheit verspürt, ein Interesse für Chemie zu entwickeln oder trotz der gelangweilten Monologe des Geschichte-Lehrers eine Faszination für die Entstehungsgeschichte Europas zu entwickeln.

    Ich hab mal hier versucht zu überlegen, wie ich mir einen Lebenlauf in der Zukunft vorstellen würde, wo das hoffentlich nicht mehr so ist:
    http://g20k.de/neugier-lebenslauf-aus-der-zukunft

    Bin gespannt, was du davon hältst.

    Apropos – nach der Schule/Uni geht das dann ja weiter. Der E-Gitarrist verbringt viel Zeit in der Volksmusik-Band, um sein Auskommen zu verdienen und freut sich, dass er dann auch noch ein paar Stunden in seine experimentelle Latin-Funk-Band stecken kann.
    Und ein Web-Programmierer wie ich sorgt sich darum, dass die Newsletter-Anmeldungen funktionieren, um dann noch ein paar Stunden an den Abenden dafür zu widmen, zu überlegen, wie eigentlich alles auch noch ganz anders sein könnte…

    Viele Grüße,
    Andi

  37. Meiner Erfahrung nach geht – zumindest heutzutage – das Bildungssystem leider am Arbeitsmarkt bzw. dessen Anforderungen an einenBerufsanfänger vorbei.
    Begründung:
    Ich selbst bin seit 30 Jahren als Textilchemieingenieur tätig.
    Meine Ausbildung damals (G8 Abitur, Studium an FH) möchte ich als perfekt vorbereitend für meinen damaligen Berufsstart bezeichnen. Es wurde ausgewogen und sehr in der Breite theoretisches und praktisches Wissen, nie zu oberflächlich, nie zu tiefgehend, vemittelt.

    Heutzutage und das bekomme ich in meiner Branche mit, weiss ein akademischer Berufsanfänger in der Textilindustrie durchaus, wie man zB. die Schrödingergleichung löst oder mit nabla-Operatoren mathematisch Vektorfelder dreht, er hat also ein profundes, durchaus beeindruckendes Wissen in höherer Analysis, theoretischer Chemie und Physik, nur wie er Textil schreibt, die einfachsten Grundlagen, vor allem das Praktische für das Textilfach kennt er kaum…
    Das kann es doch nicht sein.
    eigentlich sollte sich das Bildungssystem seit meiner Zeit doch stetig verbessert haben aber es scheint (G8, Bolognareform) sich permanent verschlechtert und von der Realität entfernt zu haben.
    Da führt leider heutzutage dazu, dass ein 60 jähriger Ingenieur mit solidem, vor allem auch praktischem Wissen bei der Einstellung einem jungen Hochschulabgänger jederzeit vorgezogen wird.
    Zumindest in meiner Branche ist das so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *