Anna und die Schule. Eine nächtliche E-Mail.

Anna und die Schule- eine nächtliche
Eine ungekürzte und nicht bearbeitete mitternächtliche E-Mail einer Schülerin der 11. Klasse. 

Anna (18) schreibt mir ab und an und berichtet mir von ihrem Schul-Alltag. Den Original-Screenshot findest du weiter unten. 

(Anna hat der Veröffentlichung zugestimmt.)

 

Hey Ben,

ich habe Dir ja erzählt, dass ich mich dafür entschieden habe das Abitur zu machen. Und wie das immer so ist, wenn man eine Entscheidung trifft, dann kommt eine ganz andere Sache…

Ich habe ich Merz eine Fortbildung zum Thema „Freiarbeit am Gymnasium?“, für die Lehrer an meiner Schule, gegeben.

Meine Italienisch Lehrerin hat mir geholfen und wir haben mit den Leheren und Referendaren disskutiert und ihnen Montessori-Material vorgestellt. Das war der mit abstand beste Tag in diesem Jahr (also bis jetzt). Ich habe mich frei gefühlt und glücklich. Mein ganzer Körper hat gekribbelt, das aller Beste war jedoch, dass mir die Leute zugehört haben und viele waren auch interessiert daran.

Ein Leherer hat gesagt „Ich finde die Art des Unterrichts auch nicht gut, aber ich weiß nicht wie ich es anders machen kann“.

Am nächsten Tag, hatte ich einige Schüler um mich herum, denen ich erzählt habe, wie lernen auch sein kann. Ich habe ihnen Material gezeigt und von meiner alten Schule erzählt und sie waren sehr begeistert.

An diesem Abend war ich so zufieden.

Meine Italienisch Leherin hat gesagt: „Anna-Rosina du solltest eine Schulberatungsstelle eröffnen“.

Anfang April, habe ich eine Freundin in Dresden besucht und wir waren in einem kleinen Bonbonladen in Wehlen. Das war so spannend. Man konnte durch eine Glasscheibe sehen, wie die Bonbons hergestellt werden und es hat mich fasziniert. Ich wäre am liebsten einfach dageblieben und hätte mitgearbeitet, nur für ein paar Wochen.

Mir ist inzwischen klar, dass ich nicht weiß, was ich will.

Mir ist auch klar, dass ich nicht herausfinde, was ich will wenn ich weiterhin in diesem Loch sitze und tuhe, was mir gesagt wird.

Mir ist auch klar, dass mein Herz nicht mehr an dieser Schule ist und meine Seele sich gänzlich von dem was ich gerade mache entfernt hat.

Hier sind nur noch mein Kopf und ich.

Ich kann nicht mehr in die Schule gehen, aber ich kann auch nicht nicht hingehen.

Als ich das erstemal (im November) versucht habe die Schule zu verlassen wurde ich gezwungen zum Psychologen zu gehen und damit war die Sache erledigt.

Ich habe Angst davor, für verrückt erklährt zu werden, wenn ich jetzt wieder versuche zu gehen. Ich habe keine Worte mehr um zu erklähren, warum ich nicht mehr in die Schule gehen kann und die, die ich bisherverwendet habe sind entweder unverständlich oder sie reichen nicht aus um mich zu erklähren.

Ich habe kein Geld und noch weniger Erfahrung, doch was ich habe ist ein Kopf voller Verstand und Wissbegierigkeit, ein Herz voller Liebe, Hingabe und Leidenschaft, Arme und Beine voller Tatendrag, Engerie und Arbeitswut und das wichtigste: einen starken Willen und einen noch stärkeren Gerechtigkeitsinn.

Ich weiß nicht, ob das reicht, aber ich denke es ist ein Anfang.

Vielleicht habe ich eines schönen Tages den Mut aus diesem System aus zu steigen.

Vielleicht verschwindet die Angst irgendwann.

Das waren jetzt zwei Vielleichts zu viel !! 🙂

Ich wünche Dir alles Liebe und hoffe es geht dir gut.

Danke, dass es Dich gibt.

Viele Grüße
Anna

 

__

Der Original-Screenshot der E-Mail:

Screen Shot 2015-04-08 at 00.26.11

 

anna weindlNoch ein paar Worte von Anna über sich:

Ich habe 10 Jahre lang eine Montessori-Schule besucht und seit 1,5 Jahren gehe ich auf ein Gymnasium. Ich bin 18 Jahre alt. 

Ich rede viel und gerne, kann aber auch sehr schüchtern sein. Mit Kindern kann ich gut umgehen und ich interessiere mich für Politik. Wie kann ich Lernen noch gestalten? und Wie kann ich mein Leben gestalten? Das sind die Fragen, die mich derzeit am meisten beschäftigen. 

 

Habt ihr Ideen für Anna?

Kennt ihr junge Menschen, denen es ähnlich geht? Oder seid ihr womöglich einer dieser jungen Menschen?

Bitte meldet euch doch in den Kommentaren (dann haben alles was davon) oder auch wenn ihr das nicht möchtet direkt bei Anna (Mailadresse siehe Screenshot)!

 

 

 

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57 Kommentare, sei der nächste!

  1. Also erstmal Daumen nach oben für den Mut, solche Gedanken öffentlich zu teilen. Ich glaube es geht viel mehr jungen Menschen so als man glauben mag. Was viele nicht wissen: Man hat nach dem Pflicht-Teil der Schule sehr wohl die Wahl, was man mit seinem Leben anfängt.

    Schockierend ist, dass viele sich von Eltern und Mitmenschen in das System reindrücken lassen, auf das sie keine Lust mehr haben oder an dem sie sich fehl am Platze fühlen und nicht informiert werden, dass es Alternativen zum Abitur auf einer deutschen Durchschnittsschule gibt. Dass das System seinen Zweck verfehlt, sieht man alleine schon in der Mail, denn ich hatte echt Probleme den Gedanken zu folgen. Derart viele Rechtschreib- und Satzlogikfehler sind schockierend für eine 18-Jährige.

    Die Alternative zur Schule heißt nicht Psychiater. Arbeiten, auf eigenen Beinen stehen, eventuell Abitur an einer Fernhochschule nachmachen (deren Qualität ist schließlich dadurch gewährleistet, dass sie dafür Geld bekommen). Wenn man da seine Zukunft sieht, gerne auch eine Ausbildung anfangen.

    Cheers!

    1. Hey Kai,

      freut mich hier von dir zu lesen. Was die Rechtschreib-Fehler angeht habe ich die bewusst dringelassen – sonst schreibt Anna ziemlich fehlerfreie Mails. Ich nehme an, dass die vor allem zustande gekommen sind aufgrund der Uhrzeit und der Gemütslage in der Anna war. (Wie gesagt nur eine Vermutung).

      Jedenfalls weiß ich, dass sie ziemlich gut schreiben kann und fand es nur authentisch die Mail so zu lassen. Wenn ich Freunden schreibe, dann schreibe ich manchmal einfach alles klein… 😉

      Lg, Ben

      1. Achso 🙂 Das sollte jetzt auch gar nicht der Fokus sein! 😀

        Wie schon auf facebook gesagt, ich denke das Problem ist nicht, dass sie es nicht „kann“. Sie traut sich nicht, wie man an den letzten beiden Sätzen der Mail sehen kann.

        Das ist auch das eigentliche Problem. Nicht, dass es keine Alternativen gibt, sondern fehlende Aufklärung darüber bzw. dieser enorme Druck von Eltern, Lehrern, Mitschülern, die es alle angeblich besser wissen.

        Gut, dass es in den anderen Kommentaren schon so viele offene Ohren gibt. Natürlich kann Anna es schaffen, so wie viele vor ihr – aber Menschen, die sie unterstützen, sind enorm wichtig.

        Cheers!

        1. Ich besuche derzeit auch die 11. Klasse eines WGs (Wirtschaftsgymnasium) und habe momentan gleiches im Kopf. Eben, wie Kai sagte ist es vor allem der Druck der Eltern doch vor allem auch der Mehrheit unserer Gesellschaft, in der ein Abi fast schon Durchschnitt ist.
          Das Problem ist, wenn man nicht weiß was man im Leben erreichen will und seinen Weg noch nicht gefunden hat, ist es natürlich sinnvoll das Abi zu machen, doch wenn die Gedanken um ganz andere Dinge schweifen und man eben nur halb mitmacht, wie ich, dann hat man weder , noch.
          Gut das ich auf diesen Text hier gestoßen bin, denn dieses Thema ist bei mir gerade auch ziemlich aktuell.

        2. Es ist tatsächlich so, dass einem die Alternativen auf einem Gymnasium einfach nicht mehr aufgezeigt werden.

          Ich als Seiteneinsteiger war regelrecht schockiert, als ich von der Realschule an die Oberstufe kam.

          Nicht mal die Leher dort hatten einen Plan, was man bis auf FSJ und Studieren noch so machen könnte…
          Außerdem wird da so unterrichtet, als gäbe es nur das Gymnasium und als könnte man nicht auch mit einem Realschulabschluss ganz, ganz viele Ausbildungen machen.
          Dass es neben dem regulären Abi ja auch noch berufliche Gymnasien, Gesamtschulen, Fachhochschulen, usw. gibt, wird gar nicht erwähnt, obwohl es vielen sicher schon geholfen hätte zu wissen, dass es alternativen zum G8 gibt. Zudem ist diese Ideologie so früh wie möglich sein Abi zu haben, weit verbreitet. Also dann doch lieber alles in zwei Jahren in sich rein Bulimielernen.

          Was mich kürzlich im Pädagogikunterricht, ich bemerke, hier liegt die Betonung auf Pädagogik, wirklich schockiert hat, war die Tatsache, dass meine Leherin nicht wusste, was eine Werkrealschule ist. Oder 9 plus 1, 9 plus 2, oder dass man nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung automatisch den Realschulabschluss hat.
          Klar, sie ist Gymnasiallehrerin und kennt sich daher nicht ganz so gut aus, wie eine ehemalige Realschülerin mit Anbindung zum Leben (ich hatte Freunde auf der Hauptschule, Realschule und dem Gymnasium). Ich finde diesen Unterricht nur einfach absolut weltfremd und als ich dann auch noch mit ihr darüber diskutieren musste, dass ein Hauptschüler auch das Zeug hat, Arzt zu werden, wenn er es denn wirklich will, dass er eben nur richtig gefördert werden wird, wäre mir beinahe der Geduldsfaden gerissen.

          Die Schule ist dermaßen lebensfremd geworden, vor allem das Gymnasium, auf meiner Realschule wurde ich wenigsten über alle meine Möglichkeiten informiert!, dass es mir fast schon Angst macht.
          Ich kenne einen Haufen Leute, die eigentlich reif wären für einen Dauerurlaub, weil sie einfach schon so ausgebrannt sind …
          Die Energie geht einfach verloren, sickert in das Auswendiglernen von Dingen, die man hinterher so wie so wieder vergisst …
          Für manche ist es gut Abi zu machen, studieren zu gehen, für manche ist es der richtige Weg, aber für viele ist es nur reinster Zwang und diese Leute werden ziemlich alleine gelassen. Klar, dass man da Angast bekommt, ohne Abi und Studium irgendwann als Hartz-4-Empfänger zu enden.

  2. Hallo Anna, hallo Ben,

    Zuerst einmal: die Sxhulpflicht endet im Sommer. D.h. alles danach ist freiwillig! 🙂

    Man kann sich dann zB selber auf das Abi vorbereiten und als Externe die Prüfung ablegen. Man kann sich zusammentun – siehe Methodos. Man kann an freie Lernorte gehen …

    Aber zuerst herausfinden: was will ich?

    Wenn dabei Unterstützung gebraucht wird, helfe ich gerne 😉

    Liebe Grüße aus Düsseldorf, Ulrike

    1. Hey Ulrike,

      danke für deinen Kommentar. Was meinst du mit die Schulpflicht endet im Sommer?

      Lg und danke für das Angebot an Anna.

      Ben

      1. Guten Morgen,

        die Schulpflicht endet für ANNA (leider nicht generell 😉 ) im Sommer, d.h. immer am Ende des Schuljahres, in dem man 18 Jahre alt geworden ist.

        Liebe Grüße, Ulrike

        1. Hallo Ulrike,

          die Schulpflicht endet nach 9 absolvierten Schuljahren, in manchen Bundesländern auch erst nach dem 10. Schuljahr. Trotzdem hat man spätestens ab der 11. Klasse (bzw. wenn man sitzen geblieben ist sogar früher) die Wahl, etwas anderes zu machen.

  3. Liebe Anna,

    ich verstehe dich VOLLKOMMEN. Mir ergings genau so wie dir.

    Ich hab auch die letzten beiden jahre in der Schule gehockt und mich gefragt:
    WAS – Zum Teufel – mache ich hier eigentlich?
    Was für einen Blödsinn muss ich mir gerade von diesen Menschen anhören, die sich Lehrer nennen? Die sollen mir was (angeblich Gutes?) beibringen?

    Später hab ich das Gleiche im Studium gedacht.
    Ich hab am Ende einen Weg daraus gefunden. Schreib doch mal Erik Koszuta eine Mail, er ist 18 und hat auch bewusst die Schule verlassen. Vielleicht könnt ihr euch austauschen. Euch beide zu mehr Erkenntnissen und weiteren Weggabelungen verhelfen.

    Wenn du magst, schreib mir doch einfach eine Mail und dann erzähle ich dir mehr, wie ich für mich da raus gegangen bin. Ich werde dir eine zukommen lassen, dann hast du meine.

    Alles Liebe und bis bald, du Herz voller Leidenschaft.

    Mimi 🙂

    * hier ein Link zu Eriks Talk bei der Bildungskonferenz #DClassConference. Er spricht nämlich auf vielen Veranstaltungen über seine Entscheidung, die Schule zu verlassen.

    Es gibt übrigens noch ganz viele andere tolle Speakers, die unheimlich inspirieren.
    Schau:

    http://www.dclass.de/videos/

    1. Hallo MIMI,

      Ich fände es toll wenn du erklären könntest, wie du deine Situation mit dem Studium gelöst hast. Wie hast du einen Weg herausgefunden und was hast du anschließend getan ?
      Es wäre schön wenn du darüber etwas schreiben könntest, sollte es dir allerdings zu privat sein respektiere ich das auch.
      Jedenfalls freue ich mich für dich und hoffe, dass auch ich irgendwann meine Studiumssituation lösen und eine Position im Leben finde, welche mir Freude bereitet.

      MfG
      Felix

  4. Also, ich habe die Schule mit einem schlechten Gewissen nach der 12. Klasse verlassen. Abitur habe ich nicht. Mit einem Jahr Auszeit (FSJ) und einer Ausbildung konnte ich dann doch studieren. Wichtig war tatsächlich nur, zu wissen, was ich wollte. Ich wollte immer in die kreative Richtung gehen, das funktionierte ohne Abi. Medizin hätte ich natürlich nicht studieren können.
    Wenn Anna weiß, was sie will, kann sie auch aus der Schule aussteigen. Ich würde ihr dennoch empfehlen sie zu beenden, wenn es irgendwie geht. Danach kann man immer noch entscheiden, wie es weiter geht, ob man studieren will oder nicht …

    Wünsche Dir viel Erfolg auf deinem Weg! Eines, was ich im Leben gelernt habe mit meinen Erfahrungen, ist: Es geht immer irgendwie weiter, wenn man den Willen dazu hat! 😉

      1. Ich bin selbständige Grafik Designerin und zum Teil angestellt, wobei der feste Job, 5 Std. am Tag, auch sehr flexibel ist. Momentan überlege ich, mich ab Sommer „richtig“ selbständig zu machen. Wird zwar nicht einfach, aber ich fühle mich so einfach besser, wenn ich selbst entscheiden kann, was ich mache, wann ich morgens anfange, ob ich am Freitag mal spontan in ein Café gehe und von dort aus arbeite oder an den See fahre und ne Runde schwimmen gehe um mich neu zu inspirieren. Das ist in einem Büro als Angestellter leider nicht möglich. Wären Agenturen bzw. Arbeitgeber flexibler bzw. gäbe es die Möglichkeit, dass Angestellte flexibler arbeiten können, dann würde ich auch wieder über eine Festanstellung nachdenken ;).

        1. Hi Miriam,

          aus welcher Ecke Deutschlands kommst du? Ich arbeite auch mit reduzierter Arbeitszeit und probiere mich nächstes Jahr komplett selbstständig zu machen. Meine Selbstständigkeit soll aus dem erwachsen, was ich gerade als soziales Engagement ehrenamtlich mache. Es geht dabei eher in die Richtung Training/Coaching und Talente für den sozialen Sektor gewinnen/entwickeln.

          Vielleicht können wir uns über unsere Wege mal austauschen. Falls du zufällig aus dem Raum Hannover kommst würde ich dich auch herzlich zu meinem Netzwerk „Talententwickler“ (www.facebook.de/talententwickler) einladen. Leute mit Talent im grafischen Bereich könnten wir immer guten gebrauchen =)

          Alles Liebe und in jedem Fall viel Erfolg bei deinem Weg!

          Chris

  5. Liebe Anna, lieber Ben.
    Ganz toll, dass ihr sowas veröffentlicht.
    Ich kann das total nachempfinden was Anna durchmacht. Mir ging es ganz ähnlich. Ist es denn nicht möglich das Abitur über Montessori zu machen?
    Mein „Ausweg“ damals war, dass ich mich mit den Lernunterlagen in ein Kaffee gesetzt hab und mir den Stoff selbst beigebracht hab. Oder in der Natur. Nur nicht in der Schule – das ging einfach nicht – war nicht stimmig.
    Trotz allem war ich Klassensprecherin, ein Rebell, usw.
    Nach einigen Jahren hab ich das Abitur mit einem ausgezeichneten Erfolg nachgemacht – konnte aber da auch den Frontalunterricht nicht ausstehen.
    Folge deinem Herzen liebe Anna – das ist der richtige Weg – immer. Alles alles Liebe – du bist echt was Besonderes!

  6. Hi Anna 🙂
    Seit mittlerweile 3 Jahren habe ich ein ähnliches Problem wie du. Ich möchte nicht mehr zur Schule gehen, weil ich weiß, dass die Welt viel bessere und spannendere Möglichkeiten bietet sich weiterzubilden, zu lernen und tolle und wichtige Erfahrungen zu machen.
    Ich habe es satt, jeden Tag zur Schule zu gehen, nichts wirklich wichtiges zu lernen und meine Zeit zu verschenken, wo ich diese doch so toll anders nutzen könnte! Ich hatte schon so oft überlegt einfach am nächsten Tag nicht mehr zur Schule zu gehen, doch irgendwie habe ich es nie geschafft. Jedes mal bin ich wieder unsicher, jedes mal habe ich Angst, dass ich doch einen Fehler mache. Obwohl ich genau weiß, dass es besser für mich wäre. Und ich weiß auch genau, dass es einfach wäre wieder zurück ins Schulsystem zu gehen, falsch es schiefgeht. Aber der gesellschaftliche Druck ist doch enorm..

    Ich bin 15 und gehe in die 10. Klasse eines Gymnasiums. Jetzt denke ich mir, vor 3 Jahren hätte es sich noch gelohnt, aber jetzt wäre ich in zwei Jahren fertig, hätte mein Abi und könnte dann sehen wie es weitergeht. Soll ich das noch durchziehen? Oder soll ich erstmal die Welt entdecken? Ich bin mir nicht sicher!
    Durchziehen würde mir eventuell meine letzte Kraft rauben, dagegen zu kämpfen und ich würde mich dem System beugen. Andererseits hätte ich dann mein Abi und wäre 18, ich könnte mein Leben also selber bestimmen und hätte vorher niemanden enttäuscht.
    Aufhören und die Welt entdecken durch Praktika, Reisen und ähnliches, würde mich in meinem Leben sofort weiterbringen, aber ich müsste auch mit dem Risiko leben, dass ich es verhauen könnte und alle sauer auf mich wären.

    Die Schule hat mich so kaputt gemacht. Obwohl ich weiß, dass ich außerhalb von ihr besser lernen könnte, traue ich mich nicht aufzuhören, weil mir in der Schule erzählt wird, dass man nur den einen Weg gehen kann, um glücklich zu werden. Der da wäre: Schule, Studium, Job, Familie, Rente.
    Langsam verliert man die Kraft weiter gegen dieses System zu kämpfen. Ich hatte schon viele Gespräche mit meinen Eltern und Lehrern, sowie mit der Schulleitung. Aber aufgeben kommt eigentlich nicht in Frage! Der Plan ist, weiter zu rebellieren und versuchen anderen die Augen zu öffnen! Vielleicht werde ich irgendwann mal den Mut haben und Schluss machen mit der Schule und meinen eigenen Weg gehen!

    Liebe Grüße
    Pia

    1. Liebe Pia (ich hoffe mein Kommentar erscheint direkt als Antwort unter Pias Post :),

      Ich bin betroffen von deinen Äußerungen. Es klingt schlimm, wenn so junge Menschen schon das Gefühl haben vom „System“ aufgefressen zu werden, jeglicher Energie beraubt.

      Folgende Tipps für alle, die vielleicht Schulen suchen, die es anders machen möchten als der Rest:

      Die Initiative Schule im Aufbruch probiert Schulen von Innen heraus zu transformieren. Vorreiter ist hier Gerald Hüther. Auch ein Buch von Richard David Precht passt in diese Welt (Anna und die Schule heißt es glaube ich, wie passend zum Artikel hier ;).

      Methodos viel auch schon. Sucht nach der Schüler-Initiative. Diese resultierte auch aus einer Montessori-Schule.

      Und wenn gar nichts mehr geht:

      Ihr könnt jederzeit ein Jahr Freiwillige soziales/politisches/ökologisches/sportliches Jahr machen. Bundesfreiwilligendienst ist das Stichtwort. Auch Auslandsaustausch / Au Pair etc. kann etwas sein.

      Und nur weil ihr jetzt eine Abbiegung oder Auszeit nehmt, heißt es nicht, dass ihr „die Welt enttäuscht“ oder „euer Leben vergeudet“.

      Das deutsche Bildungssystem wird zurecht von uns allen scharf kritisiert. Aber ein gutes hat man:

      Es gibt immer noch einen zweiten und einen dritten Weg um alle erdenklichen Abschlüsse zu machen. Ich habe an einer Berufsakademie (jetzt Fachhochschule) bei einem Prof. studiert, der zunächst mal einen Hauptschulabschluss hatte und sich dann peu a peu weiter hoch gearbeitet hat.

      Es geht alles! Es gibt 1000 Wege zum Glück, sucht euren eigenen, nehmt euch die Zeit. Was das schwierigste ist: Die Fülle an Möglichkeiten. Vermutlich fragen sich viele:

      Und was ist wenn ich die falsche Entscheidung treffe?

      Mein Rat:

      Es gibt keine falsche Entscheidung! Fragt euch lieber: Was kostet es, wenn ich jetzt gar keine Entscheidung treffe? Sondern nur grübele, leide und mich verausgabe. Der Preis dürfte viel höher sein als viele falsche Entscheidungen am Stück.

      Es gibt immer wieder Chancen wieder den vorherigen Weg einzuschlagen oder Abschlüsse nachzuholen.

      Ehrlich gesagt bin ich wirklich traurig, dass es hier vielen so zu gehen scheint. Ich bin selbst 28 Jahre alt, habe mein Abi gemacht und dann ein duales Studium in einer Bank. Dort habe ich auch schon gezweifelt. Ich arbeite heute noch dort und werde erst dieses Jahr aussteigen. Ich habe seit dem Abi also fast 10 Jahre gebraucht um meine Berufung zu finden und den Mut zu entdecken aus dem System auszusteigen!

      Ich würde euch gerne helfen.

      Daher mein Aufruf an Ben:

      Kontaktier mich. Lass uns was tun und nicht nur Tipps geben. Ich habe folgende Ideen:

      – Ein Workshop für verzweifelte Schüler
      –> Wie finde ich raus, was ich wirklich will?
      –> Wie finde ich die Kraft durchzuhalten, bis ich meinen Weg gefunden habe?
      –> Wie bringe ich den Mut auf einen Weg zu gehen, den andere für verrückt halten?

      Vielleicht ein Video-Kurs, damit wir viele erreichen. Vielleicht aber auch ein Präsenz-Kurs, damit wir die Leute live mitnehmen können.

      Das geht so nicht, wir können die zauberhaften Blüten unserer Gesellschaft nicht in Hofflungslosigkeit verkümmern lassen!!!

      Oder du fängst schon einmal mit einem speziellen Notfall-Hilfe-Blogbeitrag an. Ich helfe gerne dabei, kostenlos versteht sich.

      Melde dich einfach bei mir!

      Liebe Grüße,
      Christopher

      P.s: Wer es nach (oder in die Nähe) von Hannover schafft, der darf sich gerne auch direkt bei mir melden. Dann organisiere ich „Erste-Hilfe“-Treffen!

      Ich baue gerade ein Netzwerk auf. Schaut es euch an: http://www.facebook.de/talententwickler

      Ihr findet mich bei Facebook auch unter „Chris Batke“. Ich helfe gerne!

      1. Hey Chris,

        super … pragmatischer Ansatz, das gefällt mir! Ich bin auch bei Schule im Aufbruch organisiert, im Düsseldorfer Team 🙂

        Regionale Treffen zu organisieren in Form von „Mini-Workshops“, wo Schüler herausfinden können, was sie wirklich wollen und was es dafür alles für Wege gibt … da biete mich gerne auch (ehrenamtlich natürlich) an!

        Denn: DAS macht soviel Sinn!!!! 🙂

        Liebe Grüße,
        Ulrike

        1. Liebe Ulrike,

          danke für deine Unterstützung =) Vielleicht magst du mal bei meinem Netzwerk vorbeischauen? Dort versammle ich derzeit alle Leute, die in diesem Bereich (und anderen spannenden sozialen Projekten) etwas bewegen wollen.

          Wir sind zwar derzeit auf Hannover spezialisiert aber ich habe auch jemanden aus der Regionalgruppe Schule im Aufbruch aus unserer Ecke dabei. Ich bin sehr an den Methoden interessiert, die Schule im Aufbruch in die Schulen bringen will. Vielleicht gibt es dort konkrete Ansätze, die für die von mir angedachten Workshops eingesetzt werden können?

          Ich würde mich freuen über Facebook oder via Email von dir zu hören!

          Alles Liebe,
          Chris

    2. Hallo Pia,
      Ich kann dich echt gut verstehen. Ich habe selber oft mit dem Gedanken gespielt, Schule abzubrechen. Aber es ist immer einfacher, sich vom Leben treiben zu lassen und einfach weiter zu machen wie bisher. Und ich kann gut nachvollziehen, dass du nicht weißt was passiert wenn du tatsächlich mit der Schule aufhörst. Aber warum machst du nicht einfach zwischen der 10. Klasse und der Oberstufe ein Jahr Pause? Mit dem Abschlusszeugnis der zehnten hast du am Gymnasium automatisch eine Art Mittlere Reife, und du kannst nach einem Jahr vielleicht eher feststellen, ob du wirklich etwas studieren willst und ein Abitur brauchst.

      Vielleicht ist das eine Option, über die du mal nachdenken willst. Ich selbst bin in der elften und bereue es schon ein bisschen, diese Möglichkeit genutzt zu haben.

      Liebe Grüße, Ela

    3. Hallo Pia
      Ich habe selten so einen wirren Kommentar gelesen. Du erwähnst fortwährend, dass du dich vom „System“ in ein Schema gedrückt fühlst oder dass dich dieses „System“ kaputt macht.

      Nun, das System ist so „diffus“ auch wieder nicht. Es gibt gewisse Bedingungen, die notwendig sind, um einen „Weg“ einzuschlagen. Bist du gegen das System, dann ist auch die „Ausbildung“ im vom System vorgesehenen Plan keine Option für dich.

      Weltentdecker, schon gar nicht mit 15 Jahren, haben selten „Geld verdient“ mit herum reisen, indem sie vorrangig mit Strukturen gebrochen haben. Vielmehr fühlten sie sich ihrer Berufung verpflichtet – die objektiv betrachtet Keim jeder Idee oder jeder „Entwicklung“ ist. Mit 15 Jahren bist du in den meisten Ländern gar nicht fähig dort legal zu leben, zu arbeiten oder überhaupt ohne elterliche Erlaubnis das eigene Land zu verlassen.

      Weißt du eigentlich irgendetwas, oder ist die Schule einfach „doof“? Versteh‘ mich nicht falsch. Wenn du eine klare Vorstellung formulieren kannst, wie die Zeit nach der Schule aussehen soll, dann nichts wie raus aus der Schule. Bis dahin würde ich allerdings einen „Abschluss“ machen, mit dem du letztendlich dir die Möglichkeit offen hältst, vielleicht doch Teil des „Systems“ zu werden.

      Ich kenne nun schon einige „Aussteiger“, die nach der 12. Klasse aufgehört haben (G9) und mit Fachabitur zuerst eine Ausbildung und dann in ihrem Ausbildungsgebiet studiert haben. Für diese war es rückblickend die richtige Entscheidung.

      Überlege dir also zuerst, was folgen soll, bevor du einfach in die Kerbe „Schule ist doof“ schlägst.

      1. Hej Nik,
        ich habe in der Schule noch nie gelernt wie ich einen schönen und nicht wirren Text schreiben soll. Zurzeit bin ich dabei, das selber zu lernen, indem ich viele Texte schreibe. Auch das gute Argumentieren wurde mir in der Schule zwar beigebracht, aber ich habe es nie so verstanden, wie ich es verstehen würde, wenn ich es aus eigenem Interesse gelernt hätte. Ich weiß es theoretisch, aber kann es praktisch nicht anwenden. So wie es in der Schule für mich oft ist…

        Ja, ich bin gegen das System. Ich möchte keine Ausbildung im System machen, es gibt andere Wege um mein Leben glücklich in der Zukunft zu leben. Ich sammel jetzt schon viele Kontakte und Erfahrungen außerhalb der Schule, die mir später sicher weiterhelfen werden. Ich habe auch schon Pläne für meine Zukunft, ich habe schon viel nachgedacht und nachgeforscht wie ich spezielle Dinge erreichen kann. Ich fühle mich gut vorbereitet um mein EIGENES Leben zu leben, ein selbstbestimmtes Leben, indem ich mein Potenzial voll ausschöpfen kann und indem ich herrausfinden kann, wie ich in die Gesellschaft reinpassen kann, ohne dass ich mich von ihr verbiegen lasse.

        Ich könnte viel schreiben über meine Pläne, meine Ideen und meine Ansicht zu meiner Zukunft, das würde hier aber zuviel werden 🙂 So wie du schreibst, ich solle raus aus der Schule wenn ich eine klare Vorstellung von der Zeit nach der Schule habe, müsste ich jetzt sofort daraus und mein Ding machen. Aber das ist ja das Problem: Ich traue mich nicht 🙁

  7. Hallo in die Runde,

    puh, schwieriges Thema. Schwierig auch, weil wir durch diese Email nur eine Handvoll an Informationen erhalten. Ich versuche mal meine Gedanken dazu zu formulieren:
    Wer hat sie damals zum Psychologen schicken wollen und warum? Waren es die Eltern? Deren Gründe zu kennen wäre hilfreich. War es Sorge, weil es aus ihrer Sicht ein plötzlicher Sinneswandel war? Weil sie nur diesen Weg kennen (Schule-Abitur-Ausbildung/Studium-Job)? Und was wäre so schlimm daran, zum Psychologen zu gehen? Sie sagt ja selber, dass sie gar nicht weiß, was sie will. Nur weil man zum Psychologen geht, ist man ja nicht gleich verrückt. Wenn es von den Eltern ausgeht, vielleicht rausfinden was die Gründe sind. Sich gemeinsam hinsetzen und drüber reden. Vielleicht haben sie ja auch Ideen? Ich selber habe 2 mal in der 13. Klasse abgebrochen und meinen Eltern war einfach wichtig, dass ich irgendwas mache und nicht einfach nur rumhänge (denn das bringt einen auch nicht weiter). Wie können die Eltern die Tochter unterstützen?
    Und wenn die Eltern definitiv nur diesen Weg wollen, was ist Anna bereit dafür zu zahlen? Auszug? Schwieriges Verhältnis? Unterhalt mithilfe eines Anwalts einklagen? Das ist eben die Frage: Was ist man bereit zu zahlen? Wieso wollte sie damals nicht zum Psychologen? War der Preis zu hoch?

    Ich weiß, dass einem in dem Alter solche Sachen sehr schwer fallen können. Ich hab das alles durch und jetzt mit 29 ist es einfacher darüber zu schreiben, als es damals war. Aber es hat mich auch stark gemacht 🙂

    Anna sagt, sie weiß gar nicht was sie eigentlich will. Welche Möglichkeiten gibt es, das rauszufinden? Wie wäre es mit einem Jahr Auszeit? Praktika, FSJ, Ausland?

    Ich finde es gut, dass Anna schon in diesem Alter über solche Fragen nachdenkt. Ich bin im ersten Schritt immer für den Weg, gemeinsam mit seinem Umfeld nach einer Lösung zu suchen anstatt gegeneinander. Denn der erste Weg kostet nicht nur weniger Kraft, sondern man bekommt auch noch Unterstützung. ich wünsche Anna, dass sie diese in ihrem Umfeld findet und es schafft, sich mitzuteilen, sich zu erklären (ist etwas anderes als sich zu verteidigen!!!) und einen Weg zu finden!

    Liebe Grüße
    Esther
    (die übrigens mitlerweile froh ist, im 3. Anlauf doch das Abi gemacht zu haben 🙂 )

  8. Liebe Anna,
    Ich finde es klasse, dass du deine Gedanken so offen und ehrlich teilst! Ich selbst war zuerst auf der Hauptschule und habe dann nach einem Jahr auf Anraten sämtlicher Menschen in meiner Umgebung auf das Gymnasium gewechselt, wofür ich sogar noch eine Sondergenehmigung brauchte. Und bereits in der 7. Klasse fing ich an dem Wechsel zu bereuen und fragte mich für die nächsten Jahre ständig WOFÜR?? Wofür brauche ich das alles, und noch viel wichtiger: brauche ich das WIRKLICH? Es kam wie es kommen musste: ich brach nach der 10. Klasse ab und ging Übergangsweise auf die FOS, weil ich auch noch nicht wusste was ich überhaupt möchte. Nach diesem Jahr fing ich eine Lehre als Friseurin, welche mir auch nur wenig Freude bereitete. Aber die Gesellschaft, Eltern, etc. man müsse eine Lehre machen/studieren! Mittlerweile habe ich gemerkt, dass mich dieser Beruf nicht erfüllt und nach meinem Umzug in ein neues Umfeld fühle ich mich frei mich umzuorientieren, und das zu leben was sich FÜR MICH gut anfühlt!
    Liebe Anna, ich kann dir nur einen guten Rat geben: entscheide selbst, vertraue auf dein Bauchgefühl und deine Fähigkeiten. Lass dich nicht von außen beeinflussen und lebe dein eigenes Leben wie es sich für dich gut anfühlt!

  9. Hallo Anna, Hallo Ben

    Ich finde echt Klasse, dass Ihr euch entschieden habt, diese Gedanken zu teilen. Das zeugt nicht nur von Mut und Stärke. Auch ich hatte entschieden, nach der Lehre mein Abitur nachzuholen, aber habe mich während der ersten Monate schon dagegen entschieden und das ganze Projekt wieder sausen lassen.

    Das ist jetzt etwas über ein halbes Jahr her und bereue nicht, diesen Schritt gegangen zu sein, auch wenn ich mich im Moment in meinem 9 to 5 Job mehr als Unwohl fühle, aber der Job hat mich weiter gebracht, wenn auch „nur“ als Mensch. Ich habe gelernt, das beste aus meiner Situation zu machen und ermögliche mir mit dieser Arbeit meinen Traum einer Auszeit, in der ich nur mit dem nötigsten im Rucksack durch die Weltgeschichte reise.

    Also Anna, nach das beste aus deiner Situation und mach dein Ding halt ersteinmal in der „light“ Variante. Beispielsweise in den Ferien oder in Form eines Praktikums.

    Gruß Stefan

  10. Hey Leute,
    jetzt melde ich mich auch mal zu Wort…. Ich bin es die ANNA.
    Erstmal DANKE, an alle die sich so viele Gedanken machen. Ich bin wirklich gerührt und es tut gut, dass es Menschen gibt die mich verstehen.
    Zu der Sache mit dem Psychologen: Das kommt in der e-mail tatsächlich sehr negativ an, war es aber nicht. Ich habe bei unserer Schul-Psychologin viel über meine Angst gelernt. Dabei ging es hauptsächlich um Prüfungsangst und die Angst vor dem Versagen. Es hat mir gut getan mit ihr zu reden und es hat mir wirklich geholfen.
    Jedoch, und das ist das Entscheidende: Hat die Psychologin gesagt, das ein Schulabbruch nicht in Fragen kommt. Ich glaube in diesem Moment wurde mein eigentliches/r Bedürfnis/Wunsch/Problem nicht erkannt.

    Wenn ihr noch etwas über mich wissen wollt, dann schreibt mir doch eine e-mail. Ich werde versuchen alle, so gut ich kann, zu beantworten.

    Vielen Dank, nochmal.
    Ihr seid super.

    Anna

  11. Hey Anna,

    deine Situation hat mich sehr an meine vor einigen Wochen erinnert. Ich bin 19, hatte die 11. Klasse bereits wiederholt und mich letztendlich trotzdem dazu beschlossen die Schule abzubrechen. Das war letzten Monat. Ich muss sagen, die Entscheidung hat mir gut getan. Trotz der Frage wie es weitergeht, bin ich glücklich. Ich habe endlich Zeit mein Potential richtig zu ergründen und auszuschöpfen.

    Das größte Problem am Schulsystem ist einfach, dass alle in ein Muster gepresst und auf Zahlen reduziert werden. Ich bin ein ein Mensch, den man wohl als „Technik-Nerd“ bezeichnen würde. Ich arbeite seit Februar als Verkaufsberater in einem Elektronikgeschäft in der Leipziger Innenstadt, ganz ohne Kaufmännische Ausbildung oder Erfahrung. Eingestellt wurde ich dort, so wie die anderen Aushilfen, auf Grund meiner Begeisterung für Technik. Haben mir die letzten Jahre in der Schule dabei geholfen? Nein! Seit letztem Sommer bringe ich mir außerdem selbstständig einige Programmiersprachen bei, habe Erfahrungen in Webdesign, Grafikdesign, 3D Modeling gesammelt und habe vor Kurzem die Arbeit an meinem ersten eigenen Videospiel aufgenommen. Den Informatik Unterricht konnte ich seit zwei Jahren nicht besuchen, da an meiner damaligen Schule kein entsprechender Kurs zu Stande kam (stattdessen wurde ich zum Gesellschaftskunde Unterricht gezwungen).

    Wichtig für dich ist meiner Meinung nach nur eine Sache: du brauchst ein Ziel, einen Traum. Und wenn dieser erstmal darin besteht ein paar Wochen in einem Bonbonladen zu arbeiten. Was spricht dagegen?

    Klar spielt da Geld auch eine große Rolle, das Problem kenne ich nur zu gut. Wobei ich das große Glück habe, von meiner Familie trotz allem unterstützt zu werden. Die Frage jedoch ist, willst du ein unglückliches, aber sicheres Leben führen, oder ein Risiko eingehen und dafür die Chance auf Glück haben?
    Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die Schule für Unglück sorgt. Bei dir scheint genau das aber der Fall zu sein. Genauso wie bei mir.

    Viel Glück und Liebe Grüße
    Tom

    P.S. Da du 18 und somit volljährig bist, bist du auch nicht mehr schulpflichtig. Niemand kann dich also rechtlich dazu zwingen auf der Schule zu bleiben.

    1. Hallo Tom,

      kurzer Hinweis: man ist bis zum Ablauf des Schuljahres schulpflichtig, in dem man 18 geworden ist – wichtig zu wissen! 😉

      Wenn man also Pech hat und kurz nach dem Stichtag (ich meine, es wäre der 1. September) seinen 18. Geburtstag hat, dann hat man leider noch das ganze nächste Schuljahr „Pflicht“ statt „Kür“ …

      Liebe Grüße, Ulrike

      1. Ok danke fürs Korrigieren. 🙂
        Wobei ich mir auch gut vorstellen kann, dass das ebenso wie das Schulsystem vom Bundesland abhängig ist.

  12. Hi Anna, Hi Ben !

    Ich würde sagen ich kenne diese Sotuation da ich mich selbst in einer ähnlichen befinde.
    Ich bin zwar noch etwas jünger als du Anna aber ich überlege schon seit einiger Zeit auch die Schule zu verlassen denn die Zeit die ich dort verbringe könnte ich anders nutzen und mir selbst einteilen was, wann und wie ich lerne. Denn ich muss sowieso alles zuhause lernen und in der Schule bekomme ich auch noch vorgesetzt was ich wann und wie zu lernen zu können und zu tun habe.. Es gibt nämlich keine Schule die meine Interessen alle abdecken kann, und somit mache ich das dann in meiner Freizeit wenn ich nach dem lernen noch welche habe.
    Ich bin zwar nicht mehr in der Pflichtschule wie du, denn in Österreich endet die Schulpflicht nach der 9. Schulstufe also mit 15.

    Mein Tipp wäre dass du nach dem letzten Pflichtchuljahr die Schule verlässt und dich deinen Interessen widmest. Und viele Leute verstehen es einfach nicht dass man auch ohne Schule lernen kann und die einen dann, für wie on deinem Fall, wo es meiner Meinung nach sehr extrem ist, verrückt oder ähnliches hält.

    Liebe Grüße und ich hoffe es ist ein wenig hilfreich.

    Eure Julia 🙂

  13. Liebe Anna, liebe Anderen!
    Erstmal: Ich finde es sehr cool, dass ihr eure Meinung hier öffentlich macht und darüber erzählt wie es euch in der Schule geht/ergangen ist. Wenn wir Schule weiterentwickeln wollen, ist es wichtig zu wissen wie SchülerInnen darüber denken. Schließlich seid ihr es denen dort ihr Recht auf Bildung ermöglicht werden soll.

    Da ich mich in meiner Arbeit beim Österreichischen Institut für Kinderrechte gerade mit dem Thema „Schule aus SchülerInnenperspektive“ beschäftige, interessiert mich das sehr. Wobei ich mich besonders damit auseinander setze WIE Schule/Lernen/Bildungsvermittlung/Bildungsaneignung aus der PERSPEKTIVE von SCHÜLERiNNEN optimalerweise gestaltet werden sollte. Deswegen meine Frage an die SchülerInnen unter euch: Wie müsste eine Schule sein, in die ihr gerne gehen würdet? zB: Wie würdet ihr gerne lernen? Was würdet ihr gerne lernen? Bzw. Wie sollte die Entscheidung gefällt werden, was wer gerade lernt? Von wem würdet ihr beim Lernen gerne unterstützt werden? Wie sollte die perfekte Lehrerin/der perfekte Lehrer sein? Wie sollten Schulräumlichkeiten gestaltet sein? Oder allgemeiner: Wo würdet ihr gerne lernen?

    Natürlich freue ich mich auch über eure Ideen abseits dieser Fragen…

    Ich bin gespannt auf eure Anregungen.
    Bitte postet sie hier oder schickt sie per Mail an: marion.hackl@ikeb.at

    Liebe Grüße,
    Marion

  14. Hallo Anna und Ben!
    Also erstmal Hut ab! Ich weiß ja wie schwer es ist solche Gedanken anderen mitzuteilen. Ich bin denselben Weg wie du gegangen.
    Jetzt seit mehreren Wochen gehe ich nicht mehr zur Schule, obwohl ich ja „nur noch“ 1 1/2 Jahre gehabt hätte bis zum ach so hoch gelobten Einser Abi womit einem dann angeblich alle Türen (ja die Türen der Hochschulen vermutlich schon 😉 ) offen stehen und man frei sein kann… Aber ich entschied mich bewusst dagegen – denn es machte mich fertig jeden Tag auf’s neue sinnlos in der Schule vor mich hin zu vegetieren. Seitdem ich mich entschieden habe geht es mir unglaublich viel besser! Zurzeit mache ich einfach mal „NICHTS“ (d.h. ich mache all das wofür ich nie Zeit hatte: fotografieren, singen, extrem viel lesen etc.) – auch schön! Es dauert bis man weiß was man möchte und genau das ist gut! Es bringt nichts wenn man dann nur halbherzig eine Ausbildung, ein Praktikum oder ein FSJ anfängt – erst muss man sich erholen! 😀 So, und ich möchte auch gerne noch etwas zu Fragen in den Kommentaren sagen: Ich wurde auch zu einer Psychologin geschickt, als ich meinen Entschluss der Schulleitung mitteilte. Ich bin aber nicht hingegangen, denn es ist einfach absurd das junge Menschen als „verrückt“ oder sonst was abgestempelt werden nur weil sie einen anderen Weg einschlagen als die Masse. Ja, unser System ist krank und nicht die Menschen die daran zweifeln (und es werden immer mehr). Man kann auch ohne Abitur leben, da gibt es ja wohl tausende Beispiele dafür, und ist es nicht viel interessanter zu Fragen ob zukünftig Abschlüsse dieser Art überhaupt noch nötig sein werden?!!
    Je mehr Menschen so mutig werden wie Anna oder Ben und ihre Erfahrungen, Wünsche, Ängste und Zweifel teilen, umso schneller wird sich auch etwas verändern können. Es muss wenigstens erstmal bekannt werden, dass es keine Ausnahme ist etwas am „normalen Weg“ zu bezweifeln! Aber es müssen noch mehr Leute werden die endlich zugeben, dass unser Schulsystem nicht „normal“ ist und Veränderung nötig hat!
    Viele Grüße an euch Beide! Weiter so! 🙂

  15. Liebe Anna,
    schön dass du den Mut hast so offen darüber zu sprechen.
    Zu meiner Schulzeit war ich in einer ähnlichen Situation.
    Meine Leistungen waren in Ordnung, ich kam mit allen Schülern und Lehrern gut zu recht, ich war auch voller Motivation und Interesse, aber es gab etwas in mir dass sich immer wieder gegen die Schule „gewehrt“ hat. Ich musste fast zwei Jahre lang zum Psychologen und habe versucht das Gefühl weg zu kriegen, aber es ging einfach nicht. Ich habe die Schule abgebrochen und wieder angefangen.. mehrere Male.. ich wollte umbedingt mein Abi machen um zu studieren.
    In der 12. habe ich dann die Schule komplett geschmissen.

    Dann habe ich eine Ausbildung gemacht und kam dabei wieder in diese Spirale und habe den Job nach 2 Jahren geschmissen. Niemand verstand mich wirklich weil von Außen alles super aussah… aber nicht in mir drin..
    Laut Psychologe ist es eine „Anpassungsstörung“. Mittlerweile denke ich eher, dass es purer, gesunder Menschenverstnd ist 😉

    Jahre lang habe ich versucht heraus zu finden, was mit mir nicht stimmt. Warum kommen alle mit der Schule so gut klar und warum wehre ich mich so dagegen? Mottlerweile denke ich, dass Leuten denen es so ergeht, sich einfach eingesperrt fühlen und missverstanden. Ich denke wir reagoeren sehr emotional auf Dinge, die wir nicht wollen. Das ist keine Störung, das ist eine Stärke! Vielleicht wissen wir nicht direkt was wir wollen, aber zu mindest haben wir ein Gespür für das, was wir nicht wollen.

    Du musst dein Leben nicht in diesem vorgegebenen System leben. Du musst nicht dein Abi machen und dann an die Uni gehen. Meistens wollen wir das eh nur, weil es in unserer Gesellschaft, in der Familie und bei Freunden so sehr anerkannt wird. Es gibt andere Wege um das zu erreichen was du willst. Wenn du frei sein willst, dann sei frei und lass dich nicht von Äußerlichkeiten runter ziehen.

    Wenn dein Gefühl dir sagt „nein“ dann glaube ruhig daran. Man muss nicht immer den schwersten Weg gehen. Mir wurde gesagt, dass ich lernen müsse mich an zu passen und dass ich mich meinen Ängsten stellen soll. Sich seinen Ängsten zu stellen ist genau richtig, aber das heißt nicht weiterhin der Herde zu folgen. Nur weil du ein schlechtes Gefühl hast, heißt es nicht es seien deine Ängste. Die Ängste bestehen eher darin für sich selbst ein zu stehen, denn das braucht Mut.

    Du bist schon an dem Punkt an dem es eh kein zurück mehr gibt. Du willst frei sein deinen Weg zu gehen. Also ist es alles nur eine Frage der Zeit.

    Frage dich was du wirklich willst und wie du leben willst und dann tu es. Egal was andere denken. Sei ein Vorbild für diejenigen, die nach dir kommen. Gehe deinen Weg.. es ist ja dein Leben 🙂

    Ich habs auch hingekriegt und das bei massenweise Zweiflern 😀

    Wenn du nicht mehr zur Schule gehen möchtest, weil du andere Dinge tun wilst und sei es nur Reisen oder sonst was, Dann schmeiß die Schule und mach dein Ding. Du bist 18 und kannst tun und lassen was du willst. Es kann sein, dass viele dagegen sind aber es geht dabei um dich und nicht um andere. Nutze deine Talente. 🙂

    Mach bei einem Volunteer Programm mit, Reise, Jobbe oder was auch immer. Geh in Leben hinein und weg von der Schulbank. Das Leben ist Praxis und nicht nur Theorie. Zur Not kannst du immernoch dein Abi nachholen. Alles ist möglich.

    Ich wünsche dir alles Liebe 🙂

    Isi

  16. Hey Anna und Ben,

    Ich habe mir die anderen Kommentare nicht alle durchgelesen, viellecht war es schon dabei, veilleicht auch nicht. Ich würde dir jedenfalls folgendes empfehlen:

    Finde heraus, was du gerne tun würdest, auch wenn dich niemand dafür bezahlen und dir kein Mensch seine Aufmerksamkeit dafür schenken würde und tue es.

    Das ist schnell geschrieben, aber nicht so schnell gemacht, weil es ein Prozess ist. Aber du kannst damit beginnen, während du einem bereits eingeschlagenen Weg folgst. Und das gute daran ist, dass du es auch am besten dann herausfindest, wenn dich wirklich niemand dafür bezahlt =) Wenn die Zeit dann reif ist, nimmst du die nächste Ausfahrt und konzentrierst dich mehr darauf.

    Wenn du so etwas findest, wirst du automatisch erfolgreich darin sein, weil du es um der Sache willen tust und nicht wegen etwas anderem. Du wirst automatisch glücklich und zufrieden sein, weil du selbstbestimmt lebst und du wirst ein erfülltes Leben haben, weil du es dir selbst erfüllst. Außerdem wirst du für eine tiefere Überzeugung leben und dich nicht mit der Frage nach deinem Lebenssinn quälen müssen.

    Im Grunde könnte man mit Ben’s Worten sagen: finde „dein Ding“ und mach es!

    Liebe Grüße

    Norman

  17. Liebe Anna, lieber Ben,
    danke für Deine Offenheit, Anna.
    Die Schulpflicht für Dich endet im Sommer, zuvor ist bei einem evtl Abbruch („Schulverweigerung“) in der Tat der Psychologe verpflichtend.
    Es ist schade; manche finden in der Schule „ihr Ding“; die meisten leider erst danach mühsam wieder.
    Es sollte eigentlich nur eine Wahl sein, die man trifft, zur Schule zu gehen – und wenn, dann auch zu einer Schule nach Wahl 😉 Leider stehen momentan noch die Gesetze aus dem Jahr 1938 (sic!) dagegen, aber eine immer grösser werdende Zahl an jungen Menschen sucht sich ihren Ausweg schon während der Schulzeit.
    Es ist nichts falsch an Dir, Du suchst Deinen Weg und ich bin sicher, Du wirst ihn finden. Und Du bist nicht allein, es gibt viele junge Menschen und Kinder, denen es ähnlich geht.
    Falls Du tatsächlich die Schule nicht mehr besuchen möchtest, da gibt es inzwischen Unterstützung, z.B. http://www.bvnl.de, http://www.freilernersolidargemeinschaft.de, andere Freilerner findest Du unter http://www.schulfrei-community.de und ich informiere unter http://www.freilern-blog.de (alles auch auf Facebook).
    Einen Abschluss kannst Du auch schulextern machen, und auch methodos.de wurde hier ja schon genannt. Vieles kann man mittlerweile auch ohne Abitur studieren, auch Ausbildungsplätze gibt es (sh DB-Initiative). Und auch sonst gibt es Alternativen, sh zB Ben 😉
    Oder zur Uni auch zB letzte Ausgabe („Lebenslang lernen“) des http://www.unerzogen-magazin.de (manche Artikel online).
    Da sind viel ganz alte Ängste der Elterngeneration am Start leider.
    Wenn Du noch etwas wissen willst oder brauchst, melde dich.
    Alles Liebe für Dich
    Lena (derzeit in Portugal mit schlechtem Inet, falls ich also nicht sofort reagiere, liegt es daran)

  18. Hi Anna und Ben,

    Erstmal Respekt an Anna für deinen Mut und deine Offenheit.
    Mir geht/ging es genau so wie dir. Ich sitze in der Schule und frage mich ständig: Wofür und Warum das Ganze?? Ich kann nicht in einem (Schul-)System lernen und arbeiten, welches auf Angst und Einschüchterung basiert und seine Wurzel im 19. Jahrhundert hat.
    Auch ich muss noch 2 Monate die Schulbank drücken, um die Gesellschaft zufrieden zustellen. Doch danach werde ich nicht dem status quo folgen. Denn ich weiß jetzt ganzgenau, was ich machen will: Ich werde meinen Leidenschaften folgen.
    Mein Tipp an dich: Finde deine Leidenschaft und folge ihr. Das Geld und die Annerkennung werden automatisch folgen. Konzentriere dich nicht auf die Schule, sondern auf das, was dich wirklich interessiert.
    Es macht keinen Sinn sich sein Leben lang vom System runtermachen zu lassen, sondern man sollte das Leben in vollen Zügen genießen.
    Vor 6 Monaten wusste ich auch nicht, was wirklich meine Leidenschaft ist.
    Durch monatelanges intensives Denken und Zweifeln (ähnlich wie Ben) kenne ich letztendlich meine Leidenschaft und ich bin unendlich froh darüber. Ehrlich gesagt habe ich aber nie mit dem Zweifel aufgehört.
    Ob du nun die Schule abbrichst oder nicht, das kannst nur du für dich selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass du dich nicht von der Schule „auffressen“ lässt und du dir nicht zu viele Gedanken über andere machst!
    Ich bin überzeugt, dass auch du mit der richtigen Einstellung den Weg aus dem System in ein wundervolles und erfülltes Leben schaffen kannst.

    PS: Mach doch ein Auslandsjahr, um dich zu orientieren und um dich „selbstzuerfinden“.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Jonas

  19. Hallo Anna und Ben!

    Meine Mutter teilte mir diese Seite mit dem Kommentar „Schau mal…eine verwandte Seele“ und ich habe mir brav (OCD lässt grüßen) jeden Kommentar durchgelesen bis hier ganz unten wo die Option „Eine Antwort verbrechen“ erscheint.

    Ich muss gestehen, ich musste lachen. Vor Verzweiflung. Da bin ich nun mittlerweile 36 Jahre alt und an der ganzen Nummer hat sich nichts geändert – viel schlimmer, die nächste Generation flutscht in das gleiche Sieb und passt nicht. (Kreis, Quadrat, Dreieck, das muss an Vielfalt genügen.)

    Die große „Abiturmüdigkeit“ erwischte uns kollektiv in der 11ten Klasse. Das Ringen mit den Wahlpflichtfächern hatte uns so derartig ausgehölt, dass Goethe, Kurvendiskussionen und Mendel mit seinen Fruchtfliegen einfach 1A an uns vorbei flogen.
    „Wozu?“
    „Weil das wichtig ist.“
    „Ok, aber für was?!“

    „Wahlpflichtfächer“ bedeutete für mich damals essentiell:
    – ich soll nach meinen Neigungen gehen, was mich interessiert- und für jedes Fach, welches mich interessiert, bekomme ich als Gegenmaßnahme eine Kreuzkomplikation aufgebrummt. Wie ich aus dem Chaos später einen Beruf, einen Lebensunterhalt, ein „Ich“ stricken sollte, war mir unklar. Diese Unklarheit war mir unheimlich.
    Wir waren uns sonst in nichts einig (Israels Politik, Zigarettenmarken, Kommunismus), aber der allgemeine Konsens war: „das“ ist wichtig. Das mit dem Leben und so. Da waren wir uns auch überraschender Weise mit den „Erwachsenen“ einig. Nur hat jeder von uns etwas anderes verstanden unter „Leben“ und „wichtig“ und „Ich“.
    Mein Mathelehrer verstand darunter, dass er Casino-Chips in die Schule bringt, um uns die Wahrscheinlichkeitsrechnung am (nicht-)lebenden Objekt zu demonstrieren. Unzählige Würfeldrehungen und mehrere Stunden später hatten wir gelernt, dass die Wahrscheinlichkeitsrechnung „A“, die Realität „B“ sagt und der Mathelehrer darauf besteht, dass aus „A“ „B“ wird, wenn man es nur lange genug versucht. Das ist wundervoll. Inspirierend. Oder eben nicht.
    Ich bin aus meiner persönlichen „Abiturmüdigkeit“ nur aus zwei Gründen gekommen:
    1. das ich aufgrund ausgiebigem Schwänzens auf 3 Punkten in Gemeinschaftskunde stand (Achtung: Prüfungsfach, Leistungskurs!) – DAS piekste meinen Stolz. (Weil sich alle einig waren, dass ich es nicht schaffen könnte, dieses Ruder bis zum Abitur herumzureißen. Ich muss mit Marty McFly verwandt sein)
    2. das meine Mutter Stein und Bein schwor, dass sie ALLES tolerieren würde, was ich nach dem Abitur machen würde „aber hol dir diesen Schlüssel – ob du ihn je benutzt ist deine Sache, aber JETZT ist er zum Greifen nahe“ (Ihre Analogie bezog sich auf den Schlüssel zum Studium)

    Ich habe seit der 11. Klasse dadrüber gebrütet, was ich mit mir anfangen soll. Als ich mein Abiturzeugnis feierlich überreicht bekam, erhielt ich gleichzeitig meine Rentenbescheinigung. Wie passend. Und ich wusste immer noch nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Meine Klassenkameraden fingen fröhlich ein Studium der romanischen Sprachen oder eine Banklehre an. Manche gingen ins Ausland, einige jobbten. Ich verfiel in Schreckstarre. Ich hatte bestanden und vor mir öffnete sich die große, große Welt – und ich wusste mit ihr (immer noch!) nichts anzufangen.
    Um IRGENDETWAS zu tun, lernte ich Grundbuchhaltung an der VHS. Ich fürchte mein damals schon betagter Mathelehrer zählt bereits die Radieschen von unten und ich hoffe er rotiert nicht im Grabe – er hatte mich mit 3 Punkten in Mathe in das Leben entlassen und ich lernte Bilanzierung. Und ich war gut darin! Preiskalkulationen? Lohnbuchhaltung? Immer her damit. Finanzrecht? Aber gerne doch!
    Mein Abschluss an der VHS befähigte mich NICHT zu einem Job, also entschied ich, eine kaufmännische Lehre zu machen, damit ich das, was ich gelernt hatte (und was mir Spaß machte!) benutzen durfte. Aber etwas spannendes sollte es sein – Schifffahrtskauffrau also! 11 Bewerbungen bei Kontoren, 11 Vorstellungsgespräche und erst im 11ten Gespräch wurde mir leicht pikiert gesagt, dass meine Qualifikationen für eine Lehrer ausreichend wären – aber ich sei eine Frau und damit …ungeeignet.
    Da standen wir wieder, Welt und ich, starrten uns an und steckten fest. Er will. Sie nicht. Er will Sie nicht.
    Eine Runde Selbstfindung weiter: Bewerbung um eine Lehrstelle als Krankenschwester. Was vollkommen anderes. Aber ich will gebraucht werden, helfen, bewegen – das geht da auch.
    Im Vorstellungsgespräch sagte man mir, ich wäre zu „verkopft“ für diese Lehre und „überqualifiziert“. (Immerhin hat sich niemand über mein Geschlecht beschwert, ein Fortschritt)
    Trotzdem 2 Tage später die Zusage im Briefkasten. (Verstehe das, wer will. Ich nicht.) Also auf zu neuen Ufern, zurück in die Schule! Wieder Frontalunterricht, Überforderung und Unterforderung sitzen nebeneinander und tuscheln; wir lernen alles mögliche dreimal, manchmal viermal, mitunter verlieren wir den Überblick…. warum haben wir das „Kommunikationsquadrat“ 6x in drei Jahren, aber nur einmal klinische Psychologie? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    Stoff der für uns und unsere Patienten im wahrsten Sinne des Wortes „überlebenswichtig“ ist, geht unter, aber für Schönschrift im Unterricht ist immer Zeit. Und wir schuften. Mein Gott, wie wir schuften. Durch Blut und andere Körperflüssigkeiten und kein! einziger! Psychologe! der die Frischlinge! nach dem Praxiseinsatz! auffängt! – bitte eine kurze Schweigeminute für den gesetzlich erlaubt frühesten Antritt einer Lehre von 15 Jahren.
    Ich habe diesen Beruf geliebt, aber er hat mich zerfressen; meinen Rücken und meine Seele. 2011, 12 Jahre nach dem Abitur hieß es: zurück ans Reißbrett. Houston, wir brauchen einen neuen Plan. Aus „Ich“ war inzwischen „wir“ geworden, es galt also nicht mehr nur mich satt zu machen und zu ernähren. So klein waren meine Träume geworden. Satt. Trocken. Sicher.
    Diesmal sollte es ein sicheres Blatt sein, was ich spielen würde. Kein Risiko. Nur Sicherheit. Und bitte nett spielen. „Bürokauffrau“, sagte ich dem Berater vom Arbeitsamt brav. Er nickte gnädig. Es brauchte noch ein wenig mehr (demütigende Untersuchungen vom Amtsarzt, endlose Beratungsgespräche), aber ich bekam meine Chance. Oder sagen wir: eine Anzahlung darauf. Eine Orientierungsmaßnahme, damit ich herausfinden konnte, was ich wollte. Konnte. Durfte. Wir durften… Alzheimer-Trainingsprogramme am Computer absolvieren. Und Haushaltskunde. Wir durften lernen, wie man Essen kocht (vorher einkaufen, nicht vergessen!)
    Und dann traf ich endlich, ENDLICH einen Seelenverwandten. Ein Sachbearbeiter (Recht) in einer Firma in der ich ein Praktikum machen musste/konnte/durfte. „Bürokauffrau?“ fragte er mich ungläubig (er kannte mich schon geschlagene 2 Tage). „So ein Unsinn – Sie können doch viel mehr!“ (Er selbst hatte einen bunten Werdegang hingelegt, der meinem in nichts nachstand – und er fand das überhaupt nicht beunruhigend.) Nach langem Ringen bekam ich tatsächlich eine Umschulung bewilligt – zur Industriekauffrau. Das Schweizer Taschenmesser in jedem Betrieb. Kann alles, macht alles, soll alles. Wundervoll.
    Umschulung in der DAA, Modulare Weiterbildung, Klartext: du und der PC mit dem Modul, für zwei Jahre, dann Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Lernen in meinem Tempo. Lernen so viel ich will. Wie ich lerne – mein Problem. Hauptsache, ich habe am Ende der zwei Jahre in meinem Kopf, was ich wissen muss. Ich habe es geliebt. Ich konnte wechseln zwischen Lernvideos, Fragebögen, Sprachaufnahmen, Büchern, meinem interaktiven Modul. Ich konnte mir einen Dozenten vom Flur greifen und ihn bei einem Becher Kaffee löchern zu meinem aktuellen Thema.
    Zum ersten Mal habe ich gemerkt: ich lerne in Wirklichkeit schnell. Ich lerne schneller, wenn es mich interessiert. Ich lerne noch schneller, wenn ich das Tempo selbst bestimmen kann. Ich lerne schneller und besser, wenn ich die Information selbst noch einmal schreibe. Nach den ersten zwei Blasen an den Fingern habe ich Tastschreiben (10-Finger) gelernt. Ich wurde noch schneller.
    In meinem Berufs-Praktium (6 Monate, Voraussetzung für die Abschlussprüfung) habe ich über mich gelernt: Ich kann ALLES lernen. Baupläne lesen? Flurkarten? Architekten-Geheimsprache? Transformatoren-Technik? Arbeitsschutzrecht? Umzüge organisieren, Raumplanung…Ich bin vielfältig. Ich denke flexibel und schnell und es macht mir Spaß, Probleme von allen Seiten zu betrachten und dann Lösungen zu entwickeln, die penibel jeden Aspekt des Problems abdecken; die gleichzeitig für eine Verbesserung sorgen, umsetzbar, ökonomisch und effizient sind. Und an der Stelle trafen Welt und ich uns wieder: ich war „Ich“ und zufrieden damit, sehr sogar. Die Welt war wie immer. Und das war ok.
    Deswegen liebe Anna:
    Sei furchtlos. Dir ist alles mitgegeben was du brauchst. Herz und Hirn. Humor und Verstand. Jeder Stolperschritt, jede Abzweigung formt dich und DU entscheidest, was du da draus machst. Und du wirst es richtig machen – auf deine Weise. Rückschläge sind ok. Aufgeben ist auch ok. Umentscheiden ist ok. DU bist ok. Egal wohin du dich wendest, dir ist alles mitgegeben um daraus für DICH das Beste zu machen. Keine Erfahrung ist verschwendet. Kein Versuch ist umsonst.
    Vermeide nur Stagnation. Resignation. Wirtschaft, Seenökologie (Biologie-Prüfungsfach -.-) oder Medizin: Stagnation bringt nichts Gutes. Probiere!
    Ich bin jetzt Teamassistentin für eine wimmelnde Firma von Kreativen. Und auf die Frage wie stressresistent ich bin, kann ich flockig antworten: „So lange das Blut nicht spritzt, ist es nicht wild.“

      1. Liebe Ulrike, so im Nachhinein…*schielt zu dem epos* ist es doch etwas lang geworden… aber ich dachte mir, vielleicht hilft es jemandem, wenn ich einfach mal schildere, wie das aussehen kann, wenn man diese beängstigende Unentschlossenheit „lebt“ ^^
        Gruß, Katharina

      1. Hallo Artie,
        freut mich, wenn das ein wenig hilft! Die Krux ist ja, wenn man sich für 1001 Sache interessiert und die auch beim besten Willen keine gemeinsame Schnittmenge haben. Mich hätten auch folgende Berufe interessiert: Koch, Radiomoderator, Vorleserin, Chiropraktiker, Schreiner, Lehrerin, Sozialpädagoge. Noch vor einem Jahr habe ich mit einem Studium geliebäugelt (Bafög bis 35! wenn ein Grund für die Verschiebung eines Studienantritts vorliegt) und zwar „International Business Administration“. Alternativ auch Wirtschaftsingenieur (was unglücklicher Weise ein Ingenieursstudium voraussetzt) – das sind dann nämlich die Leute, die nicht nur bemerken dürfen, dass in einer Produktion etwas unrund läuft, nein, sie dürfen was dagegen tun. (Womit wir wieder beim Experten- und Fachkräftemangel wären)
        Aber generell verzweifeln automatisierte Fragebögen an mir und schlagen mir vor, ich solle mir noch einmal genau überlegen, was mich interessiert (habe ich, dankeschön).

  20. Wow, super viel Respekt für dich Anna! Du wirkst sehr erwachsen, viel reifer als ich es in diesem Alter war. Für mich war es damals keine Frage das Abitur zu machen, aber ich hatte z.B. einen Mitschüler, der nach der 12. Klasse geschmissen hat und es bis heute nicht bereut. Wir anderen haben das damals nur belächelt und uns ein bisschen über ihn lustig gemacht. Ich glaube er hat sehr viel Unverständnis geerntet. Aber darauf solltest du nichts geben! Du nur allein kannst wissen, welcher Weg der richtige für dich ist. Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht mehr willst, dann ist es wahrscheinlich einfach an der Zeit neue Wege einzuschlagen.
    Ich glaube du bist eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit, die noch weit kommen wird (egal ob mit oder ohne Abi)
    LG

  21. Liebe Anna, liebe alle,

    mein Herz würde jubeln, wenn ihr bei Move Meta dabei wärt!

    Schule, Uni und Ausbildung, wie ihr sie erlebt, sind nur Symptome. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Wir stellen Geld und Leistung über Selbstliebe und Gefühle. Das Ergebnis ist folgerichtig: Selbsthass und -zerstörung – wie wir es in der Schule und an der Uni lernen… ich muss es wissen, ich hab lange genug studiert und nichts dabei gelernt, außer mich von Ziel zu Ziel zu quälen.

    Wollen wir dafür sorgen, dass Liebe wieder an erster Stelle steht? Dann geht voran, erzählt eure Geschichte bei uns, und reißt die Welt mit! http://de.movemeta.org

    Alles Liebe
    Manuel
    Gründer von Move Meta, und Vollzeitehrenamtlicher (der von Hartz IV lebt, um seine Zeit sinnvoll investieren zu können – erzählt das mal euren Eltern! *g*)

  22. Ich bin 49 und ich habe mit 17 die Schule geschmissen – in der 11. Klasse. Ich habe Einzelhandelskaufmann gelernt, bin Taxi gefahren, hab im Callcenter gearbeitet, in der IT und Großkommunikationsserver gebaut, wollte Lehrer werden und arbeite heute als Schulungsleiter bei einem Bildungsträger und vermittle Arbeitsuchende wieder in Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ich bin zum zweiten Mal verheiratet und habe 5 Söhne.
    Die Schule zu verlassen, war richtig – das System ist absurd auf Gehorsam und Lernen ausgerichtet, eigene Gedanken stören eher – so wie ungewöhnliche Rechenwege. Das hab ich festgestellt, als ich es nochmal versuchte dort – als Lehrer. Ging auch schief.
    Ich hab Dinge gemacht, die ich wollte. die hab ich mit ganzer Kraft gemacht. Dabei war ich aber wohl auch immer so ein bisschen auf der Suche – und als die Zeit reif war, hab ich gefunden, was zu mir gepasst habe. Aber was ich imer wusste – ich wollte etwas mit Menschen machen. Und das hab ich auch immer getan. Das was ich heute mache, werde ich wohl bis zur Rente machen – außer ich gewänne im Lotto.
    Was sich sagen will: Respekt, dass Du Dir diese Gedanken machst, toll, dass Du Dir Rat suchst. Geh, wohin Dein Herz dich trägt. Und wenn Deine Eltern an Dich denken und nicht an das, was sie sich für sich vorgestellt haben – dann kannst Du auch die Schule verlassen. Nur Mut. Das Leben ist bunt und es fängt gerade an. Tu das, was DU möchtest. (und meine jüngsten beiden Söhne gehen auf eine freie Schule – Montessori, Rebecca Wilde- – ich kann ahnen, wie es Dir geht).

  23. Hallo liebe Anna, lieber Ben und alle,
    ich bin jetzt 36 Jahre alt. Bei KRÄTZÄ haben wir immer gesagt: „Schulpflicht ist wie grauer Eintopf mit Esszwang.“ Ich habe die Schule gehasst – aus verschiedenen Gründen. Ich wollte schon nach der 10. Klasse abgehen, aber mein Vater hat mich überredet noch weiter zu machen. Er fragte immer: „Was willst du denn sonst machen?“ Keine Ahnung! Woher sollte ich das wissen? Zu Beginn der 12. Klasse habe ich die Schule abgebrochen. Auf meinem Abgangs-Zeugnis stand überall o.B. (ohne Bewertung). Ich habe dann in den Tag hineingelebt, (zu viel) Alkohol und Drogen konsumiert, war Aussteiger und Wiedereinsteiger, habe eine IT-Ausbildung angefangen und abgeschlossen und mich vor vier Jahren dann doch für ein Studium beworben. Und es hat geklappt – Zulassung gemäß der Regelung „Studium ohne Abitur mit Berufsausbildung“. Ein später Triumph! Mein Studium bereitet mir Freude und ich bin dankbar für diese Gelegenheit. Was kommen wird? Was ich mal werde, wenn ich groß bin? 😉 Keine Ahnung. Ich schätze, als nächstes kommt einfach das Nächste. Mein Weg war und ist in mehr als einer Hinsicht steinig, oft auch schmerzhaft. Am Ende zählt für mich die Freiheit. Ich will das Leben voll leben. Was soll ich sonst anfangen mit diesen paar Jahrzehnten auf diesem kleinen Planeten.
    Liebe Grüße,
    Steven

  24. Möglicherweise ist es in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Üblicherweise hat man nach 10 Schuljahren die Schulpflicht erledigt.
    Wenn einen der Schulalltag so frustriert, sollte man da raus und in das praktische Leben in die berufliche Welt einsteigen. Weg von den verkopften, akademischen Dingen hin zu praktischen Tätigkeiten, beispielsweis ins Handwerk. Da tun sich ganz neue Welten auf, die man in der Schule nicht erfährt. Das hat manchen schon ganz neue Lebensperspektiven eröffnet.

    Also, aus meiner Sicht: Nichts wie raus aus der Schule und rein ins Leben. Und um jede Hochschule einen weiten Bogen mach. Dort ist es naturgemäß noch akademischer und das sollten nur die machen, denen das gefällt – soll’s auch geben.

  25. Hallo Ben,

    definiere doch bitte mal „jung“. Darf ich mit fast 36 Jahren überhaupt noch antworten? 😉

    Ich habe Anna eine Mail geschickt, denn mir ging es ähnlich wie ihr. Keiner hat mir geholfen, niemand hat mir Alternativen aufgezeigt, was ich sehr schade fand. Ich habe sehr sehr lange gebraucht mich zu finden und meinen eigenen Weg zu gehen. Einfach war es nie. Vielleicht kann ich Anna mit meiner Mail Mut machen. Ich hoffe es. Sie ist so jung und es wäre schade, wenn Menschen sie in eine Richtungen drängen oder in eine Schublade steckne würde in die sie gar nicht will.

    Mein Rat ist einfach. Anna soll ihrem Herzen folgen. Es ergeben sich immer Möglichkeiten und seien es erstmal nur Aushilfsjobs und Praktika. Solange sie etwas macht was ihrer Ausbildung dient bekommt sie weiterhin Kindergeld und ist weiter über ihre Eltern krankenversichert. Es kann also nicht viel schief gehen.

  26. Hallo Ben, Anna und Community,

    vorerst möchte ich ein fixes Danke loswerden – für die Bereitstellung des Mediums, Annas Mut sowie die vielen inspirierenden Beiträge der Gäste.

    Ich bin Sebastian, 19 und wohne selbstständig irgendwo in Hannover, wo ich auch mein Abitur mache.

    Seit Mitte der 12. Klasse zweifel ich jedoch daran, dass ich dieses Vorhaben durchziehen werde.

    Es liegt gar nicht an den Leistungen oder daran, dass Mathe nunmal hin und wieder scheisse ist. Viel mehr ist es die fehlende Motivation im Ganzen.

    Warum verbringe ich 5 Tage die Woche damit, Dinge zu „lernen“, die mich nicht interessieren?
    Warum verbringe ich 8 Stunden täglich damit, Dinge zu erledigen, die ich in 2 Std. erledigen könnte?

    Weil mir dann „alle Wege offenstehen“ würden?! Vor ein paar Monaten wäre diese Antwort noch befriedigend gewesen, mittlerweile wirft sie eine neue Frage auf:

    „…und dann?“

    Ich bin mir sehr sicher, dass ich mit einem 9 to 5 Job, der mich jeden Tag ins selbe Büro zwingt und die selben Aufgaben machen lässt, nicht glücklich werde.

    Genauso unglücklich komme ich jeden Tag von der Schule nach Hause mit dem Gedanken, wieder einen Großteil meines Tages und Potentials verschwendet zu haben.

    Genervt von dem ganzen genehmigte ich mir in dieser Woche 2 schulfreie Tage, in denen ich das tat, was mich m.M.n weiter brachte: Ich las endlich das Buch „The Millionaire Fastlane“ (was mich der englischen Sprache übrigens näher brachte, als die letzten 2 Schuljahre zusammen), frühstückte in Ruhe, ging joggen, führte den Haushalt, las mir Methoden zum ortsunabhängigen Arbeiten durch und hatte Abends noch genug Zeit für Freunde.

    Am Ende des Tages fühlte ich mich… glücklich. Ich hatte das Gefühl, meinen Tag effektiv genutzt zu haben.

    Besonders berührt hat mich daher Annas Zeile: „Hier sind nur noch mein Kopf und Ich.“
    Genau so geht es mir auch. Das Herz sagt, sorge dafür, dass du frei und glücklich wirst, der Verstand sieht es auf das Abitur und den darauf folgenden „sicheren“ Job ab.

    Gleichzeitig habe ich ein ungutes Gefühl dabei, den „Rat der Erwachsenen“ zu missfolgen und die Schule zu schwänzen, gar mit dem Gedanken zu spielen diese abzubrechen, nur weil ein paar Bücher und Foren behaupten, einen besseren Weg zu kennen.

    Umso schöner ist es zu sehen, mit den Gedanken nicht alleine zu sein.

    Abschließend hoffe ich für jeden, dass er/sie seine/ihre Entscheidungen richtig fällt und den richtigen Weg einschlägt.

    Gruß

  27. Hallo,

    Ich habe in der 11. Klasse abgebrochen und das war das beste was ich machen konnte. Aber nur weil die Schule, Theorie und das ganze einfach nichts für mich ist. Die Schule hat mich eingeengt und klein gemacht. Ich entschied mich gegen die Schule und damit irgendwie für ein freies Leben. Ich bin jetzt 24, lebe in Südtirol und mache gerade das Bildhauermeisterjahr in einer Marmorfachschule. Bis hier hin wars ein ziemlich schwerer Weg voll ungewissheit und unsicherheit aber es hat sich gelohnt. Ich wusste vorher nicht wie wunderbar das Leben sein kann und was es alles mit sich bringt. Und vorallem was ich alles kann!! 😀 Ich denke einfach gegen das System ist nicht immer richtig, man muss nur schauen das man seinen Weg findet und dafür muss man manchmal die vermeintlichen regeln brechen. Aber davon gibts ja schließlich noch genug 😉

  28. Hallo ihr Lieben,
    erstmal danke an Ben und Anna dieses Thema so offen zu disskutieren. Ich finde es toll wenn man früh beginnt selbstständig zu üebrlegen als immer nur der Herde hinterher zu rennen. Ich denke jeder Mensch ist individuell und wer kein Schultyp ist und weiß das auch die Uni nichts für ihn ist, der sollte sich auf jedenfall überlegen beim Realschulabschluss oder Fachabi zu bleiben und vielleicht eine praktische Ausbildung zu machen, die einem Spaß macht. Mir geht es garnicht darum das Realschule oder Fachabi „schlechter“ sind als Abi, es ist einfsch eine andere Basis für eine andere Richtung von Berufen und anderen Talenten. Nicht jeder kommt mit Mathe, Deutsch und Englisch klar, ist aber meistens Pflicht fürs abi… wer handwerklich oder krestiv begabt ist, dem bringt das nichts. Es bringt niemandem was das Abi zu machen, nur weil man denkt das muss so sein. Trotzdem wollte ich mir zum Beispiel später die Chance geben das ich mir aussuchen kann was ich machen will, das wusste ich nämlich bis zum Abi auch nicht. Und diese Chance am meisten auszuwählen hat man leider mit nem guten Abi. Ich lerne aber wuch gerne und mir macht das Spaß, ich bin einfach ein ganz anderer Typ und freue mich auf ein Unistudium in einem Fach das ich liebe: Psychologie.
    Eine Freundin von mir hat die Schule auch mit Realschule beendet, ne Ausbildung gemacht und gemerkt das sie doch studieren will, jetzt sitzt sie wieder in der Schule mit all ihren Auslandserfahrungen mit jüngeren zusammen und findet es furchtbar… aber sie will durchhalten um zu studieren.

    Was och sagen will, liebe Anna,
    mach dein Abi nicht weil jemand anders es will, sondern weil du es für deine Zukunft willst. Und wenn nicht lass es, das ist dein Leben!

    Liebe Grüße
    Michelle

  29. Hallo an alle!

    Die Schule war für mich eines der größten Probleme meines Lebens…
    Gerade, wenn man in einer Akademischen Familie ( viele Spitzen Uni-Absolventen) aufgewachsen ist, machte es die Lage etwas komplizierter. Wenn man so ein Umfeld hat, kann man sich nicht wirklich erlauben, dass man das Abitur nicht geschaft hat oder sitzen geblieben ist. Man bekommt sehr schnell den Eindruck, dass man dumm ist. Ein Mensch der viele 1er schreibt ist natürlich intelligent und fähig…

    Meine Eltern haben mich auf einer Elite-Schule geschickt. Viele bewundern mich deswegen und können nicht verstehen warum ich abgebrochen habe… Aber ich kann sagen, dass das die beste Entscheidung gewesen ist die ich gemacht habe!

    Ich konnte es einfach nicht ertragen, wie die Lehrer mit mir umgegangen sind. Ich war immer jemand der nur das tun wollte, was mich interessiert hat. Ich musste von jedem Lehrer hören, dass ich krank bin und musste auch öfter zum Psychologen/ Psychiater. Ich war in Mathe sehr schlecht auch auch in zahlreichen anderen Fächern. Ich wollte nicht lernen. War für die meisten also ein ziemlich ungehorsames Kind. Das bin ich glaube ich immer noch 😉 Ich wollte einfach malen und zeichnen und Kunst war mein Lieblingsfach.

    Ich war überglücklich, als ich die Schule abgebrochen habe. Ich habe mich entschieden Grafik-Designer zu werden. Als ich im Berufskolleg angemeldet habe, war ich voller Energie und wollte mich so richtig ins Zeug legen aber mit der Zeit war ich ziemlich schockiert und traurig. Ich habe die Lust am zeichnen verloren und die gleichen Muster, wie in der alten Schule haben sich wiederholt. Es ging nicht wirklich darum, kreativ und innovativ zu sein sondern um den bestmöglichen Facharbitur und gute Noten zu bekommen… In Mathe muss man natürlich gut sein um weiterzukommen und dann gab es Fächer die überhaupnichts mit Grafik- Design zu tun haben…

    Ich habe die Ausbildung abgebrochen und habe mich selbständig gemacht…

    Es ist wichtig, dass man sein eigenes Leben lebt. Lasse dich nicht von fremden Leuten und auch nicht von deinen Eltern beeinflussen, wie du zu denken hast! Was wichtig ist und was nicht wichtig ist! Das entscheidest du selbst. Qualifikationen sagen nichts über dein beruflichen Erfolg aus. Sondern das was DU daraus machst, das zählt. Lasse dich auch nicht von Autoritätspersonen einschüchtern oder von irgendwelchen Akademiker Titel. Die sind auch nicht besser als andere.

    Alles gute

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