„Folge deiner Leidenschaft!“ – ein Mythos?

Leidenschaft. Ein viel strapaziertes Wort in meinen Ohren.

Ich mag Leidenschaft. Im Bett. Bei der Arbeit. Und so.

Und ich mag leidenschaftliche Menschen.

Besser gesagt: Ich mag Menschen, deren Augen anfangen zu leuchten, wenn sie davon erzählen, was sie machen oder lernen.

Aber was hat es eigentlich mit dieser Leidenschaft auf sich?

Viele Menschen suchen danach. Die Schule hilft uns nicht wirklich dabei sie zu entdecken.

Aber können wir unsere Leidenschaft wirklich finden?

Oder müssen wir sie stattdessen selbst erschaffen, kreieren?

Ist Leidenschaft etwas, das erst entsteht, wenn wir gut in etwas werden?

Seit ich im Jahre 2011 mit einem quasi-Burnout bei der Uni-Psychologin der Bucerius Law School saß, verfolgt mich diese Frage. Oder ich folge ihr.

Ich trug sie mit mir nach Nicaragua. Dann weiter nach Südamerika. Zurück nach Deutschland. Quer durch Europa nach Berlin.

Es gab Zeiten in denen ich dachte, dass man seine Leidenschaft tatsächlich finden kann.

Und dann gab es Zeiten in denen ich daran zweifelte.

Heute glaube ich zu wissen: Leidenschaft entsteht vor allem durch Tun.

Leiden-schaft

Aus meinem Latein-Unterricht weiß ich noch, dass Leidenschaft aus dem Lateinischen von dem Wort pati = leiden, ertragen, hinnehmen kommt.

Entwickelt sich Leidenschaft also erst, wenn wir etwas (Studium, Arbeit etc.) eine Zeit lang gemacht oder ertragen haben?

Leidenschaft kann sich entwickeln, wenn wir in einer Sache gut werden.

Vielleicht gibt es eine solche Sache schon in deinem Leben.

Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass dir eine Sache Spaß macht, wenn du gut darin bist.

Und wenn nicht?

Dann steht Neugierde aus meiner Erfahrung am Anfang. Oder Interesse. 

Welche Themen beschäftigen dich?

Worüber denkst du besonders viel nach?

Oder wie mein Kumpel Edward es in seinem empfehlenswerte Vortrag bei der 21 Convention sagen würde: Gehst du lieber in den Plattenladen oder in den Buchladen?

 

„If they took away my paints I’d use pastels. If they took away my pastels I’d use crayons. If they took away my crayons I’d use pencils. If they stripped me naked and threw me in prison I’d spit on my finger and paint on the walls“.

– Pablo Picasso

 

 

 

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32 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Ben,

    interessante Gedanken. Leider haben viele starke Begriffe das Problem, eines Tages abgedroschen zu sein, wie etwa die Phrase „Eine meiner größten Schwächen ist es, Perfektionist zu sein.“

    Das entsteht meiner Meinung nach häufig dann, wenn Menschen, anstatt sich selbst Gedanken machen, einfach nur Dinge nachplappern, die sie irgendwo aufgeschnappt haben.

    Alles in allem finde ich das deutsche Wort Leidenschaft passend. Was bin ich denn letztlich bereit, auf mich zu nehmen, um „mein Ding“ durchzuziehen? Lasse ich dafür alles andere liegen?

    Hans Zimmer hat das mal ganz schön gesagt, als er meinte: „All artists are like this. You give us a new paintbox and we are gonna go crazy. We are not gonna go to sleep. We are not gonna go to eat. We just gonna go play with this thing because it’s inspiring.“

    Das beschreibt zumindest am besten, wie ich fühle, wenn ich leidenschaftlich bei etwas bin.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  2. Hi Ben!
    Ich glaube, Leidenschaften kann man finden. Sonst gäbe es meinen Blog nicht. 😉 Was es aber manchmal zu einer frustrierenden Angelegenheit macht, ist die Tatsache, dass wir zu krampfhaft herangehen. Das Phänomen ist ja auch bei den eifrig suchenden Singles zu beobachten: Wenn sie aufhören, zu suchen und mit ihrem Leben zufrieden sind, kommt der Traummann meist von ganz alleine. Wenn wir unsere Leidenschaften finden wollen, ist der erste Schritt dazu meiner Meinung nach, sich selbst als den wichtigsten Menschen im eigenen Leben zu betrachten und seinen Bedürfnissen nachzugehen. Das mag zunächst einfach nur das einfache Bedürfnis nach Ruhe oder Selbstbestimmung sein. Manche von uns haben auch einfach verlernt, Dinge gerne zu tun und sich das v.a. auch zu erlauben. Ich denke, da ist der Schlüssel zu den Leidenschaften. Wenn wir nach uns schauen, gut auf uns achten und nach unseren Werten leben, stellt sich ein Leben voller Leidenschaft und Begeisterung ganz von alleine ein. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich selbst gemacht habe und jeden Tag bei anderen beobachte.
    Ganz liebe Grüße
    Anna

  3. Hallo Ben,

    inspirierend, was du gewchrieben hast. ich hätte mir nich etwas mehr Tiefe (= Länge) gewünscht. Denn irgendwie ar der Artikel schon zu Ende, als es anfing, spannend zu werden. Betrachte das als Kompliment, das ich gern mehr lesen möchte. 🙂

    Leidenschaft entwickelst du m. E. dann, wenn dir eine Aufgabe immer häufiger gelingt. Insofern hast du das mit „Tun“ und „darin gut sein“ schon gut beschrieben.

    Das Optimale ist das der Flow. Du bist gut beim Tun und alles gelingt scheinbar mühelos. Wenn du das erreicht hast, brennst du dafür, es wieder zu erleben. Dann bist du leidenschaftlich dabei. (Bzw. nicht beim Tun selber, denn der Flow lässt dich dabei gelassen bleiben. Aber das Feuer der Begeisterung spüren die Menschen, wenn du von deiner Tätigkeit berichtest…)

    Viele Grüße

    Axel

  4. „Entwickelt sich Leidenschaft also erst, wenn wir etwas (Studium, Arbeit etc.) eine Zeit lang gemacht oder ertragen haben?
    Leidenschaft kann sich entwickeln, wenn wir in einer Sache gut werden.“
    Beides NEIN. Meiner Meinung nach.

    Ich musste zwangsläufig im Kochen gut werden aber eine Leidenschaft wurde daraus nie. 🙂 Ich habe eine Leidenschaft fürs Leben am Wasser (See/Meer). Das setzt ein TUN voraus, da hast du also recht.
    Und, wir können Dinge wie Schule, Arbeit, schlechte Partnerschaften lange ertragen, für mich viele wichtige Erkenntnisse aber keine Leidenschaften daraus hervorgegangen.

    Für mich ist eine Leidenschaft nicht etwas was man sucht, sondern etwas, was ganz natürlich in einem vorhanden ist.
    Wir haben eine Vorliebe, einen Drive, bestimmte Dinge zu tun und das von klein auf.
    Das kann Klavier spielen sein, Tanzen, Fussball spielen, Zeichnen, Organisieren, Singen, Lesen, anderen zu helfen, Kochen etc.
    Es können zwei/drei Sachen sein oder tausend verschiedene.

    Eltern und Schule stoppen leider meist den natürlichen Vorgang sich diesen Dingen zu widmen und den eigenen Weg darin zu finden. Wir haben also entweder keine Zeit mehr, uns mit den Dingen zu beschäftigen ( „Schule geht vor“ ) oder wir hören auf, weil andere uns negativ bewertet haben ( „bist du sicher, dass der Zeichenkurs das richtige für dich ist?“).
    Dann aber, kommt irgendwann der Punkt an dem unser Umfeld und wir uns fragen, was wir denn beruflich machen wollen und wir fangen an, nach unseren Passionen zu suchen, unsere Talente zu entdecken usw.
    Und eigentlich poppen dann die Leidenschaften wieder auf aber oftmals überdecken wir sie mit unseren Vorstellungen und fragen uns, ob sich denn damit überhaupt Geld verdienen lässt. Ich denke, dass dies das eigentliche Problem darstellt und somit beginnt die Suche.
    Für die Meisten von uns gibt es eben nicht DIE EINE Leidenschaft, die Berufung. Es können mehrere sein und manche ergänzen sich, ergeben vielleicht einen roten Faden, während andere so gar nicht reinpassen.
    Alle ergeben einen Sinn, haben ihre Berechtigung, machen uns einzigartig und wenn wir ihnen in dem Augenblick in dem sie sich zeigen Ausdruck verleihen, führen sie uns einen Schritt weiter auf unserem Weg durchs Leben.
    Nicht jede unserer Leidenschaften ist dazu da, in eine Geschäftsidee verwandelt zu werden. Manche führen uns an bestimmte Orte, zu bestimmten Menschen, zu neuen Leidenschaften oder setzen einfach „nur“ Energien frei.

    Wenn ich eine Leidenschaft für schöne Dinge habe, sollte ich mich damit umgeben, wenn ich es liebe zu tanzen, sollte ich tanzen, wenn ich gern male/singe/schreibe dann kann ich das einem grossen Publikum verfügbar machen, wenn mich das Fernweh packt, dann los! 🙂 alles Stücke, die am Ende ein großes Ganzes ergeben und bis dahin einfach da sind um genossen zu werden.

    Liebe Grüße und DANKE für den Anstoß mal meine Gedanken dazu rauszulassen
    ( eigentlich eine Leidenschaft von mir, welcher ich viel zu selten nachgehe ) 🙂

  5. Hi Ben,

    ich bin schon lange stiller Mitleser und dachte mir, ich müsse doch mal einen Kommentar hinterlassen, da mich das Thema doch selbst so beschäftigt im Moment.

    Meine persönliche Leidenschaft ist etwas geworden, was ich früher nie für möglich gehalten hätte.

    In der Schule war ich nie gut in Sport und hatte dementsprechend überhaupt kein Interesse. Ebenso mit der Ernährung. Ich habe viel Süßigkeiten, Fertig Produkte, fast food usw gegessen.

    Ab einem bestimmten Zeitpunkt machte es Peng und ich wusste, es muss sich was ändern. Ich beschäftigte mich (noch als Mittel zum Zweck) mit Kraftsport und gesunder Ernährung.

    Durch die Erfolge der letzten Jahre und das Wissen, dass ich sammeln durfte, will ich den Sport und die passende Ernährung nicht mehr missen. Ich liebe es, viel Zeit mit lesen von Fachbüchern, besuchen von Seminaren und Kursen, sowie eigenen Experimenten zu verbringen.

    Ich bin nun gut in etwas, was ich nie für möglich gedacht hätte.

    Mich selbst immer weiter zu verbessern und anderen Menschen, die genau dort sind, wo ich vor Jahren war, helfen zu können motiviert ungemein.

    Aus ursprünglichem Desinteresse ist aufgrund einer Zwangslösung eine echte Leidenschaft geworden. Verrückt wie die Dinge manchmal laufen können.

    Danke übrigens auch für deine tolle Arbeit! Deinen Komfortzone Artikel habe ich vor einiger Zeit schon auf meinen Social Media Kanälen geteilt, der motiviert ungemein!

    Ich freue mich schon, bald wieder von dir zu lesen.

    Viele Grüße
    Tony

    1. Hey Tony!

      Danke für deine Worte, das freut mich sehr, dass du etwas gefunden hast, worin du gut bist UND was dir Freude bereitet und Sinnfür dich macht.

      Danke auch für’s Teilen der Artikel, das freut mich sehr!

      Auf bald 😉

      Ben

  6. Hey Ben,

    bin mal wieder auf deinem Blog gelandet und sehe, dass du dich an einer der schwierigsten Fragen überhaupt heran traust 🙂 Daumen hoch! 🙂

    Hier mal mein
    “Ultimativer Guide zu mehr Meaning und Happiness durch Schei**e fressen”
    (sorry, wird büschen lang)

    Ich bin überzeugt, dass die „Was ist meine Leidenschaft“ Frage eines der destruktivsten und “gefährlichsten” Dinge ist, die man sich antun kann. Jo, spreche aus Erfahrung.

    Leidenschaft ist nichts erstrebenswert.
    Hint: LEID. Nicht schön.
    Das Wort Leidenschaft hat erst in der neueren Geschichte eine positive Bedeutung bekommen.
    Aber bevor jetzt alle Millenials und Feelgood-Blogger abgehen, die das lesen, lest bitte zu Ende 🙂

    Es gibt schon ein Gefühl, oder Zustand, der erstrebenswert ist. Aber das ist nicht Leidenschaft, sondern eher ein Gefühl, sich lebendig zu fühlen, im hier und jetzt zu leben. Spaß haben, gutes Leben und so.

    Aber erstmal zur Leidenschaft.
    Es gibt so grob 2 „Leidenschafts-Sucher-Lager“:

    1. Was ganz konkretes.
    Kochen, Kunst, Musik machen, Gartenzwerge sammeln.
    Alles cool. Jeder, wie er mag.

    Leidenschaft, ist wenn man zu sehr attached zu einer Sache ist. Also in ihrem Bann ist, die Sache einen im Griff hat.
    Das ist was schlechtes!
    Wenn ein leidenschaftlicher Klavierspieler seine Hände verliert….doof.

    Natürlich kann man trotzdem Hobbies haben und sollte Dinge tun, die einem Freude bereiten.
    Man sollte nur versuchen zu verstehen, woher das kommt und warum sie einem Freude bereiten.
    Diese “Leidentschaftlichen” Dinge sind extrem durch das Umfeld beeinflusst.

    Ich hab früher super viel und gerne Musik gemacht.
    Da habe ich nicht nach gesucht. Das hat sich entwickelt.
    ich kann ziemlich genau zurück tracen, woher das kam.
    Und welche Einflüsse das nochmal richtig angefacht haben.

    Determinismus. Eins führt zum anderen. Es kommt, wie es kommt.
    Hat trotzdem Spaß gemacht:-)

    Gibt lustige Studien (ich glaube Cal Newport hat darüber geschrieben), dass irgendwie alle Kanadischen Schüler/Studenten Hockey als Leidenschaft haben. Woher das wohl kommt 🙂

    Zum zweiten Lager…

    2. „Why“, nichtssagend, B.S.

    Der TED Talk (und das Buch) „Start with Why“ ist wohl ein Paradebeispiel.
    Und es klingt auch echt geil und verlockend.

    Man hat ein übergeordnetes Thema, Mantra, whatever, an dem sich irgendwie alles ausrichtet. Alles macht so schön Sinn. Das hatte mich auch sehr lange fest in seinem Griff.

    Was dabei aber rauskommt, ist meist eine Version von „Menschen inspirieren“, „Menschen unterstützen“, „Menschen bei der Entfaltung ihres Potentials….“ meeeh.
    Oder.
    “Dinge voranbringen”, “Disrupting the Status quo…”

    Viele Blogger sind ein klassisches Beispiel dafür.
    Deren Leidenschaft ist es oft, Leuten dabei zu helfen, Ihre Leidenschaft zu finden 🙂
    Puuuh, mir wird schwindelig… 😛

    Diese beiden fluffigen WHYs oder Meta Leidenschaften^^ sind im Grunde genommen die beiden Haupt Movitationen des Menschen (Gerald Hüther anyone?)

    Growth
    Connection

    Danach muss man nicht suchen. Das ist für alle gleich. Spart euch den Stress.
    Ist nur anstrengend, überflüssig und tut weh.

    Aber das ist eigentlich ziemlich cool. Damit kann man arbeiten 🙂
    Um dieses Gefühl von Lebendigkeit, und Leben im Hier und Jetzt hinzubekommen (halt das Gegenteil von The Walking Dead), braucht man einen Zustand, wo man:

    ständig neues lernt → Growth
    am besten mit anderen Leuten in Verbindung ist (in welcher Form auch immer).

    D.h. man muss Probleme lösen. Möglichst spannende Probleme.
    Oder noch besser: Man muss sich erstmal spannende Probleme schaffen 🙂

    Wenn man da dann noch eine Verbindung zu anderen Leuten schlagen kann, hat man Meaning und ist happy und so.

    Versucht mal den Kram auf “Leidenschaften” anderer Leute anzuwenden.

    Blogger stellen sich spannenden und schwierigen Fragen (Growth) und teilen das mit ihrer Community (Connection) → Geil!

    Fußballer arbeiten hart daran zu gewinnen und trainieren hart (Growth), im Team (Connection, auch Fans und so, WM;)) → Geil!

    Jemand kocht super gerne und probiert ständig neue Rezepte aus (Growth) und andere Leute dürfen das essen^^ (Connection) → Geil!

    Elon Musk baut E-Autos und Raketen und so. Ganz schön schwierig (Growth), aber voll gut für die Menschheit (Connection). Der muss verdammt happy sein → Geil!

    2 typische Probleme bei dem Ganzen:

    Verwechselt nicht Anerkennung, Prestige usw. mit dem Social Connection part. Das bringt es nicht. Für viele ist das ein ganz menschlicher Anfangspunkt. Wieder mal Blogger als Beispiel. Gehört werden, mal im Mittelpunkt stehen. Kann ganz nett sein. Aber das kann dieses Gefühl, was alle wollen, auf Dauer nicht hervorbringen. Den richtig “leidenschaftlichen” Leuten ist die Anerkennung egal. Und das ist viel leichter gesagt als getan.

    Man braucht Probleme. Growth impliziert die Möglichkeit des Scheiterns.
    Darauf kommen die meisten Leute nicht klar, weil das Verständnis von Sicherheit durch Schule, Uni und Eltern total abgefuckt ist.
    Stellt euch 2 Kurven vor. Eines ist ne flache Linie. The Walking Dead. Kein Growth, und auch keine großen Abstürze. Aber da ist man schon quasi tot.
    Die 2. Linie ist eher so ein Rollercoaster. Das ist geil. Meistens 🙂

    Man sollte also nicht nach Leidenschaft suchen, sondern vielmehr Meaning enigineeren. Ich hab’s heute mit Anglizismen.

    Ryan Holiday hat noch einen schlauen Artikel darüber geschrieben, warum Passion Bullshit ist, und warum Purpose/Meaning wichtiger ist, was der Unterschied ist, und wie man damit konkret klar kommt:
    http://thoughtcatalog.com/ryan-holiday/2014/10/passion-is-the-problem-not-the-solution/

    1. Hi Steffen,

      ich habe mich jetzt mal durch deinen langen Kommentar durchgewühlt. War verdammt anstrengend!

      Kleiner Tipp: Strukturiere doch deinen Text vor oder nach dem Schreiben! Und verzichte auf Anglizismen. Klingt nicht mehr cool. Es fuckt mich als Leser nur ab. Comprende? 😉

      Nun zu den Inhalten (denen, die ich verstanden habe):

      1) „Leidenschaft ist nichts erstrebenswert.“

      Hallo??? Warst du schon mal leidenschaftlich bei einer Sache dabei? Beim Sex? Beim Sport? An einer Aufgabe?

      Wenn ja, würdest du so einen Satz nicht schreiben. So sehe ich das.

      Das LEID aus Leidenschaft bedeutet für mich, dass ich durch Phasen durch muss, in den mir das Lösen einer Problems oder eine Tätigkeit eben nicht so viel Spaß machen. Im Leben nur Spaß haben zu wollen, ist Quatsch und macht dich nicht glücklich.

      Leidenschaft bedeutet für mich, das ich für etwas BRENNE und gleichzeitig dabei gelassen bin. Dass ich im besten Fall den Flow erlebe. Das passiert, wenn mir scheinbar mühelos genau das gelingt, was ich wollte. Und andere Menschen sich fragen, wie mich diese Wahnsinns-Herausforderung meistern konnte… 😉

      2) Wenn dich eine Sache im Griff hat, „[…] ist [das] was schlechtes!“

      Das sehe ich auch anders. Wenn ich die Zeit und den Ort um mich herum vergesse, wieso soll das schlecht sein?

      Und dein bespiel mit dem Klavierspieler, der seine Hände verliert, ist sehr an den Haaren herbei gezogen. Wie vielen Pianisten passiert das? Soll ich wegen dieses Risikos meiner Leidenschaft Klavierspielen nicht mehr folgen???

      3) „Why”, nichtssagend, B.S.“

      Wenn der hinter deinen Aufgaben und Tätigkeiten stehende Sinn für dich nichtssagend ist, dann hast du genau diesen Sinn wohl noch nicht ergründet. Herzliches Beileid!

      Das Warum bzw. der Sinn ist das Wichtigste für deine Motivation. Davon bin ich fest überzeugt. Kein Sinn -> kein Lebenssinn -> kein Leben = Zombie. (The Walking Dead)

      Das mit der Achterbahn-Lebenskurve sehe ich auch so wie du.

    2. Wenn ich das richtig verstehe meinst du mit Leidenschaft, sturr einer Sache nachzugehen. Das heißt, ein Hobby so zu betreiben, dass du gar nicht mehr anders kannst als nur noch das zu machen.
      Zum Beispiel Musik. Nur noch am Klavier zu hängen Musik zu machen und alles andere liegen lässt. Keine Ambitionen mehr für andere Dinge.
      Ja, so würde ich Leidenschaft auch bezeichnen. Es ist nicht erstrebenswert links und rechts ein Brett vor dem Kopf zu haben und nur noch für eines da zu sein.
      Es ist schon wichtig das Leben in seinen Facetten nicht zu verlieren und offen für Dinge zu sein, die man erleben möchte.

  7. Hey Axel,

    stimmt, der Kommentar war alles andere als gut strukturiert.
    Sorry, war spät 🙂
    Ich glaube, wir sind mit unserer Meinung näher beieinander, wie du vielleicht meinen magst.

    zu 1) “Leidenschaft ist nichts erstrebenswert.”

    Klar war ich schonmal „leidenschaftlich“ bei Sex, Sport, einer Aufgabe dabei.
    Ich versuche allerdings der Sache nicht so „anzuhaften“ (das meine ich mit attachment).
    Geht Richtung Buddhismus, wenn du so willst.

    Mein Ziel ist es also, die Dinge im Moment zu erleben und auch zu genießen, was viele wohl als “leidenschaftlich” beschreiben würden.
    Dabei will ich den Dingen allerdings nicht so anhaften, dass ich mich schlecht fühle, wenn sie vorbei sind oder nicht mehr zugänglich sind.
    Genauso versuche ich bei aller “Leidenschaft” rational zu bleiben undn die Kontrolle nicht an diese Leidenschaft abzugeben. Und das ist ganz und gar kein Kompromiss.

    Genießen, so lange es da ist, und komplett cool damit sein, wenn es wieder weg ist.

    Laut Wiki 😉 ist “Leidenschaft eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion.”
    Im Positiven wie im Negativen. Völlig ergreifend ist meistens nicht ganz so gut.
    Check mal die Stoischen Leidenschaften dazu, wenn du magst:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Stoic_passions

    Das “Leiden” bedeutet also, dass die Emotion/Leidenschaft die Kontrolle übernimmt.

    zu 2) Wenn dich eine Sache im Griff hat, “[…] ist [das] was schlechtes!”

    Schon zum Teil oben beantwortet.
    Natürlich sollst du weiterhin Klavier spielen oder Karate machen.

    Wenn man allerdings die Mechanismen dahinter versteht, woher dieses tolle Gefühl kommt, wonach wir alle streben, ist man nicht zwangsläufig an das Klavier oder Karate gebunden.

    Diese Dinge sind ja auch nicht starr. Ich bin mir sicher, dass du persönlich da auch eine Entwicklung durchgemacht hast. Vielleicht erst “nur” Karate praktiziert. Es dann gelehrt. Dann Coach, Redner und Autor geworden. Wahrscheinlich machst du diese Dinge alle super gerne und gut.
    Und angenommen, du könntest Karate irgendwann nicht mehr aktiv praktizieren, dann wäre das natürlich irgendwo schade, aber du kannst dieses Gefühl der “Leidenschaft” auch von anderen Dingen bekommen. Es kommt auf die Mechanismen dahinter an.

    Also nochmal: Klavier und Karate so lange genießen, wie man es kann. VIelleicht für immer. Aber sich nicht im Kopf davon abhängig machen, dass genau das und nur das meine “Leidenschaft” ist.

    zu 3) “Why”, nichtssagend, B.S.”

    Natürlich ist Sinn super wichtig. Das Wichtigste. Habe ich nie bestritten.
    Ich beziehe mich dabei auf die meist sehr leeren Aussagen über “meinen Sinn/Platz/Aufgabe im Universum”, die sich meist auf Wachstum und sozialer Verbindung runterbrechen lassen.

    Ich gebe dir vollkommen Recht, dass man ohne Sinn quasi ein Zombi ist 🙂
    Ich sehe den Sinn allerdings nicht als statisch an.
    Hab ich lange versucht. Klappt irgendwie nicht, ohne dass es leere Worthülsen werden (damit alles erfasst werden kann).

    Der Sinn ergibt sich aus deinen Aufgaben und den Probleme, denen du dich stellst.
    Das kann über eine lange Zeit ziemlich konstant sein, klar.

    Es kann sich aber auch recht häufig ändern.
    Z.B. wenn man ein Kind bekommt. Da ändert sich wohl einiges beim Sinn 🙂

    Immernoch ist für die meisten Leute der Sinn des Lebens einfach nur zu überleben.
    Essen auf den Tisch und nicht sterben. Und die scheinen damit oft mental nicht so unglücklich zu sein. Es ist gewissermaßen “einfacher”, als sich mit Fragen über Leidenschaft und Sinn des Lebens zu quälen.

    Aber auch wenn ich verschiedene Projekte mache. Die haben ein Ziel. Das gibt meinem Leben Sinn. Und das ist das Wichtigste.

    Ich glaube, dass Menschen dieses Gefühl des Sinns im Leben wollen und sich lebendig fühlen wollen. Das Thema Leidenschaft ist da nah dran. Und es kann auch funktionieren (wenn man eine Sache findet und daraus Sinn für sich zieht).

    Die “Suche nach der Leidenschaft” ist nur für die cool, die was “gefunden” haben.
    Für alle anderen ist es oft ein sehr unschöner Druck und führt nicht selten zur Depression.

    Es ist deutlich angenehmer, wenn man die Mechanismen dahinter versteht (und da bin ich ja auch blutiger Anfänger), und wie unser Gehirn dabei funktioniert.
    Dann hat man mehr Möglichkeiten und das Gefühl, dass man “die falsche Leidenschaft” wählen könnte, ist eliminiert.

    Neville Medhora hat da auch mal was nettes drüber geschrieben. Und er ist dabei noch viel “böser” als ich 😉
    http://www.nevblog.com/the-purpose-of-life/

    Kurzversion:
    Wir existieren, um uns fortzupflanzen und unserer Spezies beim Überleben zu helfen.
    (Darum haben Zombie Apocalypsen auch einen gewissen Reiz^^)

    Da wir nicht jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, brauchen wir einen Ersatz.
    Darum sollten wir uns kleine und große Ziele setzen. Diese sind extrem durch unser Umfeld beeinflusst und werden sich mit der Zeit ändern. Und das ist total ok 🙂

    1. Hi Steffen,

      ich glaube, wir sollten doch mal Begrifflichkeiten klären, dann wird alles andere auch klarer.

      Leidenschaft bedeutet, dass ich mich einer Aufgabe, einem Ziel, einem Menschen über einen gewissen Zeitraum ganz hingebe. Dass ich dabei die Zeit vergesse und womöglich in den Flow gerate.

      Wichtig ist dabei „über einen gewissen Zeitraum“.
      Von Leidenschaft abzugrenzen ist pathologisches, also krankhaftes, Verhalten. In unserem Fall hieße das, dass du dich bei einer Aufgabe in einen Wahn hinein steigerst. In dem Moment gibst du die Kontrolle ab an deine Emotionen und deine krankhaften Vorstellungen.

      Die Aufgabe selber kann meiner Überzeugung nach nicht die Kontrolle über dich übernehmen. Denn letztlich handelst ja immer noch du. Oder?

      Die Abgrenzung zwischen Passion und Obsession (also Leidenschaft und Wahn) ist sicher nicht immer leicht. Ich denke aber, man kann es an bestimmten Faktoren festmachen. Beispielsweise am Sozialverhalten des Betroffenen.

      Wenn jemand wegen einer Aufgabe mal seinen Partner oder seine Freunde vernachlässigt, ist das okay. Solange das Ende absehbar ist.

      Beispiel: Ich habe früher leidenschaftlich Computerspiele gezockt. Wenn dann ein neues Rollenspiel rauskam, konnte ich tagelang in der Fantasiewelt versinken. Gleiches gilt heute immer noch für gute Bücher. Dennoch wissen meine Freunde, dass ich nach einer gewissen Zeit wieder in der Realität und damit bei ihnen auftauche.

      Ich habe mal einen Spielsuchtkranken betreut, der mir von seinen Suchtjahren detailliert berichtet hat. Der junge Mann war sehr intelligent, ist aber vollständig in der WoW-Welt versunken. Er hat 18-20 Stunden am Tag gezockt, seine Bude nur noch zum Einkaufen verlassen. Und das über 1,5 Jahre.

      Ergebnis: Freundin verloren, Studium abgebrochen, Therapie.
      Das war keine Leidenschaft mehr, das war Wahn.

      Zum Thema „Sinn“:

      Überleben ist sicher ein wichtiger Sinn für die Menschen. Und wenn wir uns als Menschheit mal anschauen, wie wir derzeit leben und wie wir dafür sorgen, dass es uns Menschen in 300 Jahren nicht mehr gibt, dann gewinnt dieses Ziel wieder Bedeutung. Man muss nur ehrlich zu sich und anderen sein und über ein Mindestmaß an Fähigkeit zu systemischem Denken verfügen.

      Beispiel: Die Art zu leben und zu wirtschaften, wie wir im Westen das tun, würde weltweit niemals funktionieren. Dennoch sind wir Vorbild für die Schwellenländer und die Dritte Welt. Hier gibt es extrem viel zu tun.

      Beispiel: Atomarer Overkill. Wenn die richtig Verrückten am Drücker sitzen, können wir alle uns innerhalb einer Sekunde gegenseitig auslöschen. Ist nicht mehr so im Bewusstsein der Menschen, dennoch real.

      Zu tun gibt es genug. Seinem Leben einen Sinn zu verleihen, der übers Stoffwechseln hinausgeht, ist jederzeit möglich. Und diesem Sinn sollte mein Leben dann entsprechen. Und zwar mit aller Kraft und Leidenschaft!

      1. Hi Axel,

        super spannendes Thema 🙂
        Du hast Recht, Begrifflichkeiten hilft eine Menge. Insb. bei solche geladenen und schwer fassbaren Begriffen, wie Leidenschaft.

        Wenn ich dich richtig verstehe definierst du:
        Leidenschaft = Aufgabe, Sache, etc., die hoffentlich zum Flow führt.

        Demnach wäre der Flow-Zustand das eigentliche Ziel, und die Leidenschaft mehr oder weniger Mittel zum Zweck.
        Da stimme ich dir 100% zu 🙂

        Aber warum setzen wir dann nicht den Flow-Zustand von Anfang an als Ziel?
        Anstatt das Ziel zu verfolgen, unsere Leidenschaft zu finden?

        Es mag funktionieren, für den Moment. Aber für mich gibt es da 2 Knackpunkte.

        1. Die Leidenschaften können sich verändern.

        Du hast es schön beschrieben, wie du früher gerne gezockt hast (ich auch), und heute gerne Bücher verschlingst (ich auch).

        Wenn nun jemand versucht, direkt seine Leidenschaft zu finden, findet er eventuell, dass er PC Spiele oder Bücher mag.
        Das ignoriert aber komplett die Tatsache, dass sich diese Dinge ziemlich schnell ändern können. Und bedeutet für den Suchenden oft eine Menge Druck, „das Richtige“ zu finden.

        Ich komme nach wie vor sowohl durch Bücher als auch durch PC Spiele in den Flow (auch wenn ich nicht mehr zocke).

        2. Du unterscheidest zwischen Leidenschaft und Obzession

        Da gibt es auf jeden Fall einen Unterschied.
        Allerdings sind das 2 Begriffe auf dem gleichen Kontinuum.

        Also Leidenschaft suchen, aber nicht zu doll?
        Weiß nicht.

        Eine Leidenschaft ist dann genau so lange gut, bis sie nicht mehr gut ist^^

        Entweder wenn:

        a) sie zu extrem wird, wie dein PC-Sucht Beispiel
        b) man aus irgendwelchen Gründen nicht mehr die Möglichkeit hat, diese konkrete Leidenschaft auszuüben.

        Beides kacke.

        Wir sollten das Spiel in einer weisen definieren, dass wir auch eine Chance haben, es zu Gewinnen.

        Daher ist mein Vorschlag den „Flow“ (o.ä.) direkt zum Ziel zu machen.
        Das käme der Vorstellung von einem „leidenschaftlichen“ Leben für viele Leute recht nahe 🙂

        Das coole ist halt, dass man diesen Zustand bei gaaaanz vielen verschiedenen Sachen/Zielen etc. finden kann.
        Und sich nicht auf eine Sache beschränkt (und mit der Suche danach quält).

        Für mich ist Flow, im hier und jetzt zu leben. Also mich einer Sache vollkommen widme. Und gleichzeitig gefordert werde.
        PC Spiele sind da nach wie vor das beste Beispiel für 🙂

        Aber zu wissen, dass ich das Gefühl des Flows kreieren kann und nicht finden muss, macht die Sache deutlich einfacher.

        Ich arbeite gerade in Berlin an einem Projekt über den Sommer.
        Ich hab richtig Bock drauf, genieße fast jede Minute, werde gefordert, lerne eine Menge. Quasi leidenschaftlich bei der Sache 😉

        Aber wenn es vorbei ist, ist das vollkommen ok.
        Weil es nicht um das Projekt (=“Leidenschaft“) selbst geht, sondern um das darunterliegende Gefühl.

        Da kommen die stoischen Leidenschaften und der Buddhismus ins Spiel.
        Genießen, so lange es da ist, aber nicht dran hängen.

        Du schreibst:
        „Die Aufgabe selber kann meiner Überzeugung nach nicht die Kontrolle über dich übernehmen. Denn letztlich handelst ja immer noch du. Oder?“

        Indirekt kann sie das wohl. Weil die Aufgabe deine Gedanken und Stories im Kopf beeinflusst.
        Freier Wille ist eine Illusion.
        Da jeder Entscheidung, die wir treffen, etwas vorweg geht.
        Sei es eine vorherige Erfahrung, niedriger Blutzucker o.ä.
        Determinismus.
        Aber das ist nicht wirklich schlimm.
        Weil unser ich in dem Sinne selbst ne Illusion ist.
        Aber das führt hier zu weit^^

        Es hilft aber zu realisieren, dass wir gewissermaßen in der Matrix leben, das zu akzeptieren, und trotzdem sein Bestes zu geben.
        Ist ein Paradox, was wir nicht lösen können, weil wir eben selbst Menschen sind. Und unser Bewusstsein ne Illusion ist.

        Zum Sinn:
        Du hast Recht. Zu tun gibt es genug. Und man kann seinem Leben einen Sinn verleihen.
        Das ist ein aktiver Akt. Muss man nicht nach suchen.
        Einfach irgendwas nehmen. Und wenns nicht mehr schockt, darf man jederzeit was anderes nehmen 🙂

        Allerdings lassen sich diese Dinge immer auf den Überlebens- und Fortpflanzungsgedanken zurückführen.
        Sei es auch nur in der Form von legacy…

        1. Hi Steffen,

          ich glaube nicht mehr man Determinismus. Das ist letztlich nur eine bequeme Ausrede für Intellektuelle, ja nichts verändern zu können.

          Ich glaube an Bewusstsein. Es ist deutlich kleiner, als die Rationalisten das gern hätten. Doch man kann sich sogar das Unterbewusste und das Unbewusste bewusst machen. Nur eine Frage der richtigen Technik und des Fokus‘.

          Ich glaube nicht mehr an die Macht von Zielen. Ich glaube an das Handeln – oder den Weg, wenn du es so willst.

          Flow kommt, wenn du ihn nicht erzwingst. Er kommt von allein.

          Der extrem erfüllende Flow kommt aber nicht nur, wenn Anforderung und Aufgabe passen. Wenn sich dazu noch Sinn gesellt, bist du kaum zu bremsen. Und hast trotzdem alles unter Kontrolle.

          Und ich bleibe dabei: eine Aufgabe kann mich nicht kontrollieren.

          Um es mit den Stoikern zusagen, die du ja schon zitiert hast: Das Leben ist wie ein Pferdewagen, der dahin rast. Der Mensch ist wie ein daran angebundener Hund. Sperrst du dich gegen das Leben, wirst du erbarmungslos mitgeschleift. Du kannst aber mitlaufen und hast dann gewisse Freiheiten.

          Mir gefällt die Idee des Bildes, aber wie ein Hund fühle ich mich nicht. Eher wie ein Surfer, der auf der Welle namens Lebens surft. Sperrst du dich gegen ihre Wucht, gehst du unter und wirst einfach fortgerissen. Hast du gelehrt zu surfen, genießt du es und fühlst absolute Freiheit dabei. Wobei das Absolute eine Illusion ist. Aber die Freiheit nicht.

          So meine Einstellung.

      2. Hallo Axel,

        Du sprichst hier was an, was Generationen vor dir völlig versperrt gewesen sind. Die Art wie wir heute leben ist ungesund. Wir werden von Leuten beeinflusst, die glauben das wir so leben sollen oder Dinge machen sollen, die wir gar nicht möchten. Das hat ja auch jahrelang funktioniert. Nur hat sich nie jemand aufgeregt und es stand auch nicht zur Diskussion.

        Dem Leben einen Sinn zu geben ist eine völlig neue Sichtweise, die früher nur Menschen im hohen Alter vorbehalten ist. Ich bin 50 und bin froh und erstaunt zu gleich, dass sich sehr junge Menschen mit dieser Thematik auseinander setzen.

        Um sich selbst zu kümmern, den Leben einen Sinn zu geben und auch tätig zu sein, was einem entspricht, braucht man auch eine andere Geld-Politik. Zum Beispiel gehört das Bedingungslose Grundeinkommen dazu.

        Es muss unbedingt ein Thema sein, um seine Miete und persönliche Ausgaben finanzieren zu können. Eine Absicherung für das, was einem noch bevor steht. So sehe ich das Bedingungslose Grundeinkommen an. Die Idee ist uralt und in den letzten 10 Jahren wieder auferstanden.

        Ohne diese Idee musst du dann trotzdem das machen, was dir keine Freude bereitet und da sind wir wieder beim Thema Leidenschaft. Einfach eine Arbeit sturr nach zu gehen um seine Familie ernähren zu können.

        Ein Wahnsinn, das viele Leute das so hin nehmen. Man sollte wirklich mal eine Auszeit gönnen sich Den wirklichen Sinn des Lebens zu widmen und eine eigene Zukunft mit seiner Familie zu planen. Es gibt noch viel mehr zu entdecken außer nur „arbeiten zu gehen“.

        1. Hallo Jens,

          zunächst einmal: So taufrisch bin ich auch nicht mehr. Ich habe schon 43 Winter erlebt.

          Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine schöne Idee. Ich glaube auch, dass sie funktionieren kann, wenn wir nur wollen. Die Realisierung würde bedeuten, dass wir Wahlgerechtigkeit zwischen Arm und Reich herstellen. Reiche Menschen müssen nicht arbeiten und können das tun, was sie wollen. Jeder, der nciht genug Geld hat, muss selbiges verdienen.

          Nur: Man kann sich dennoch entscheiden, wie man sein Geld verdient. Mir persönlich war immer wichtig, dass ich meine Kohle auf erfüllende, meinen Talenten und meinem Sinn entsprechende Art verdiene. Dafür habe ich zum Teil auch auf höhere Einkommen verzichtet.

          Diese Entscheidungsmöglichkeit hat prinzipiell jeder. Auch Menschen mit Familie haben die Wahl. Sie fällt nur schwerer als bei den Leutenm, die nur für sich verantwortlich sind.

          Um es auf den Puinkt zu bringen: Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine gute Sache, in meinen Augen. Aber wir brauchen es nicht, um damit unser Geld zu verdienen, woran wir Spaß haben und worin wir Sinn sehen. Wer das behauptet, sucht nicht nach Lösungen für sein eigenes Leben, sondern nach bequemen Ausreden, warum etwas nicht geht.

          Viele Grüße

          Axel

  8. Hi Ben,
    gratuliere zu deinem gelungenen Artikel. Finde deine Leidenschaft und du musst nie mehr arbeiten – wer will das nicht. Ich würde das Thema Leidenschaftfinden noch gerne ergänzen. Ich denke um diese zu finden muss man zuerst seine Werte kennen. Ist mir z.B Gerechtigkeit wichtig, dann bin ich in einem Sozialen Beruf oder in einer Non-Profit Organisation besser aufgehoben. Sollte mir Sicherheit wichtiger sein, dann wäre ich als Versicherungsvertreter gut beraten. Mein Credo also Finde Deine Werte und du findest deine Leidenschaft.
    Lg Karl

  9. Toller, empathischer Artikel!

    Gerade diese Begriffshülsen, die auch zunehmend in den Personalabteilungen als Leitlinien gelten, sollte jeder für sich klären, um sich nicht selbst misszuverstehen. Gerade was die Leidenschaft angeht, scheint es sich immer mehr zu einem gesellschaftlichen Imperativ (hui, das klingt jetzt aber böse akademisch…) zu werden, dass man eine Leidenschaft haben MUSS, die idealerweise auch noch ins Establishment passt und die man gut artikulieren kann, wenn jemand danach fragt.

    Dabei ist die Frage doch eher genau die, die du im Artikel auch stellst: Ist Leidenschaft nicht etwas, was man gerade nicht vor anderen rechtfertigen muss? Etwas viel individuelleres gibt es ja nicht und daher ist es irgendwie eine beunruhigende Entwicklung, wenn „Leidenschaften“ auf den Ausschreibungstexten von Unternehmen auftauchen.

    Guter Text!

    LG, Björn

  10. Ich bin über Gerald Hüthers neues Buch „Etwas mehr Hirn, bitte“ gestolpert.

    Da findet sich das Argument, welches ich hier in den Kommentaren versucht habe zu machen (zugegeben, sehr holprig) wieder.

    Kurversion:
    Wir suchen nicht nach unserer „Leidenschaft“, sondern wir wollen gleichermaßen frei (autonom, Wachstum) und verbunden sein.

    Das „Was“ ist gar nicht sooo wichtig. Sondern die Rahmenbedingungen. Wachstum und Verbundenheit.

    Beispiel:
    Leidenschaft = Surfen.
    Wenn ich den ganzen Tag nach Stundenplan surfe, jede Welle, wird mir vorgeschrieben, jeder Sprung wird vorgeschrieben usw., dann macht das nicht lange Spaß.
    Noch schlimmer ist es dann, immer alleine surfen zu müssen.

    Wenn ich aber selbst surfen gehen kann, wann ich will, vielleicht noch anderen das surfen beibringen kann und mich mit anderen Surfern austauschen und von Ihnen lernen kann….dann sieht das ganz anders aus.
    Vielleicht komme ich dann sogar auf die Idee und mach einen Surf-Blog, Online Surfkurs. Eigene Surfklamotten. Die Ideen hören gar nicht mehr auf.

    Gleiche „Leidenschaft“, verschiedene Rahmenbedingungen, komplett verschiedenes Ergebnis und Lebensgefühl.

    Und das Hüther Buch kann man sich gerne mal geben 🙂

  11. Hi Ben,

    Das Thema Leidenschaft hat auch für mich in letzter Zeit eine sehr große Rolle gespielt. Ich wollte so schnell wie möglich wissen, was meine Leidenschaft ist, weil ich mit meiner Arbeit und dem Studium unzufrieden war und das richtige für mich finden wollte.
    Das Problem bei der Suche ist, dass man die Leidenschaft nicht findet, wenn man es unbedingt und sofort will.
    Meiner Meinung nach muss sie sich, wie du schon sagst, entwickeln.
    Man kann höchstens Leidenschaften finden, die sich schon entwickelt haben, die aber durch den vielleicht stressigen Alltag verloren gegangen sind.

    Der einfachste Weg, seine Leidenschaft(en) zu „finden“ ist es meiner Meinung nach, das zu tun, was man wirklich gerne tut, sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen, seiner inneren Stimme zu folgen und so viel wie möglich auszuprobieren. Es ist ein Prozess!
    So wird man allmählich Leidenschaften (oder wie man es auch nennen mag) entwickeln. Das wovon ich spreche hat allerdings nichts mit Leiden zu tun, weshalb ich das Wort eigentlich unpassend finde.
    Vielen Dank für den tollen Artikel!

    Liebe Grüße
    Johannes

  12. Hi Ben,
    toller Beitrag!

    Ich glaube man findet seine Leidenschaft eher durch Zufall 🙂
    Ich bin mir auch sicher, dass eine gehörige Portion Mut dazugehört, seine Leidenschaft zu leben.
    Seit ich angefangen habe zu reisen, zu bloggen und anderen damit zu helfen fühle ich mich einfach happy. Ich denke, das ist Leidenschaft.
    Ich kann mit meinen Erzählungen andere begeistern, weil sie das Leuchten in meinem Augen sehen 🙂
    Zur Leidenschaft gehören sicher auch inspirierende Menschen wie du – ich lese echt gerne bei dir mir 🙂

  13. Ja, Leidenschaft, Berufung und Co… Ich musste mich nur dafür entscheiden, das, was ich als richtig empfinde, zu tun. Für mich ist einfach wichtig, dass ich mit dem was ich tue etwas erreiche und zur Lösung eines Problems in der Gesellschaft beitrage, Menschen inspiriere und vor allem voll hinter dem stehen kann, was ich tue.
    Schon entwickelt sich Leidenschaft, schon macht die „Arbeit“ Spass bzw. wird nicht mehr als Arbeit gesehen, schon hast du so viel Energie wie du brauchst!

  14. Danke Ben, für deine Gedanken die du hier regelmäßig teilst.

    Der Beitrag von Melanie weiter unten ergänzt dieses Thema ganz hervorragend finde ich. Denn Leidenschaft ist auch meiner Meinung nach etwas, das sich längst nicht in jedem Fall monetarisieren lässt.
    Da können sich manche Leute ganz einfach glücklich schätzen, dass sie sich ihre Passion als Motivationsmotor zu nutze machen können, um beispielhafte Arbeit zu verrichten.

    Das was du hier betonst, dass nämlich Passion eben durch „tun“ entdeckbar ist, ist eine Hürde die wiederum nicht jede/r im Stande ist zu nehmen, weshalb diese Leute ihre mentalen vier Wände nicht schaffen zu verlassen.

    Mich persönlich fasziniert immer wieder zu welchen Leistungen der Mensch in der Lage ist. Insbesondere fasziniert mich die Frage, WANN der Mensch dazu in der Lage ist.

    Dass sich die Lebensperspektive samt Lebens- & Arbeitsmotivation mit dem Älterwerden verändert liegt auf der Hand. Wann immer ich jedoch stories von erfolgreichen Menschen lese, gibt es eines das sie alle gemeinsam haben. Und das ist der Drang, der Antrieb, das Verlangen, motiviert durch Hunger nach „mehr“.

    DAS Thema für sich zu finden gelingt dem einen früh, dem anderen spät, dem anderen nie, und der wieder andere stolpert von neuem Thema zu neuem Thema.
    Um genau diese Chance, etwas für sich zu finden, zu erhöhen, ist „tun“ das richtige Schlüsselwort.
    Das kann bezogen sein auf ein vorhandenes Interesse, dass einfach mal angegangen werden muss, es kann aber auch heissen, neues einfach auszuprobieren und zu gucken was die Beschäftigung damit mit mir selber macht. Wichtig ist dabei vor allem, nicht zu früh aufzugeben. Nicht umsonst ist idR aller Anfang schwer.

    Ich persönlich bin gerade an einem Punkt an dem ich mir nicht sicher bin, wie weit ich mir bei der Einarbeitung in ein Thema Mühe geben sollte, nur um herauszufinden, wann dieser Punkt des „cool! Das mache ich!“ einsetzt.
    Ich wollte früher immer Sport studieren, bin über viele Umwege inzwischen bei Informatik gelandet, weil mich die kreative und „schafferische“ Natur dieses Fachs interessiert. Ich bin allerdings ein weniger theoretischer, sondern praktischer Typ, weswegen mich die Beschäftigung mit den Grundzügen der Informatik sehr ermüdet und ich arge Motivationsprobleme habe. Ich frage mich deswegen in letzter Zeit oft, weswegen ich mich nie für Sport entschieden habe. Und das führt mich wieder zur Anfangsfrage…
    Was tun, wenn mit Leidenschaft kein Geld oder nur eine unzureichende Menge verdienbar ist? Gehe ich das Risiko ein und investiere alles was ich mit meiner Kreativität und gepaart mit meinem Mut aufbringen kann, um meinem Bauchgefühl zu folgen?

    Ein Großteil würde nach Abwägen wahrscheinlich tendieren zu „Nein… lieber etwas bodenständiges (= altbewährtes). Etwas „sicheres“…“
    …und da ordne ich mich gegenwärtig auch ein… obwohl ich’s nicht mag.

    Nochmal danke für deine Artikel Ben! Sie bringen mich definitiv zum Nachdenken.

    Grüße

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