Selbststudium: Wie ich autodidaktisch mehr lerne, als an jeder Uni

meine Bildung in 3 Säulen

„If you want to get laid, go to college. If you want an education, go to the library.“ (Frank Zappa)

Die zwei häufigsten Fragen, die ich gestellt bekomme sind:

1) Wie verdienst du eigentlich dein Geld?

Dazu habe ich hier geschrieben.

2) Wie lernst du eigentlich und was lernst du?

Genau darum geht´s in diesem Beitrag. Mach‘ dir einen grünen Tee. Lehn dich zurück – und los geht’s!

Ich habe diesen Anti-Uni-Weg vor allem gewählt, weil ich freier lernen wollte, weil ich relevante Dinge lernen wollte und weil ich lernen wollte, mein eigenes Business auf die Beine zu stellen.

Nachdem ich an der Uni vor allem leeres Blabla zum Thema Entrepreneurship gefunden hatte und in den Vorlesungen nach maximal 20 Minuten eingeschlafen bin, dachte ich:

“Na dann setze ich jetzt eben alles auf eine Karte und stelle mir meine Bildung selbst zusammen.“

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Ich dachte mir, dass ich vielleicht wirklich am meisten lernen würde, wenn ich einfach machen würde. Also einfach *bäm* anfangen würde mit dem was ich machen will.

Angefangen hat alles mit einem Praktikum beim IdeaCamp. Mit Basti und Kalle beschäftigte ich mich einige Tage zunächst intensiv mit meinen Interessen, Stärken, Talenten und Themen, die mich faszinieren. Dann fing ich an zu bloggen und testete meine ersten Geschäftsideen.

[Verwandter Artikel: Wie du dich für´s Lernen bezahlen lassen kannst]

Das zur Vorgeschichte – hier ist wie ich meine Bildung in 3 Säulen organisiert habe:

Noch eine kleine aber wichtige Sache: Das ist natürlich mein ganz individuelles Modell und ich möchte mir auf keinen Fall anmaßen, dass es DAS Modell ist, um im 21. Jahrhundert zu lernen. Für mich funktioniert es bisher ganz gut – und vielleicht ist auch für dich etwas dabei.

Meine Bildung in 3 Säulen

1. Machen

Diese Säule ist mit Abstand die wichtigste für mich.

Eines der Dinge, die mich mit am meisten “gewurmt” haben an den Studiengängen, die ich mir angeschaut habe war die fehlende Praxis. Es ging also erst einmal nur um Theorie, Theorie, Theorie.

Ich finde es durchaus wichtig gewisse Dinge abstrakt zu beherrschen und Zusammenhänge zu verstehen. Daher lese ich sehr viel. (Hier eine kleine Auswahl.)

Ich versuche mich mit Menschen zu umgeben, die schlauer sind als ich und die mich intellektuell herausfordern können. Funktioniert nicht immer diese Menschen zu finden – wenn du es dir zutraust, schreib mir!

Viel wichtiger aber ist mir Dinge “learning by doing” zu lernen und mich auszuprobieren. Denn nur durch selbst gemachte Erfahrung festigt sich wirklich das Wissen, das ich habe.

Ich lerne problemorientiert. D.h. ich mache, mache, mache – so lange bis ich an einen Punkt komme an dem ich nicht mehr weiter weiß. Dann schiebe ich das Problem einige Wochen vor mir her, bis ich so frustriert bin, dass ich es entweder einfach mache oder mir Hilfe hole.

Bisher habe ich mich in folgenden Projekten ausprobiert:

  • Zuerst wollte ich eine Meta-Such-Maschine für Reise-Deals-Seiten bauen. Klingt kompliziert. Ist auch so. Funktioniert vielleicht – mir hat am Ende die Begeisterung für die Idee  gefehlt. Also eingestellt.
  • Weil ich unbedingt mal einen eigenen Workshop konzipieren wollte, habe ich mit „ChallengeYourself“ einen Workshop ins Leben gerufen, der Menschen hilft ihre Komfortzone zu erweitern und ihre Ziele zu erreichen. Eine sehr coole Erfahrung und ein enorm wichtiges Thema, das mich auch weiterhin begleiten wird. Denn: Echte persönliche Weiterentwicklung passiert nur außerhalb der Komfortzone.

Ich war immer mehr der Denker als der Macher.

Anzufangen Dinge zu tun war für mich wirklich ein großer Schritt.

So habe ich gelernt, was ich gut kann und was ich nicht so gut kann.

Ich habe auch gelernt, welche Dinge mir Spaß machen und welche nicht. Denn: Niemand kann dir vorher sagen, was dir Spaß machen wird und was nicht. Wenn du etwas ausprobieren willst, dann solltest du das tun. Und zwar JETZT.

In den letzten 16 Monaten habe ich meine Komfortzone so oft verlassen, wie noch nie in meinem Leben zuvor.

Ich habe so schnell gelernt wie noch nie in meinem Leben zuvor. Ich bin so oft auf die Fresse geflogen, wie noch nie in meinem Leben zuvor (und ganz ehrlich, das ist das Beste was dir und mir passieren kann. Denn: Lieber jetzt als später, oder?)

Ich habe noch nie so viele Dinge gelernt, die mich nicht nur interessieren, sondern die ich auch direkt in einen Zusammenhang bringen und anwenden konnte – was sich einfach geil anfühlt.

Das Beste an der ganzen Sache ist, dass du durch MACHEN anderen wirklich zeigen kannst, was du drauf hast. So durfte ich auf der DNX sprechen, einige IdeaCamp-Workshops mitbetreuen, Seminare für Gründerszene gebenwerde beim Generation Y Kongress sprechen und vieles mehr.

Das alles sind keine Dinge mit denen ich groß Geld verdiene – aber es sind Dinge bei denen ich eine Menge lernen und mein Netzwerk erweitern kann.

Matthew Hussey sagt dazu in einem seiner besten Videos:

„Stuff leads to stuff. If you do stuff, you´ll get more stuff. Just do STUFF!“

Was er damit meint: Wenn du weißt in welchen Bereich du möchtest: „Do stuff!“ in genau diesem Bereich und es werden sich mehr Möglichkeiten ergeben.

2. Input: Lesen und Events

Ich versuche jeden Tag 50 − 100 Seiten zu lesen. Das klappt meistens, aber nicht immer.

Einige der Bücher, die ich so lese findest Du in der Buch-Challenge.

Ab und an schaue ich mir Online-Kurse auf Plattformen wie lecturio, creative live, entheos, edx oder iversity an.

Eine Übersicht zu Online-Lern-Plattformen findest du hier.

Sonst habe ich einige Newsletter von Bloggern abonniert und lese immer wieder auch kleine EBooks, die ich zum Beispiel auf liberty.me oder changethis finde.

3. Reisen und Personal Development

Ich bin absolut reise-süchtig und halte es selten länger als ein paar Wochen oder Monate an einem Ort aus.

Hier übrigens 7 Gründe, warum du reisen solltest, solange du jung bist.

Entgegen kommt mir dieses Jahr, dass ich Markenbotschafter für Vueling bin und so 100 Freiflüge für Destinationen in ganz Europa zur Verfügung habe (und ja, es sind noch einige Flüge übrig!).

Ich besuche regelmäßig Events, die mich interessieren. So demnächst zum Beispiel den Vision Summit. Im Sommer war ich beim World Domination Summit in Portland.

Bei diesen Events lerne ich durch die Vorträge und bekomme Inspiration – vor allem aber habe ich die Möglichkeit spannende Menschen zu treffen und direkt von ihnen zu lernen.

Ich habe eine Trainerausbildung in gewaltfreier Kommunikation begonnen und werde sie nächstes Jahr fortsetzen.

Sonst gehe ich regelmäßig auch auf Meetups in Berlin – wie zum Beispiel das 4hww meetup.

Eine wichtige Aufgabe für mich persönlich in nächster Zeit ist: Mich mit Menschen zu umgeben, von denen ich lernen kann. Die besser sind als ich: Sprich: Mentoren suchen und mich mit ihnen austauschen und von ihnen lernen.

So – das ist so mal der Grundabriss.

Wenn du Fragen hast, benutze einfach die Kommentar-Funktion.

Nachteile meiner Bildung in 3 Säulen:

  • Ich bekomme keinen Abschluss – jep, das ist nun mal so. Aber das Stück Papier wird ehrlich gesagt eh immer weniger wert. Außerdem ist es für mich ohnehin wertlos, da ich in absehbarer Zeit keinen Angestellten-Job ergreifen werde. Und: Mein Netzwerk ist mittlerweile groß genug, um einen coolen Job zu bekommen, wenn ich das wollte.
  • Wirklich schade ist, dass ich nicht wirklich eine „Community“ habe. Ich arbeite und lerne morgens meist von zu Hause, nachmittags dann aus unserem Co-Working-Space. Ich würde mir mehr mutige junge Menschen um mich herum wünschen, die ihr eigenes Ding machen.
  • Ich habe niemanden, der mir vorgibt, was ich zu lernen habe. Ich muss mir also ab und an selbst in den Hintern treten. Oder andere Menschen dazu anstiften, mir in den Hintern zu treten.

Vorzüge meiner Bildung in 3 Säulen:

  • Ich kann sehr praxisorientiert lernen
  • Ich muss dauernd aus der Komfortzone raus, muss mein eigenes Geld verdienen und lerne „im echten Leben“
  • Ich bin gezwungen Gas zu geben – einen Abschluss auf dem ich mich ausruhen kann, habe ich ja nicht.
  • Ich kann frei bestimmen wo und was und wie viel ich lerne. Ich kann mir meine „Lehrer“, Professoren oder Mentoren selbst aussuchen

 

Für mich ist dieser Weg eine große Herausforderung. Er bringt viele Unsicherheiten und auch immer wieder Zweifel mit sich. Und er bedeutet auch viele Leute, die mir ans Bein pissen wollen (just go away and read your mainstream-stuff!).

Gleichzeitig bedeutet er Freiheit.

Er bedeutet Wachstum.

Er bedeutet leben und lernen am Rande der Komfortzone…

Flow-Zustände, Freuden-Sprünge und manchmal gar das Gefühl wirklich etwas bewirken zu können.

 

 

“For the likes of you, the path to happiness is one mean son of a bitch of a path.”

― Dean Koontz

 

“You never know what’s around the corner. It could be everything. Or it could be nothing. You keep putting one foot in front of the other, and then one day you look back and you’ve climbed a mountain.”

― Tom Hiddleston

 

 

Du hast Fragen oder Anregungen? Ab in die Kommentare damit!

 

 

Bilder: Mike Wolpert

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20 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hey Ben,

    danke für den spannenden Artikel mit den vielen guten Links und Tipps. Du motivierst mich sehr.

    Viel Erfolg und vor allem Spaß weiterhin!

    Julia

  2. Geil Ben!

    ich bin auch mehr Autodidakt als Frontal-Unterricht-Lerner.
    Spaß und eigenes Interesse ist die beste Motivation überhaupt!

    Reisen und andere Kulturen helfen dabei den eigenen Horizont zu erweitern und je nach Art des Reisen bedeutet das oft auch die Komfortzone zu verlassen – das ist doch einfach geil! 🙂

    Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft meine Kenntnisse und Lernbereitschaft durch einen Mentoren begleiten zu lassen, von dem ich sehr viel lernen kann – das Ganze ist gar nicht so leicht…

    Danke für den sehr anregenden Artikel!
    Greetz Pascal!

  3. Hey Ben,
    cooler Artikel – danke für deinen nächtlichen Input :).
    Die Ausbildung zur gewaltfreien Kommunikation finde ich spannend.
    Wo hast du die gemacht, hast du eine Empfehlung?

    Mach weiter so!
    Sabrina

  4. Hallo Ben,

    vielen Dank für den tollen Artikel, der mich mal wieder sehr inspiriert hat.
    Learning by Doing, also die Aneignung von Kenntnissen durch unmittelbares Anwenden, und die Erweiterung des Horizontes durch zahlreiche Reisen sind auch in meinem Leben von großer Bedeutung. Weiter so.

    Beste Grüße

    Jana

  5. Ich kann’s absolut nachvollziehen! Ich glaub ich bin so ein Hybrid zwischen Studi und Anti-Studi. Offiziell studiere ich jetzt seit sechs Jahren. In 1,5 Jahren habe ich meinen Masterabschluss in der Tasche. Theoretisch sollte ein komplettes Studium ja heutzutage 5 Jahre dauern. Ich nehme mir die Freiheit mir mehr Zeit zu lassen und wirklich was zu lernen. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung. Ich weiß, wie sich der „Ernst des Lebens“ anfühlt. Ich habe keinerlei Sehnsucht dahin zurückzukehren. Mein Studium bietet mir ziemlich viel Freiheit für persönliche Weiterentwicklung. Mein BAföG ist mein finanzieller Rettungsschirm. Dank meiner beiden Kinder, werde ich etwas länger finanziell gefördert als „normale“ Studis.

    Ich kann nur bestätigen, dass man außerhalb der Hochschule eigentlich erst wirklich lernt. Die meisten machen das nach dem Studium. Ich mache es währenddessen. Wie du schon sagst, lieber jetzt auf die Fresse fallen als später.

    Mein neustes Projekt ist das Bloggen und ich habe in den letzten Tagen mehr über Marketing gelernt (Studienschwerpunkt) als in meinem gesamten Studium. Wirklich begreifen tut man eben erst, wenn man anwendet. Und damit meine ich keine Studienprojekte von denen ich an der Uni mehr als genug machen muss, sondern tatsächlich das wahre Leben.

    Ich persönlich glaube, man kann beides haben: einen Abschluss und Education Hack, wenn man bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen und etwas zu riskieren. Man kann nur gewinnen.
    Ich werde jetzt z.B. mein persönliches Interesse am Bloggen mit meinem Studium verbinden und eine Hausarbeit zum Thema „Bloggen als Geschäftsmodell“ verfassen. Alles mit meiner Professorin abgesprochen und genehmigt. Und ich möchte auf meinem Blog Studis Tipps und Tricks verraten, wie sie ihr Studium effizienter und gleichzeitig freier/individueller gestalten können.

    Ich glaub, du bist damit gar nicht so allein, wie du denkst. Die Community gibt es. Sie hat sich nur noch nicht gefunden. Ich wäre jedenfalls gern ein teil davon, wenn auch mein Ansatz ein klein wenig anders (weniger radikal ist).

    Danke auf jeden Fall für diesen tollen Blog und weiter so!

    LG Luisa

    1. Yeah! Geile Sache!

      Da zeigt sich mal, dass man das Studium mit Eigeninitiative so gestalten kann, wie es dich wirklich vorwärts bringt.

      Und du hast da einen schlauen Satz gedroppt: „Wirklich begreifen tut man eben erst, wenn man anwendet.“

      Genau so sieht´s aus.

      Happy Blogging und wenn du noch Blogging-Tipps suchst, dann schau mal hier: http://anti-uni.com/blog-starten/

      Ben

  6. Hallo Ben,

    deine Einstellung sich selbst weiter zu bilden, finde ich toll und damit haben wir etwas gemeinsam. Viele große Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, Albert Einstein und Henry Ford haben sich einer eigenen, sehr streng auferlegten Ausbildung hingegeben und konnten somit zu echten Meistern in Ihrem Fach werden. Wenn du Interesse hast, zu wissen, wie die ideale Ausbildungszeit aussehen sollte, um deine Fähigkeiten voll und ganz zu entwickeln, möchte ich dir gerne das Buch „Perfekt!“ von Robert Greene (auf englisch Mastery) empfehlen, falls du es noch nicht gelesen haben solltest. Er hat versucht eine Systemantik in die Leben der großen historischen Persönlichkeiten in Bezug auf deren Fertigkeiten-Erwerb zu bringen und er geht auch auf Personen der Gegenwart ein. Eigentlich ist es ein How-To-Buch, aber eins der ganz besonderen Sorte ohne viel Blabla aber mit extrem viel Inspiration. Ich habe es bereits 7 mal gelesen. Das können die wenigsten Bücher.

    Viele Grüße und mach weiter so.

    Melanie

  7. Sehr interessanter Artikel! Ich finde es gut, wie explizit kritisch du unser Bildungssystem betrachtest. Da bin ich auch ganz auf deiner Seite. Wer allerdings etwas vorsichtiger ist, dem sei Folgendes geraten: Du kannst beides kombinieren! Ein Abschluss könnte als konservatives Mittel der Absicherung gesehen, falls deine Träume auf alternativem Weg sich (vorerst) nicht erfüllen sollten. Wenn du aber wirklich etwas lernen willst, dann kommst du um Selbst-Training und eigene Recherche nicht herum.

    1. Hey Jonas,

      jep, klar kannst du kombinieren! Das ist wahrscheinlich sogar eine sehr gute Idee.

      Danke für deinen Kommentar und Mach Dein Ding!

      Ben

  8. Hi Ben,

    wahnsinn was in den letzten Monaten aus deinem Blog geworden ist, KILLER! Ich bin selbst Jura-Abbrecher (nach dem 1. StEx) und habe mich danach ins Berliner Startup-Getümmel gewagt. Deinen Blog hätte ich ein paar Jahre früher gut gebrauchen können 😉

    „Go and read your mainstream stuff!“ Made my day, hahah!

    All the best
    Alex

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